Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1919)
- Article
- Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 145 - 146 (sequence 5)
- Language
- German
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145 Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während d«es Krieges. t46 aimen Eltern ihre Kinder beruhigt verpflegt und in dem angegliederten Kinderhort wohl geborgen wissen. Tausende armer Kinder werden da gespeist und erzogen und es geht ein Quell aufstrebender Kultur von diesen Stätten aus. Magistrat und Gemeinde wirkten mit bei der Herbeischaffung der Lebensmittel und eine unermüdlich- , arbeitende Vorsitzende sorgte, daß die hungrigen Kleinen satt wurden. Groß ist das Gebiet der freiwilligen Liebespflege, die von Einzelnen geleistet wurde. Reich läßt der Krieg „der Vater aller Dinge", die Lust und Freude am Wohltun emporblühen. Wir kennen die sehr häufig vorkommende gütige Frau, die sich Adressen würdiger Bedürftiger beschafft hat und nun seit Beginn der schweren Zeit in regelmäßigen Abschnitten Körbchen mit Lebensmitteln, wärmenden Sachen für alte Leute, Liebesgaben jeder Art in die Häuser sendete, in der stillen feinen geräuschlosen Weise, die von jeher das Wesen echten Wohltuens bezeugt. Wir kennen ferner die sozial hochstehende jüdische Frau, die seit Kriegsbeginn auf große gesellschaftliche Beteiligung, auf Feste im eigenen Hause verzichtet hat, die aber dafür in ihrer Wohnung eine Werkstätte einrichtete, in der die gediegensten besten Säuglingsausstattungen, für Kinder jüdischer Kriegerfrauen und iür jede jüdische Mutter bestimmt sind, die nicht imstande ist, es sich selbst ■■ anzuschaffen. Die jungen und liebenswerten jüdischen Frauen sollen nicht vergessen werden, die steh zusammentun und gemeinsam Kinderwäsche nähen, die Hausfrauen, die Kriegermütter seelisch und körperlich entlasten, indem sie deren Kinder zusammen mit ihren eignen erziehen. Wir kennen die Eingebenden jungen Mädchen, die in jeder sozialen Arbeit sich mühen, die den Blinden vorlesen, den Kranken im Krankenhaus Erleichterungen in ihrer peinvollen Lage gewähren, die mit den Kriegerkindern, die nicht in Ferienkolonien versandt werden können, allnachmittaglich schöne Spaziergänge in die Umgebung unternehmen, sie in Spielen und kleinen kindlichen Freuden bei ausreichender Nachmittagsverpiäegung stärkender Erholung zuführen. Wieder andere, die den Kontakt getrennter Familien herstellen und in der mütterlichen Bewachung der Kinder Mut und Stärke den getrennten Eltern geben. Nichts im weiten Kreise des Lebens, keine der vielen veränderten Notwendigkeiten, die der Krieg mit sich brachte, blieb unbeachtet. Erfüllt vom warmherzigen Drange zu helfen, waren die allermeisten der Unseren. ' Die Kriegsarbeit der Vereine ist in der Statistik noch nicht abschließend und noch nicht ganz genau bekannt. Es ist darum auch noch nicht möglich, sie lückenlos darzustellen. Doch schon, nach den bis jetzt bekannten Resultaten, bieten die meisten derselben ein schönes Bild. Der „Jüdische Frauenbund", der in sich die weitaus größte Zahl der jüdischen Frauenvereine zusammenfaßt, 210 Vereine mit etwa 45000 Frauen, weiß zum großen Teil schon Eingehendes über die im Kriege geleistete Arbeit. Die Beibehaltung der gewohnten Form, die den Lebensnotwendigkeiten der in Frage kommenden Hilfsbedürftigen angepaßt ist, bleibt bei den meisten Veieinen die Gleiche. Erst dann, wenn das regelmäßig ihrer Hilfe Anvertraute geordnet ist, kommt die sich daran gliedernde Erweiterung, die Hinzuziehung der Kriegsfürsorge. Und dieser Kriegsfürsorge begegnen wir in allen Vereinen, geübt mit inniger Hingabe und großem Verständnis. Desgleich en sind es die Frauenveieine der U. O.B.B.-Logen, die in ihren Mitteilungen an den Verband der Frauen-Vereinigungen der U. 0. B. B.-Logen ihre Kriegsarbeit darlegen. Besonders hervorragend tätig sind naturgemäß die großen Städte mit der Fülle des zu bei arbeitenden Materials. Die Schenkungen und Ueberweisungen, die von den Frauenvereinen all den Hilfsaktionen gegeben wurden, die der „Nationale Frauendienst", das „Rote Kreuz", die „Deutsche Frauendankspende" in die Wege leiten, und alle die Zuwendungen zur allgemeinen Kriegshilfe und Kriegsarbeit finden wir in den meisten Vereinen. Auch die praktische Mitarbeit in dieser wird überall geleistet. Der speziell jüdischen gilt die intensive innere Arbeit. In vielen Vereinen werden allwöchentlich Zusammenkünfte veranstaltet, in denen fleißige Hände sich regen, für unsere Männer draußen zu nähen und zu stricken. Für unsere tapferen Soldaten, die den Unbilden der Witterung ausgesetzt, den unendlichen Schwierigkeiten undGefahren im Schützengraben und im offenen Feld standhalten müssen. Nach dem Einfall der Russen in Ostpreußen, als die Schwergeschädigten wieder zurückkehren konnten in die alte Heimat, besuchte eine Abordnung des „Jüdischen Frauenbundes" mit seiner Vorsitzenden die schwer heimgesuchten jüdischen Ortschaften Hohenstein, Ortelsburg und Soldau. Abgesehen von der Wohltat und dem Gefühl der Zusammengehörigkeit mit der gesamten jüdischen Frauenwelt, wirkte dieser Besuch ermutigend -und erhebend. Der „Jüdische Frauenbund" versprach heim Neuaufbau der Synagogen Thora und Synagogenschmuck für die dortigen Gemeinden zu spenden. Arbeitsnachweise sorgen in umfassender Weise für Arbeitsvermittlung. Die Kriegerfrauen werden gestärkt ■und gestützt, um allenlhalben für sich selbst und ihre Kinder eintreten zu können. Die Hinterbliebenenfürsorge wird mit Emst und Gewissenhaftigkeit von den Vereinen gepflegt. Jeder einzeihe Fall mit der allgemeinen örtlich dafür bestimmten Stelle besprochen und zum befriedigenden Erfolg geführt. Soldatenheini e verschaffen den Genesenden Behaglichkeit und Anregung. Abendliche Veranstaltungen bringen ihnen freundlich wirkende Stimmungen und herzliche Bewirtung. Groß und ernst angelegt ist die Fürsorge für die werdende Mut (er, für die Wöchnerin, für die junge Mutter mit ihrem Kinde. Viele Vereine widmen dieser im Kriege doppelt dringlich, doppelt wichtig ■und wertvoll gewordenen Aufgabe tatkräftiges Verständnis. ' Der größte derselben, der Frauenverein der