Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- Bildende Kunst und Judentum
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 97 - 98 (sequence 4)
- Language
- German
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97 Leo Winz: Bildende Kunst und Judentum. Im Gegensatze zu dieser Vorstellungsweise bildete sich bei den Griechen die Ansicht, dass zur bildlichen Darstellung des Göttlichen die Menschengestalt am geeignetsten sei, im Laufe der Zeit immer mehr und mehr dahin aus, dass die schönste menschliche Form zugleich das würdigste und angemessenste Bild des Göttlichen sei. Für den Griechen waren Tugend und Schönheit auf der einen, und Sünde und Hässlichkeit auf der andern Seite so wesentlich zusammengehörige Begriffe, dass er selbst im gewöhnlichen Leben von jedem anständigen Menschen, der seinen Beifall hatte, stets den Ausdruck „schön und gut" brauchte. Sollte also die sittliche Vollkommenheit der Gottheit äusserlich dargestellt werden, so konnte dies nach griechischen Begriffen nur durch die Darstellung der menschlichen Gestalt in vollkommener Schönheit geschehen. Dies war auch der Grund, warum die Griechen auf dem Gebiete der bildenden Kunst so Ausgezeichnetes und Unübertroffenes leisteten. Den Künstler beseelte der Wunsch, das Göttliche in einer möglichst würdigen Form darzustellen: aber nur die vollendete menschliche Schönheit erschien ihm als eine solche, und dies spornte ihn an, mit unablässigem Eifer ihre Formen und Gesetze zu studieren, bis es ihm gelang, das Ideal, das er innerlich anschaute, äusserlich darzustellen. Jemehr aber auf der einen Seite die Kunst hierbei gewann, desto mehr musste auf der andern die religiöse Bildung dabei verlieren. Bei den Aegypten! und Indern gaben sich die Götterbilder, gerade je unförmlicher und missgestalteter sie waren, desto deutlicher als hieroglyphische Zeichen und Symbole kund, bei den Griechen und Römern dagegen sah ein schöner Knabe oder Mann, eine schöne Frau oder Jungfrau dem Götterbilde so ähnlich, die göttliche Erhabenheit und die menschliche Schönheit verschwammen so sehr in einander, und die ethische Bedeutung der schönen Formen machte sich neben der äusseren Darstellung derselben so wenig geltend, dass das Volk, zumal wenn ihm an Festtagen wieder ganz andere, nämlich jene uralten, weit unförmlicheren, aber nichtsdestoweniger ungleich mehr in Ehren gehaltenen Götterbilder als die eigentlichen wahren Heiligtümer vorgezeigt wurden, ganz verwirren musste. Vergleicht man nun das Heidentum in der Form, wie es sich bei den Griechen in ihren Götterbildern darstellt, mit dem Judentum und seinem strengen Bilderverbot, so stellt sich, und zwar hier anschaulicher als bei jeder anderen Parallele, das, was beide so wesentlich von einander unterscheidet, unverkennbar als der entschiedene Gegensatz zwischen Geist und Sinnlichkeit dar. Der Geist war es, welcher im Judentum die abstrakte theoretische Wahrheit geltend machte, wenn er, die Gottheit als ein rein geistiges, übersinnliches und daher durch keine sinnlichen Formen darstellbares Wesen anerkennend, alle Bilder von ihr schlechthin verwarf und ihren Gebrauch als Versündigung gegen die Wrahrheit, als Abfall von Gott oder Götzendienst ansah. Die Sinnlichkeit dagegen war es, welche im Heidentum, um sich das Göttliche in seiner geistigen Vollkommenheit anschaulich zu machen, die schönsten sinnlichen Formen begehrte und nicht nur im allgemeinen für das Uebersinnliche ein sinnliches Bild, sondern ganz speziell für die Darstellung des geistig Vollkommensten die vollendete ästhetische Schönheit forderte. ■S:V "< BH P^Hb.'Ii ^HyH^^^B"'»^E5tPQfSIIE| f"r s. Jk 1 B ' H MI || jr H ±j ~ : ^M^^yH ^B^T r l^ffiMlffi "' .^p^^hbmSmHH] HBl " ' 5* rÄSSs^ä^B^S^' P^ßlBp ifHpNff /-—litt» . jE§ Tf ^j^HL * ^tf>SÄä2i W^pHl^'i :• " '."«r^3Jfc 'üv i- ' <J NltffcäÄlÄr "s iSP' / < ~:*?1^K^H| m/JTLLw^ * ***JpP3w 1Wjj^fi\ M^ _ r., . sÄ?^ _ * 'fzr'mä pP^flP^^^^m 4«yjBl ABS^* *'. i*^ * " 9Br 2JMr ggg. Vv - ^Qjf^W m^^m-r* Lukas Kran ach. d. J.: Elias und die Baalspriester (Dresden, Gem.-Gal.).