Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- Hebräisch
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 39 - 40 (sequence 4)
- Language
- German
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39 Dr. S. Berufeld: „Hebräisch" 40 griechischen Uebersetzung in das Sprachgebiet der Griechen und Römer. Aber auch in den späteren Jahrhunderten entwickelte sich die hebräische Sprache fort und fort. Nicht nur das talmudische Idiom bot zu diesem Zwecke reichliches Material, auch aus dem Arabischen wurde vieles und vielerlei übernommen. Man darf nicht vergessen, dass die hebräische Sprache, auch nachdem ihre Glanzepoche vorüber war, niemals aufgehört hat, die Verkehrssprache aller Juden zu sein. In ihr wurde durch alle Jahrhunderte der private und der wissenschaftliche Briefwechsel vermittelt, Tausende von theologischen und volksbelehrenden Büchern, Predigten, Erzählungen, geschichtlichen Chroniken, wissenschaftlichen Abhandlungen, Erbauungsschriften, Flugblättern und Streitschriften wurden in dieser Sprache niedergeschrieben. Wenn auch .in dem letzten Jahrhundert in ihrer Entwickelung scheinbar ein Stillstand eingetreten war, so hörte sie doch nicht zu leben auf. In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, insbesondere aber in den letzten zwei Decennien, nahm die hebräische Litteratur einen neuen grossen Aufschwung. Da Jahr für Jahr mehrere Hundert hebräische Bücher erscheinen — die merkwürdigerweise auch gekauft werden — und infolgedessen eine reichhaltige Litteratur auf den verschiedenen Gebieten entstand, so ist es erklärlich, dass neuerdings die Frage der weiteren Sprachbildung wieder eine sehr lebhafte geworden ist. Für wissenschaftliche Forschungen, für manche feine und tiefgehende psychologische Studie in der schönwissenschaftlichen Litteratur erscheint mitunter der hebräische Wortschatz unzulänglich. Viele neue Wortbildungen sind auch in der letzten Zeit geschaffen worden; dass sie nicht immer glücklich ausfallen, mag dem Umstände zugeschrieben werden, dass sich damit oft Leute befassen, denen die philologische Schulung abgeht und der hebräische Sprachgenius fehlt. Nicht die neuen Wortbildungen an sich sind zu verwerfen, sondern die leichtfertige Art und Weise, wie sie mitunter vorgenommen werden. Vieles ist vielleicht von den hebräischen Sprachvereinen zu hoffen,die, zuerst in Jerusalem und nachher in verschiedenen europäischen Städten, letzthin sogar in Berlin entstanden, sich damit befassen, die hebräische Sprache durch mündliche Unterhaltung zu fördern und weiter zu bilden. Es wird sich hoffentlich bei dieser Uebung zeigen, welche Neubildung lebensfähig ist, und welche wiederum als unorganisch zu verwerfen wäre. III. Hebräische Zeitschriften. Als Verkehrssprache hat die hebräische natürlich auch Zeitungen im modernen Sinne aufzuweisen. Das hebräische Zeitungswesen kann jetzt auf eine Zeitgeschichte von hundertundfünfzig Jahren zurückblicken. Die erste hebräische Zeitschrift erschien im Jahre 1750 in Berlin, von keinem geringeren als Moses Me nde 1 s so hn herausgegeben. Sie hiess ,,Koheleth Müssar" und erschien wöchentlich. Im ganzen sind zwei Nummern dieser Zeitschrift erschienen, dann ging sie ein, wohl aus Mangel an Abnehmern. Die weit verbreitete Annahme, sie wäre auf Veranlassung des Rabbinats und Vorstandes der jüdischen Gemeinde unterdrückt worden, ist unbedingt als Fabel zurückzuweisen. Gedruckt habe ich diese Zeitung niemals gesehen, wohl aber handschriftlich. Grosse Epoche in der jüdischen Geschichte machte die Monatsschrift „Hameassef", welche ein Kreis junger, begabter Männer, die für Bildung und Aufklärung unter den Juden thätig sein wollten, im Jahre 1783 in Königsberg i. Pr. herauszugeben begann. Die dünnen Heftchen im Duodezformat haben eine grosse Rolle in der deutschen' Judenheit gespielt. Im Jahre 1811 ging jedoch die Zeitschrift vollständig ein, nachdem sie in den letzten Jahren ihesr Daseins ein kümmerliches Leben gefristet hatte. Zu ihren I . ' 1 — ersten Mitarbei- Aitern gehörten die berühmtesten jüdischen Schriftsteller: Mendelssohn, Maimon, Friedländer, Markus Herz, Wessely und viele andere. Seitdem gab es in der Judenheit nur hebräische Jahrbücher, die zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten erschienen U. Ginzberg^ (Achad Ha'am), , t t * hervorragender hebräischer Publizist. sind. Im Jahre 1858 gründete E. L. Silbermann in Lyck die erste politische Wochenschrift ,,Hamagid", die noch in der dritten Auflage des Mey ersehen Konversationslexikons als ,,Weltblatt4' bezeichnet wird. Das Blatt erscheint jetzt, wenn auch nicht mehr als Weltblatt, in Wien. Später kam das Wochenblatt „Hameliz" (von AI. Zederbaum zuerst in Odessa und dann in Petersburg herausgegeben). Es ist jetzt ein politisches und litterarisches Tageblatt und wird von Leon Rabinowitsch redigiert. Der bekannte Astronom Ch. S. Slonimski gründete im Jahre 1873 in Berlin ein Wochenblatt „Hezefirah", das z. Z. in Warschau als politisches Tageblatt erscheint und von N. Sokolow geleitet wird. Es ist jetzt das Organ der politischen Zionisten in Russland, während der „Hameliz" der ^zionistischen Partei als Organ dient. Wochenblätter giebt es noch ausserdem in