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Ost und West · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1919) · p. Seite 295 - 296

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1919)
Article
Jaákobs Traum
Date
1919-11-01
Page
Seite 295 - 296 (sequence 3)
Language
German
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295 Jaakobs Traum. 296 Hinauf zu Aetherhöhen wird in den Tiefen des Alltags durch die Magie starker Schollenkräfte ge* zügelt. So läßt Beer?Hofmann oft die ausschwei* fenden Schwingenfahiten seiner Himmelsfreundin Phantasie durch ihre irdische Gegenspielerin: Ver* nunft überprüfen, und eben diese überirdische Flug* bereitschaft und zugleich irdische Verankerung der selben Künstlerseele, dieses Schwanken zwischen Dichter* und Denkertum, zwischen Ekstase und Philosophie, schenkt dem unbefangenen Betrachter der nicht gerade stofflich starken Begebenheiten im beabsichtigten -dramatischen Gebild ein unbe* absichtigtes neues Drama, dessen nachschwingende Stärke die ursprüngliche Kraft der dargestellten Handlung bei weitem übertrifft. Betrachtet und bewertet man dieses Werk jedoch lediglich vom rein jüdischen Standpunkt, so muß man ihm eine sehr wesentliche Bedeutung zuerkennen. Denn in dem gesamten dramatischen Schrifttum unserer Zeit singt: „Jaäkobs Traum" als Dichtung voll geballter Kraft bisher am. stärksten die Sehnsucht des jüdischen Volkes nach seiner Heimkehr in das gelobte Land unserer Väter aus. Und wenn wirklich einst ein Herold von den Zinnen Jerusalems nicht mit der Posaune, sondern mit dem Sprachdoimer zugleich hoher und tiefer Dichterworte unsere Brüder und Schwestern als Zionseidame und *bräute zu begrüßen hätte, könnte er mit Recht den Ausklang dieses Vorspiels als rauschende Huldigung an die kuppeige krönte Hauptstadt unserer Sehnsucht und an das Land unserer Väter den trunken aufjauchzenden Pilgerscharen darbringen. Klingt es nicht wie eine messianiscKe Ver* heißung?: J a i k o b : „Mit dieses Landes Frucht und Segen salb' ich Dich Stein" (sich freudig besinnend) „Mit meines Landes Wein .. und Milch .. und Oel." Idnibaals Stimme (aus dem Tal): ,.Kommst Du — Jaäkob?" Taäkob: (Gegen Osten gewandt, . hcchauf* gerichtet, ruft er mit jubelnder Stimme ins Tal hinab): „Nicht-Jaäkob! Nies der zu Euch steigt — der mit Gott rang — Jisro*El!' Und brausen nicht die Worte des Erzengels Michael als Hohelied auf das jüdische Volk mit majestätischer Wucht?" Michael: „Auf meine Lippen legt der Herr — dies Wort: Was du dir wählst — versagt der Herr dir nicht! Mächtige Könige des Meerlands — enden 1 Mizrajimschwindet! Babel — wanktundfälltl Nur du — Sein ewig Volk — darfst ewig wandern. — Ein ewiges Wunder Seiner ewigen Welt!" Gerade dieses Drama müßte vom bewußten Judentum als Weihespiel voll festlicher Verheißung mit einem starken Seelenwiderhall begrüßt werden. Vielleicht wird jener nationaLjüdische Grund* klang des Beer * Hofmannschen Werkes in diesem verhältnismäßig engen dramatischen Bezirk, der jedoch von. einem großen Gedanken* und Gefühls* reichtum erfüllt und gesättigt ist, das Weltbürger* tum mancher Seele befremden, vielleicht wird mancher in der Ausdeutung alter Sinnbilder etwas dem Geiste unserer Zeit Wesensfremdes finden und in der Verherrlichung Israels lediglich eine religiöse Parteipredigt auftönen hören. Wer immer so dächte und fühlte und trotz der majestätischen Wucht des jüdisch * nationalen Grundtons nur einen solchen Klang vernähme, irrte dennoch. Richard Beer* Hofmann müßte nicht ein so inbrünstiger Gott* sucher und Seelenfürst sein, wenn er nicht über und neben den nationalen Hauptchören die von allen Gezeiten und Ländern gelöste Stimme der Menschlichkeit aufbrausen ließe. Diese Stimme rauscht mit eindringlicher Kraft bei dem Versuch der An* näher ungjaäkobs an Edom. Jaäkob: (zu Edom): „So faß ich deine!" (Mit raschem Griff legt er seinen Arm in Edoms Arm, faßt EdomsHand und reißt die beiden verschlungenen Arme hoch.) „Erhobene Arme ihr — verschlungne Arme!" (Kurz zustoßend ritzt er seinen und Edoms Arm.) „So — schneid' ich in euch ein, heilige Zeichen! Feindlicher Bruder du, vom Mutterleib her — AusfreierWahlseimir von neuem Bruder!" Phot, Zander u. Labiscli Ernst Deutsch als der Versucher Samael in der Berliner Aufführung von «Jaäkobs Traum"

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