Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1919)
- Article
- Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 149 - 150 (sequence 7)
- Language
- German
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149 Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges. 150 sie segensYoll. Sie empfängt mit einen Teil der Summen, deren sie für ihren Betrieb bedarf, durch den Hamburger Senat, durch die Logen und die jüdische Gemeinde. Zu einer Volkspeise-Anstalt baute sich auch die jüdische Toynbee-Halle aus, die von den Bnei-Bris- Logen im-Jahre 1905 in Berlin gegründet wurde. In ihr entfalteten die Frauen umfassende Tätigkeit. Allabendlich fanden in ihr vor Kriegsausbruch, im ersten Kriegswinter noch, anregende Belehrungen durch.Vorträge, statt, die der geistigen Fortbildung dienten. Künstlerische Darbietungen, Gesang und Deklamation weckten den Sinn für Kunst und schöne Literatur in unserer ärmeren jüdischen Bevölkerung. Nun empfing das Ganze durch die Not der Zeit veränderte Gestalt. Der Raum wurde in einen freundlichen Speisesaal verwandelt. Anfänglich für 20, <lann später für 30 und 40 Pf. wurde ein gutes, streng rituell zubereitetes Mittagessen geliefert. Anfänglich wurden 300 Portionen am Tag ausgegeben, dann aT>er 400. Die . Speisen wurden ohne Unterschied desGlaubens verabreicht, doch waren dreiviertel der Besucher jüdische Gäste. Die taktvolle, fleißige und eingehende Art, mit der Bedienung und Bewirtung ausgeführt wurde, lag in den Händen der Frauen. Der Besuch war ein. vorzüglicher. Die ganze Hinrichtung war eine so schöne, appetiterhöhende und Stimmung erzeugende, daß alle Mitwirkenden den höchsten Lohn in sich fanden und in dem Werke, das der Allgemeinheit so reich diente. In dem 1916 durch zionistische Initiative gegründeten jüdischen Volksheim haben wir eine interessante Schöpfung idealer Lebensarbeit zu betrachten. Es ist nicht eigentlich als Kriegsarbeit gegründet worden. Sein innerster Zweck ist Kulturarbeit, Arbeit an den hier lebenden Ostjuden. Ihnen, den Fremden, Zagenden, sich verlassen Fühlenden., tastend und unsicher der neuen Kultur Gegenüberstehenden festen Boden zu bereiten, daß sie auch unter veränderten Verhältnissen ihrer Seele sich beAvußt bleiben, ist der edle Grundgedanke. Neugestaltet wird er durch die Menschenhingabe der an ihr Arbeiteaiden. Sie leben nach Möglichkeit mit denen, die sie betreuen. Sie lernen ihr Wollen und Empfinden kennen und heben sie, indem sie als Verstehende und Liebespendende ihnen nahe sein können. Dennoch ist von Frauenseite intensive Kriegsarbeit geleistet worden. Da die fährenden Männer im Felde waren, stellten sie sich an die Spitze. Allen voran die leitende gütige Helferin, aus tiefer, zur Bewunderung fortreißenden Kraft. Hier waren die Jugend vereine, Knaben und Mädchen verbunden. Mit starker Mutterhand hindurchgeführt aus anders gearteten Welten, die ihnen dennoch liebevoll erhalten blieben, in Gegenwartsnotwendigkeiten hinein, die sie erziehen und erheben sollen, sucht man sie hier umzubilden, unserer Kultur sich i\i erschließen. Und wie den . Kindern Stütze und Halt und Schutz geboten wird, so schützt man hier auch die Mütter vor Leid und Versumpfung. Wo die Schwachen und Schwankenden den mannigfachen schädlichen Einflüssen von draußen zugänglich gemacht werden könnten, gibt man ihnen hier durch wahrhaft bewundernswert durchdachte Möglichkeiten die Wegerichtung zu ihrer Hebung und zu ihrer inneren Umkehr.' So ist der Jüdische Volksverein ein nicht hoch genug zu bewertender Faktor geworden, im Kampf gegen Kriegsnot und Kriegsverrohung. Ausgehend von mitarbeitenden Frauen, gibt er Befreiung, Menschenerhebung, Schaffung von Menschheitsweiten im edelsten jüdischen Sinne. Uebefblicken wir das Gebiet der gesamten, von der jüdischen Frauenwelt geleisteten Mitarbeit an den Wohlfahrtswerken, die Kriegsleid und 'Kriegsnot zu beheben, zu mildern und zu erleichtern berufen waren, so dürfen wir sagen, wir finden eine gewaltige Summe verständnisvoller Liebestaten. Wollten wir sie erschöpfend darstellen, so könnten wir Bände mit ihrer Aufzählung füllen. Die unausgesprochen in jedem jüdischen Frauenherzen lebende Bereitschaft zur Tat entflammte an den unendlichen Notwendigkeiten für dieses Bereitseinmüssen. Auch ohne daß eine Parole dafür ausgegeben war, suchten und fanden unsere Frauen ihre Stellen, an die sie sich angliederten, zu planvoller Arbeit. In den spezieilen jüdischen Notwendigkeiten erwiesen sie sich hilfreich, ausdauernd in Güte und Verständnisfülle. Die von der Präsidentin des jüdischen Frauenbundes gegebenen Anregungen fanden warmherzige Aufnahme, und so kommt aus allen den vielen Frauenvereinen ein Zug sich begegnender, verständnisvoller und sich ergänzender Hilfsbewegungen. Und wir dürfen es dankbar und stolz sagen, die jüdische Frau hat ihren Platz ausgefüllt unter den kämpfenden, für des Vaterlandes Ruhm und Bestand ringenden Kräften. Sie wird weiter wirken und schaffen, und eine schönere und bessere Sonne möge leuchten und diesem Arbeiten liebe, gesegnete Fliedensziele zieigen.