Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli-August 1919)
- Article
- Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 189 - 190 (sequence 6)
- Language
- German
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189 Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Znkunft 190 zusetzte. Gegen diesen harten und grausamen Satrapen führte Bloch einen ständigen Krieg. Kurz nach dem Erlaß der berüchtigten Maigesetze, die das Wohnrecht der Juden in Rußland arg beschränkten und unablässige Austreibungen ermöglichten, plante die Regierung dieselbe „Ordnung" auch auf Polen auszudehnen. Im Ministerium ließ man aber Bloch wissen, daß das Unheil gegen, die Entrichtung eines Bakschisch von einer Million Rubel abgewendet werden tonnte. Bloch organisierte eine Sammlung, stellte sich mit einem nahmhatten Betrag an die Spitze und bald war die nötige Summe beisammen, die das Herz der Petersburger Gewalthaber milder stimmte. Als später ausländische Juden, die sich nicht taufen lassen wollten, massenhaft aus Rußland ausgewiesen wurden, gebrauchte Bloch seinen Einfluß in Petersburg, um von vielen das Schicksal abzuwenden. Im Jahre 3885 beauftragte ihn die vom Ministerium des Innern unter Vorsitz des Grafen Pahlen einberufene Kommission zur Oberprüfung der Judengesetze mit der Abgabe eines Gutachtens, welches er unter dem Titel „Pachtung und Erwerb von Grund und Boden durch die Juden" auch im Druck erscheinen ließ. Die Schrift machte großes Aufsehen. Aber der reaktionäre Kurs wurde durch die genannte Kommission nicht aufgehalten. Für Bloch war das Gutachten der Ausgangspunkt zu einer Untersuchung im großen StiL über die Judenfrage im russischen Reiche. Es galt, zunächst genaue statistische Daten zu gewinnen. Die amtlichen Publikationen der Regierung waren tendenziös zugestutzt, wenn nicht gar gefälscht. Aber vor Bloch öffneten sich die geheimen Archive, und er konnte unmittelbar aus den Berichten der lokalen Behörden schöpfen. ' Außerdem organisierte er mit großem ERNA PINNER Kostenaufwand ein Bureau in Warschau, entsandle eine ganze Anzahl von gebildeten Männern un<f Frauen in alle Gegenden wo Juden wohnten, und ließ, sie nach wohldurchdachter wissenschaftlicher Methotic die Verhältnisse der Juden an Ort und Stelle studieren. (Unter anderen war der bekannte Schriftsteller J. L. Perez lange in diesem Dienst tätig.) Einige hervorragende russische Nationalökonomen und Statistiker waren Bloch bei dieser Arbeit behilflich, so z. B. Prof. Subbolin in Petersburg. Die Frucht dieser Arbeit war das im Jalire 3901 zu Petersburg in russischer Sprache gedruckte Eünfbändigc Werk: „Vergleich des wirtschaftlichen Lebens und der sittlichen Zustände innerhalb des jüdischen Ansiedlungsrayons und im übrigen Rußland." Das Buch enthielt 140 Tafeln und 350 Karlogramme und graphische Darstellungen. Es bot eine unermeßliche Fülle von aus erster Quelle geschöpftem statistischem Material zur Beurteilung der Judenfrage in Rußland, nebst einer ausgezeichneten historischen Darstellung des Antisemitismus in Westeuropa. Blochs Ausführungen gestalteten sich zu einer vernichtendem Anklage gegen die russische Judenpolitik. Er wies nach, daß alle amtlichen Veröffentlichungen, über die Verhältnisse der Juden gefälscht waren und in Widerspruch standen zu den in den Archiven ruhenden Materialien, aus denen sie angeblich geschöpft waren. Die russische Bureaukratie rechtfertigte ihr Vorgehen gegen die Juden damit, daß sie diese als ein Y erderben für das Land, namentlich für die Bauernbevölkerung, hin stellte. Bloch verglich die wirtschaftlichen und sittlichen Zustände in den fünfundzwanzig Gouvernements, wo die Juden in Massen wohnten, mit denen im übrigen Rußland und es ergab sich, daß sie in den erstcren ungleich besser waren, als in den Stilleben Oelbild Frankfurt a. M.