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Ost und West · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. Seite 141 - 142

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
Bergab
Date
1901-02-01
Page
Seite 141 - 142 (sequence 5)
Language
German
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141 David Pinsky: Bergab. 142 Purimfest im Mittelalter. (Nach einer alten Illustration.) kleider angezogen und warteten auf den heimkehrenden Simon. Als der Vater vorhin fortgegangen war, da hatte Gittel sich verzweifelt aufs Bett geworfen, geschrieen und gejammert und sich das Haar gerauft. Allmählich war sie ruhiger geworden. Sie'überlegte, was wohl wäre, wenn jetzt jemand käme und allerlei verwunderte Fragen an sie stellte. Wäre es nicht besser, wenn sie Licht im Zimmer machte, sich festlich schmückte und sich eine passende Antwort zurechtlegte? Gleichzeitig aber drängte es sie, die Stube finste. zu lassen und zu verschliessen. Sie stützte ihren Kopf auf die Hände und finstere Gedanken wirrten durch ihren Kopf. So sass sie eine Zeitlang in sich versunken. Plötzlich aber erhob sie sich und richtete alles festlich her. Aus ihren schönen Augen leuchtete ein seltener Glanz. Sie arbeitete mit Lust. Der Gedanke spornte sie, Simon nach den schweren Stunden ein liebliches Heim zu schaffen, das ihn trösten und erheben könnte, damit er nicht vor sich selbst sinken müsste. „Gut Jontef/' rief sie ihm zu, als er in's Zimmer trat — ihre Stimme zitterte, aber sie bezwang sich und sah ihn nun lauschend an. Simon traute seinen Augen nicht. Er hatte geglaubt, dass ihn Finsternis und Trübsal erwarten würden — ein richtiger Tischah-Vath. Und doch bedrückte ihn diese freundliche Helle, denn er ahnte, was in Gittel vorgegangen sein musste. Sein Ohr fing ihre zitternde Stimme auf. Hätte sie geweint, ihm wäre wohler gewesen. Dann hätte ia auch er sein Herz erleichtern können. Mit Thränen. „Du, mein süsses Weib/' sagte er zu ihr mit Liebe. „Was denn?" lächelte sie. Aber viel zu reden wagten sie nicht. — Sie brachte den Thee und goss ein. ..Wollen wir trinken, bei uns soll auch Purim sein!" sagte sie fröhlich .... Hirschele und das Mädchen Hessen ihre Köpfchen auf ihre Arme sinken und schliefen ein: Leibke allein blieb still sitzen und blickte betrübt auf die Eltern. „Dewosche will mir wieder Perrücken nach Haus geben zur Arbeit," schäkerte Gittel. — „Wann war sie denn da?" fragte er ungläubig. — „Frumnie war hier, die dort arbeitet. Sie sagt, jetzt ist viel zu thun. Siehst Du, man braucht sich nicht zu sorgen, nicht zu grämen. Ach, hätte ich das nur früher gewusst, dann brauchtest Du heute nicht als Purimspieler zu gehen." (Von seinem Purimspiel spricht sie natürlich nur beiläufig.) „Ich verstehe Dich nicht/' sagte Simon, „ist denn Purimspielen keine Arbeit. Sieh doch, was ich verdient habe!44 Dabei nahm er die Geldstücke aus der Tasche, und freute sich, dass sie endlich das Gespräch darauf gebracht hatte. Sie wurde bleich, da sie das Geld sah. Doch sie bezwang sich, damit er ihren Schreck nicht bemerkte. „Soviel," lachte sie, und sie that so, als ob es ihr nicht die Seele zerrisse, dass er Geschenke annehmen musste. „Wollen wir doch 'mal zählen!" (in ihrer Stimme rollte es wie Thränen.) Und gezwungen lustig fügte sie hinzu: „Vier Rubel und dreissigKopeken — eine Schuld weniger!" — Vier Rubel und dreissig Kopeken .... Sie möchte

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