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Ost und West · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1919) · p. Seite 185 - 186

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1919)
Article
Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
Date
1919-07-01
Page
Seite 185 - 186 (sequence 4)
Language
German
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185 Jüdische Vorkämpfer für das Menschenrecht der Zukunft. 186 Gebiete der Industrie., des Bankwesens und des Eisenbahnbaues. Aber auch hier kannten nur vereinzelte den Weg, den er bis zu dieser Höhe durchmessen hatte. Johannes (Jochanan Gottlieb) Bloch war im J. 1836 in dem kleinen polnischen Städtchen Radom geboren, als Sohn eines blutarmen Zizith-Machers. Im Cheder erwarb er einige dürftige Kenntnisse im Hebräischen und im Schreiben. Als er ungefähr zwölf Jahre alt war, siedelte sein Vater nach Warschau über, wo die Familie in einem der weiten Höfe des jüdischen Proletarierviertels Unterkunft fand. Das Gewerbe des Zizith- Spirmens war in der Hauptstadt womöglich noch weniger einträglich als in Radom; dagegen konnte der Junge sich hier einige Kenntnisse im Polnischen und im Rechnen aneignen. Kurze Zeit durfte cr sogar eine Art Real- und Handelsschule besuchen. Schließlich trat er als Laufbursche in das Bankhaus Töplitz ein. D as ermöglichte ihm, sich sogar Bücher zu kaufen, die er die Nächte hindurch verschlang. Der Laufbursche brachte regelmäßig Rechnungen und Briefe an den in "Warschau stationierten General "Piesenhausen., dessen Gelder das Bankhaus verwal- Aci' tele. Der General zog den aufgeweckten Jungen mit den sinnenden klaren Augen oftmals ins Gespräch und gewann ihn schließlich so lieb, daß er ihm eine selbständige Stellung an seiner Dampfmühle in Petersburg anbot. Hier entfaltete Bloch großes organisatorisches Talent, erkannte mit scharfem Blick die Wichtigkeit der Eisenbahnen, die damals in Rußland ihren Einzug Iiielten. Der Einundzwanzigjährige trat 1857 als selbständiger Eisenbahnbauunternehmer in Polen auf, erwarb sich im Ver- EKNA PINNER laufe von drei Jahren ein ansehnliches Vermögen und gediegene Erfahrungen. Marquis Wielopolski, der als Zivilregent des Königreichs Polen mit großem Eifer die wirtschaftliche Entwicklung des Landes förderte, übertrug dem jungen Unternehmer den Bau wichtiger Eisenbahnlinien. Bei dieser Gelegenheit trat Bloch in geschäftliche Verbindung mit dem Baron Leopold Kronenberg, dem wichtigsten Pionier des industriellen und kommerziellen Aufschwunges des Königreich Polens seit Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Eine Anzahl jüdischer Familien stand damals an der Spitze dieser Bewegung, die den Wohlstand Polens begründete und der, nach den Aufständen von 1831 und 1863, aus allen Aemtern verdrängten Intellektuellenschicht sowie dem verarmten und verfolgten A del ein auskömmliches Dasein sicherte. In Polen herrschte zu jener Zeitden Juden gegenüber eine Verbrüderungstimmung, und in der jüdischen Plutokratie entstand eine Strömung, ähnlich der, die etwa ein halbes Jahrhundert zuvor in Berlin vorwaltete. Die reich und vornehm gewordenen Bankiers¬ und Industriellenfamilien traten zum Christentum über, aber aus einer gewissen Rücksicht auf die Ehrlichkeit wurden sie nicht katholisch, sondern protestantisch. Der Protestantismus schien an die Tragkraft ihrer Glaubensfreudigkeit ungleich geringere Ansprüche zu stellen als der Katholizismus. Dagegen überzeugte sich die zweite Generation, die sich mit dem polnischen Hochadel?erschwägerte, rasch von der allein seligmachenden Wahrheit der katholischen Kirchenlehre .... Der Baron Leopold Kronenberg war einer der ersten Männer im Lande; es gab kein Gebiet der praktischen oder idealen Kulturarbeit, auf dem er nicht bahn- Frankfurt a. M.

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