Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1919)
- Article
- Jaákobs Traum
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 293 - 294 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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293 Jaakobs Traum. Gruppe aus Richard Beer-Hofmanns dramatischer Dichtung „Jaakobs Traum" Phot.Oertei, Berlin, in der Aufführung des Deutschen Theaters in Berlin Maria Fein (Rebekka) Else Heims Margarete Christians Veischlingung der drei gekennzeichneten Wege ergeben sich folgerichtig drei sich nicht immer leicht verschmelzende Stilarten: heiße Verzückung, kühle Betrachtsamkeit und massenbezwingender, rauschender Redestrom. Ueber dem schmalen Beiirk einer kleinen Handlung wölbt sich ein Himmel, auf dessen Wolkengrund die Morgenröte einer messianischen Verheißung in Flammenzeichen wie mit purpurnen Buchstaben die Wertsendung Israels als des ron Jahwe auserwählten Volk2s famalhaft einbrennt Die äußeren Geschehnisse dieses dramatischen Gebildes, dessen stärkste künstlerische Anreize jedo:h lyrischer Natur sind und die bald unter* irdischen, dumpf hinrollenden, bald überirdischen, zu Aetherhöhen aufbrausenden Tönen ihre sorgsam erwählte Sprachmusik schenken, lassen sich in wenige "Worte zusammenfassen, Esau, hier Edom genannt, stellt seinem .Bruder Jaäkob nach, weil dieser ihm den Segen seines Vaters gestohlen hat. Auf einsamer Bergeshöhe begegnen sich beide, aber Jasikob weiß die Mordgier Edoms durch seine eigene SeelenhaftLgkeit zu entwaffnen. Zwei Welt* anschauungen ringen hier miteinander: das Dunkle mit dem Lichten, der Tatmensch mit dem Traum* freunde, und diese Kämpfe zweier Irdischen wieder* holen sich in den Jenseitsgefilden in den Schlachts¬ und Schlafgesängen, der schwarz* und weißbe* fittichten Engel, deren rauschender Flügelschlag von den Aeonen der Ewigkeit herzuwehen scheint, und das Seelensuchertum Beer* Hofmanns, den man mit Fug einen jüdischen Hebbel nennen dürfte, schwankt in seinem Zwiespalt zwischen höchster Gläubigkeit und tiefstem Zweifelsdrarig, taumelt zwischen Ge* wißlieit und Besorgnis einher und fühlt sich zwischen Lust und Qual bald von Jahwe zu höchster Huld auserkoren und begnadigt, bald zu tiefster Schuld verfehmt und von ihm verstoßen. So wechselt oft ein jauchzender überirdischer Klang mit einer irdischen Klage und Anklage, und wo die Sinne die steilsten Flammen ihrer hymnischsten Verzückungen auflodern lassen, löscht die Erd* flächen liebende FLut einer kühlen Vernunft und eines abwägenden Sinnierens und Grübelns j«ene Gluten wieder aus. Aus diesem Kampf zwischen Herr und Hirn ergibt sich als künstlerischer Maingel ein Widerstreit zweier Stilarten: reinste Seeleneinfalt wird durch Geisteszweifel getrübt, und unter der fontänenhaft himmelwärts auf* sprudelnden Psalmenseligkeit raunen die dunklen Quellen der Erdgebundenheit ihre scholastischen Chöre. Es ist, als brauste ein lauschender ewiger Zwiegesang zwischen den beiden Worten: „Empor!" und „Hinab!", und das festliche und fessellose