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Ost und West · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1919) · p. Seite 147 - 148

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1919)
Article
Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges
Date
1919-05-01
Page
Seite 147 - 148 (sequence 6)
Language
German
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147 Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges. 14S Berliner Logen U. O.E.B., darf in diesem Gebiet auf eine besonders vielumfassende Tätigkeit zurückblicken. Die in ihm arbeitenden Frauen, geführt von einer klarblickenden und zielbewußten Vorsitzenden, wirken sorgfältig -und verständnisvoll. Der Frauenverein gibt denjenigen Wöchnerinnen, die in ihrer eignen Häuslichkeit die Zeit des Wochenbettes verbringen wollen, jüdische Frauen, die den Haushalt in Stand halten, waschen, kochen, die "Wöchnerin pflegen, den Säugling warten und die vorhandenen Kinder betreuen. . Wer von den Bittstellerinnen über diese Zeit des Wochenbettes aus irgendeinem Grunde nicht zu Hause sein kann, der findet im Wöchnerinnenheini des Vereins alles zur Entbindung Notwendige, Arzt, Pflegerin, Hilfsmittel. Hat die junge Mutter keine eigne Häuslichkeit, wird sie im Mütterheim des Frauenvereins aufgenommen und kann hier, mit ihrem Kinde gemeinsam lebend, den Tag hindurch ihrem Verdienst nachgehen, während das Kind in der tadellosen Obhut des Heims gepflegt wird. Alle die einzelnen Schöpfungen dieser Wohlfabitseinrlchtung sind überaus gesucht und besetzt. Sehr vielfach waren es da in der Kriegszeit nicht die ganz Annen, die von diesen Wohltaten Gebrauch machten. So manche junge Kriegerfrau, aus Ständen und Kreisen, die sich sonst alles imeignenHeim hätte aufbauen können, vertraute sich dem Schutze des Vereins an. Der Mann war draußen, die Mittel wurden knapper, die Verpflegungsmöglichkeiten wurden es auch immer mehr. Tief empfundene Dankschreiben, von Ehemännern aus dem Felde geschickt, spiegeln den Zustand trostvoller Beruhigung wieder, der die Fernen draußen erfaßte, in dem Bewußtsein und Gefühl, daß ihre Liebsten an Leben und Gesundheit hier geschützt werden. Der Frauenverein hai gleich zu Beginn des Krieges seine Wohltaten über den jüdischen Kreis hinaus ausgedehnt, und die jungen Mütter der verschiedensten Konfessionen genasen unter dem freundlichen jüdischen Dach. 1914 und 15 -wurden 423 jüdische Wehrmannsfrauen 'durch die jüdischen Pflegerinnen des Frauenvereins gepflegt. 221 Kriegerfrauen im Wöchnerinnenheim, darunter Flüchtlinge aus Oestereich, Galizien, Belgien, Ostpreußen usw. Im Mütter- und Kinderheim waren in diesem Zeitraum, nach der Entbindung, 146 Mütter, alles Kriegerfrauen, und 168 Kinder. 21 jüdische Flüchtlingsfamilien wurden kostenlos mit gebrauchten Möbeln ausgestattet, Wohnungen besorgt und mit allem zur Lebensführung Nötigem, Kleidung, Lebensmitteln, Heizung versehen. Eine Mütter-Beiatungsselle wurde dem Heim angegliedert. Dahin kamen die Mütter mit ihren Kindern, ratsuchend und ihn stets auch, tatkräftig unterstützt, findend- Es sind vor allem die landfremden .Frauen aus dem Osten, die sich hier, in ihrer Eigenart, geschützt und verstanden wissend, vertrauenden Herzens beraten lassen. In Vertretung des im Felde stehenden Hausarztes hat eine tüchtige junge Aerztin in der Kriegszeit ihres Amtes mit liebevollem Verständnis gewaltet. Die rege Inanspruchnahme dieser Stelle bezeugt die dafür zugrunde liegende Notwendigkeit. " : Neu aufgenommen wurde ferner die .Ausbildung: zu Säuglingspflegerinnen. In Kursen von je 6 Monaten, erwerben sich die Schülerinnen unte$ Leitung unserer sozial denkenden, sozial arbeitenden'-Aerzte, die sie hierzu befähigenden Kenntnisse. Für die. Pflege des; Säuglings bietet das Mütter- und Kinderheim reiches Lehrmaterial. Eine zur vollendeten Ausbildung unerläßliche genaue Kenntnis der Hygiene des Wochenbettes und des Neugeborenen erwerben sich die Schülerinnen im Wöchnerinnenheim des Vereins. Die Anmeldungen zu diesen Lehrkursen sind stets zahlreich. Aus den verschiedensten Lebenskreisen kommen die jungen Mädchen zu uns. Doppelter Segen ersirahlt dieser Ausbildung. Vielen wird sie zur ersehnten gesicherten Lebensstellung in einem liebgewordenen Berufe. Wo nicht Berufsgebot, kommt sie verheißungsvoll dem jungen ernporblühenden Geschlecht zugute. Die jungenMädchen werden ertüchtigt und befähigt, wissend und könnend die gefahrvollen Hemmungen zu überwinden, die der körperlichen Pflege des Säuglings durch Unwissenheit und Unerfahrenheit so oft im Wege stehen. Frohsinn und Familienglück, Freude an-der lieblich blühenden MenschSüblume gedeihen durch Tüchtigkeit und durch die mit Leichtigkeit geübte Sachkenntnis. Die Bekleidung jüdischer Kinder wurde nachdrücklich und mit Fleiß von den verschiedensten Vereinen im ganzen Reich und hier in Berlin durchgeführt. Wäsche für die Lazarette geliefert, Kleidung an die Angehörigen von Soldaten überwiesen, die Hilfe für die armen unglücklichen ostpreußischen "Flüchtlinge mit eindringlicher Gewissenhaftigkeit in die Wege geleitet. Das Genesungsheim der jüdischen Gemeindein Lehnitz half durch seine ganz vortreffliche Leitung; und Verpflegung zur Hebung der Volksgesu: -dheit unter den jüdischen Frauen und Mädchen, die sich dort vier Wochen hindurch stärken und erholen konnten. Osttind westpreußische geflüchtete Lehrerinnen fanden» ■während der Kriegszeit Genesung und neue Kraft. Die Frauen-Unterstützungsvereine brachten den Kriegerfrauen ein vertieftes und verinnerlichtes Interesse entgegen und wirkten fürsorgerisch eingehend auf das Wohl der Familienangehörigen. Da der Gatte und Vater im Felde war, bedurften sie dringend dieses? schützenden und wachenden Auges. Barunterstützungen« wurden gegeben und den Nöten der Einzelnen mit geschultem Blick zu begegnen gesucht. Die mehr und mehr überhand nehmende Knappheit der Lebensmittel schuf Kriegsküchen und Speiseanstalten für Volksernährung. In vielen Städten wurden solche mit den günstigsten Erfolgen gegründet und wir wissen von Frankfurt a.M, von einer ganz ausgezeichnetenMittelstandsküche in Hamburg, die auf ritueller Grundlage aufgebaut, dem weiten-Kreis der Notleidenden lebenserhaltend zugute kam. Sie ist von den Frauen der Steinthäl-Loge begründet, und großen Kreisen Berufsarbeitender dient

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