Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli-August 1919)
- Article
- Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 193 - 194 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2583875-2584087-2584091-2607835--17554-2607882- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
193 Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreicli der Zukunft. 194 Lange bevor es zu entscheidendem Ergebnis käme, wären beide Teile eischöpft und Untergang oder Revolution müßte über die Völker hereinbrechen. Daraus ergibt sich, daß der Krieg aufgehört hat, als geeignetes Mittel mr Austragung der Völkerstreitigkeiten 2U dienen. „Der Krieg ist unmöglich geworden!" rief Bloch. „La guerre impossible!" lautete der Titel einer Broschüre, die er gleich nach dem Erscheinen des Hauptwerkes in Paris veröffentlichte. Das Wort „unmöglich" ist in demselben Sinne zu verstehen, wie, wenn man zu einem Menschen spricht: es ist unmöglich, daß du dich vom fünften Stockwerk aufs Pflaster hinunterwirfst. Es bleibt ihm natürlich unbenommen es dennoch zu tun, aber die Folgen sind unausbleiblich. Das Blochsche Werk bildet eine förmliche Enzyklopädie des Krieges und ist eine villkommeneFundgrubc ersten Ranges für eine große Anzahl von Fachmännern geworden. Die eisten drei Bände schildern den Kriegs mechanisrnus, die Geschichte des Land- und Seekrieges, dieEnlvricldungderWaifen und der Kriegstechnik. Der Äderte Band ist der Darstellungder wirtschaftlichen Erschütterungen und der materiellen Verluste des Zukun ftskrieges gewidmet. Der fünfte enthälteine ausführliche Geschichte der pazifistischen Bestrebungen bis auf die Gegenwart, stellt die Frteile der führenden Geisler aller Zeiten über den Krieg zusammen. Der sechste Hand bietet einen gedrängten UeberbücküberdenGesamtinlult, entwickelt die Hauptstreitmomente zwischen den Staaten der Gegenwart und enthält den ausführlichen Entwurf eines Schiedsgerichtes und Völkerbundes. Gewisse Fragen, z. B. die polnische und die russiseh-südslavische durfte der Verfasser in Rußland überhaupt nicht berühren, wenn er seinem Werk nicht die Möglichkeit nehmen wollte, das Licht des Tages zu erblicken. Auch zog er die Möglichkeit, daß Amerika in den europäischen Krieg eingreifen würde, sowie daß Italien gegen seine lang jährigen Verbündeten in den Krieg ziehen könnte nicht in Betracht, obwohl er die bestehenden Bündnisse mitsamt dem Völkerrecht äußerst gering einschätzte. Sonst hat sich alles bewährt, was er vorausgesagt hat. Der JOHANN VON BLOCH kommende Seekrieg, schrieb er, wird weniger im Kamptc der Flotten, als in kriegerischen Operationen gegen die feindlichen Handelsschiffe bestehen. Er sagte auch voraus, daß die Grausamkeiten des Krieges zunehmen würden. Nicht nur einzelne befestigte Städte, sondern ganze Länder würden in Belagerungszustand versetzt werden. „Die modernen Mittel machen es möglich, durch Unterbindung der Seewege ganze Völker zu schwächen, Millionen Menschen dem Hungertode nahe zu bringen." Sehr eingehend behandelt Bloch die Bergung der Verwundelen und weist nach, daß trotz der hohen Entwicklung der Chirurgie und der sonstigen Heiltechnik jeder künflig-e Krieg unwiederbringliche Menschenverluste in einem noch nie dagewesenen Maße verursachen und eine genügende Hilfeleistung an die V erwundeten und Beschäd igten zur Unmöglichkeit werden muH Das Unterseeboot war zu seiner Zeit erst in den bescheidensten Anfängen, aber sein Vorläufer, das Torpedoboot war schon in voller Wirksamkeit. Bloch zitiert die Lehre eines Professors an der Pariser Kriegshochschule namens Charmes., wonach der Kommandant eines solchen Bootes jeden feindlichen Handelsdampfer ..ohne Warnung mit Fracht, B e m a n n u n g u n d Passagieren zu versenke n und s og 1 e i c h das W c i t e zu suchen" verpflichtet sei. Hier haben wilden tatsächlichen LI-Bootkrieg, vor zwanzig Jahren von französischer Seite gepredigt. Einzelne Sätze in seinem Werke lesen sich heute wie ein vaticinium ex eventu, und man muß sich vor Augen halten, daß sie vor zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren geschrieben wurden, sonst könnte man glauben, sie wären aus den Erfahrungen des letzten Weltkrieges abgeleitet. „Der Vorteil wird im künftigen Kriege sich immer mehr auf die Seite der Defensive neigen." „Der Menschheit bleibt in den jetzigen Zuständen nur die Alternative: entweder Ruin durch die Fortdauer des bewaffneten Friedens, oder eine wirkliche Katastrophe: der Weltkrieg." „Der Krieg der 'Zukunft wird kein Krieg zwischen Menschen, sondern zwischen Maschinen sein; nicht der tapferere Mensch, sondern die bessere Maschine wird siegen." „Vor allem aber wird Amerika