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Ost und West · 1901-03-01 · Heft 3 (März 1901) · p. Seite 173 - 174

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 3 (März 1901)
Article
Moses
Date
1901-03-01
Page
Seite 173 - 174 (sequence 7)
Language
German
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173 Henry George: „Moses". 17+ Werkzeugen zu arbeiten, die ihm zur Hand waren, und mit dem Material, das er vorfand. Noch weniger will ich behaupten, dass Formen, die für jene Zeit und jenes Volk passten, auf jede Zeit und auf jedes Volk anwendbar wären. Ich will nicht die Verehrung der Form, sondern die Anerkennung des Geistes. Und doch, wie alltäglich ist es, die Form zu verehren und den Geist zu verleugnen. Es sind viele, die da glauben, dass die mosaischen Gesetze buchstäblich vom Allmächtigen diktiert wurden, und die doch jede Anwendung ihres Geistes auf die heutigen Verhältnisse als irreligiös und kommunistisch denunzieren würden. Und doch, wie viel schulden wir bis auf den heutigen Tag diesen Institutionen! Das einzige bis auf diesen Tag, Avas zwischen unseren arbeitenden Klassen und Frohndienst ohne Unterlass steht", ist eines dieser mosaischen Gesetze. In der politischen Oekonomie ist nichts klarer erwiesen, als dass unter den heutigen Verhältnissen die Arbeiterklasse für siebentägige Arbeit nicht mehr Lohn bekommen würde, als sie jetzt für die sechstägige bekommt, und es würde ihr gerade so schwer fallen, die Zahl der täglichen Arbeitsstunden zu reduzieren, wie jetzt. Wer da eher glaubt, dass der Mensch des Sabbats wegen da ist. als der Sabbat des Menschen, wegen, der mag es weiter glauben; aber, dass da ein Tag in der Woche ist, den der Arbeiter für sich beanspruchen darf — ein Tag in der Woche, an dem der Flammer schweigt und der Webstuhl still steht, das ist — durch das Christentum — dem Judentum zu verdanken, dem Gesetz, das in der sinaitischen Wildnis entstand. Und wer, der die Verschwendung an Produktivkraft betrachtet, kann zweifeln, dass die moderne Gesellschaft nicht nur glücklicher, sondern auch reicher wäre, hätten wir — wie den Sabbattag — auch die wundervolle Idee des Sabbat-Jahres übernommen, oder, seinen Geist unseren veränderten Verhältnissen anpassend, auf eine andere Weise eine entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit eingeführt. Dies sind die charakteristischen Züge, aus denen wir, wie aus den Fragmenten eines Kolosses, die Grösse des Geistes ermessen können, dessen Stempel sie tragen, — eines Geistes, weit voraus seiner Umgebung und ' seiner Zeit — einer jener Sternenseelen, die nicht undeutlich werden durcii die Entfernung, sondern, glühend in den Strahlen ewiger Wahrheit ihr Licht behalten, während Gesetze und Sprachen und Religionen wechseln und untergehen. Wer kann zweifeln, dass der Gedanke grösser war als sein bleibender Ausdruck? Und doch ist dieser Ausdruck in der Welt bis auf den heutigen Tag eine gewaltige Macht. Aus dem freiheitlichen Charakter der mosaischen Lehre entsprang jenes enge Familienleben, das durch alle Zerstreuungen und Verfolgungen hindurch die Individualität der jüdischen Rasse bewahrte, jene Freiheitsliebe, die unter den verzweifeltesten Umständen den Juden charakterisiert, jene heisse Vaterlandsliebe, die da aufflammt in den Makkabäern, und die die jüdischen Bauern sich stürzen liess auf die Lanzenreihen der griechischen Phalanx und der römischen Legionen, jene hartnäckige Ausdauer, und die in Verbannung und Folter den Juden festhalten liess an seinem Glauben. DieLehreMosis entflammte die grossen jüdischen Seher und Dichter, die für uns in Worte fassten das Höchste und- Schönste, was Menschengeist je erdacht; der Raflacl: Der Durchzugder Juden durchs Rote Meer (Vatikan.)

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