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Ost und West · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1919) · p. Seite 143 - 144

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1919)
Article
Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges
Date
1919-05-01
Page
Seite 143 - 144 (sequence 4)
Language
German
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143 Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges. 144 führten. Es war ein plan mäßiges Arbeiten gemeinsam mit dem Hilfsamt der Stadt Berlin, in dessen Kommission einige der HelfeT innen saßen. Als die Beschaffung der Kleider immer schwerer wurrde, richtete die Kriegshilfskommission <c ine Kleiderkammaer ein, die in bewunderungswürdiger "Weise ausgebaut wurde. Von der Armen^, Waisen- und Fürsorgeiommission, auch Ton der Kommission für Durchreisemde, wurden die Bedürftigen an diese Kl eiderkammer gewiesen und man war stets imstaade, ihnen passende., gute und wärmende Kleidung zur Verfügung zu stellen. Bis zum April 1917 wurden insgesamt 6378 Personen mehr oder minder vollständig mit Kleidung bedacht. Die während der Kriegsdauei den Kindern der Kriegsteilnehmer zu gewährende Erlolungszeit konnte in weitem Umfange, dank der hingebenden Arbeit der Frauen- und Jugendfürsorge, geübt werden. Rund 400 Kinder wurden gestärkt und erquickt. In Gemeinsamkeit mit dem Magistrat der Stadt Berlin, mit der jüdischen Ferienkolonie und durch die Zuschüsse der jüdischen Gemeinde kamen die Kinder in Ferien- und Erholungsheime', kamen sie zu Priv&tfamilien in kleinen Städten und aufs Laad ünd^eno-ssen den Segen einer erfrischend wirkenden Ausspannung. Die Kinder der bedürftigen Kriegerfraiaen wurden zu Chanuka beschenkt, ICO7 Kinder im eirsten Kriegs-, winfer vollständig eingekleidet. Im zweiten Kriegswinter schlössen sich dieser Liebestätigkeit der Helferinnen freundliche Gönner an und es konnten durch dieses vereinte Liebesweik 150 Kinder eingekleidet werden. Als die Beschaffung von Kleidern in den jüngsten Wintern immer schwerer wurde, gelang es doch noch, gutes, für den Einzelnen sonst kaum erschwingliches Schuhwerk tu bekommen und es konnten 350 Kinder mit guten Scbnhen bekleidet w<crden. Auch einzelne Teile der Kleidung waren noch beschafft worden, so daß bis zum dritten Kriegswinter 807 Kinder von der jüdischen Kriegshilfskommissi<on bekleidet wurden. In hingebender Arbeit beteiligte sich gleich zu Anfang des Krieges ein beträchtlicher Teil unsemer jüdischen Frauen an der Hilfsorganisation, die der „Jüdische Volks verein* in die Wege geleitet hatte. Es mußte gesorgt werden für die vielen Flüchtigen,, die aus den besetzten Gebieten, besonders aus Polen und Rußland hierherkamen. Die Plötzlichkeit, mit der der Krieg ausbrach, gestaltete den großen Massen der Reisenden, die in Bädern, an der See, im Gebirge und in der Sommerfrische sich aufhielten, nicht mehr die Heimreise. Binnen wenigen Tagen sammeüte sich eine große Menschenmenge uniglücklicher Heimatloser hier au. Teils waren sie ihren; Barmittel bera-tibt,' teils trotz großer Kreditbriefe geldlarm und verlassen, Kranke und Genesende, Schwach*, Verzagte und Verzweifelte, sie alle bedurften der Hilfe; es war eine Riesenaufgabe und sie wurde gelöst, kraft der Hingabe, die nur aufzubringen war durch die begeisterte Liebe zur Sache und durch das warme jüdische I-Ierz. Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde, der städtischen und militärischen Verwaltung, gelang die Unterbringung der Scharen. Und was hier unsere Frauen leisteten, das ist der höchsten Bewunderung wert. Mit beispielloser Tüchtigkeit wurden die Küchen geführt, wurde für das Wohl der hier .Zusammengekommenen gesorgt. Ihre Leiden und ihre Klagen verständnisvoll angehört und gelindert, ihre Sorgen und Nöte liebevoll erörtert, ihren Herzen Trost und Hoffnung gegeben. Und als dann im Laufe der Zeit die verschiedenen Heime sich leerten, die Flüchtigen nach ihrer allen, vielen indessen nicht mehr heimischen Heimat zurückbefördert wurden, als das „Jüdische Volksheim" in der Auguststraße nur allein noch die Unterkunftsstelle landfremder Durchreisender geworden, auch da war es wieder der alte Stamm tüchtiger Frauen, die halfen und die altgeübte Friedensarbeit in den Zeitendes Krieges getreulich weiter pflegten. Bis zum Mai 1917 wurden in den Kriegsküchen 550 000 Portionen Essen verabreicht. 148 000 Beherbergungstage wurden gegeben. Der Arbeitsnachweis intensiv gefördert- Die Fürsorge für Kriegerwitwen- und Waisen wurde in einzelnen Fällen pflegerisch behandelt, alle Hilfsnotwendigkeiten sorgfältig und individuell ausgeführt. In der Versendung der Liebesgaben an die Front wurde der Tapferen draußen gedacht. Es wurde ihnen Lesestoff geschickt, jede nur mögliche kleine Freude als Gruß aus der Heimat ins Feld gesandt. Tatkräftig gedenken auch die jüdischen Frauen der Verwundeten und Kranken in den Lazaretten. Regelmäßige Besuche derselben von Seiten der hierzu von der Kriegshilfskommission ernannten Damen schaffen eine wohltuende Verbindung. Dankerfüllt empfanden es unsere jungen verwundeten Helden, daß sie in alldem Jammer der Zeit, in all dem Untertauchen unter die Massen, liebevoll bedachte Menschen sind, gewürdigt in ihren Leiden als Juden, von guten jüdischen Herzen mit Teilnahme umgeben. Und die Mitteilungen in die Heimat, die vermittelnden Boten sehnsüchtig erwarteter Nachrichten, wie . gerne wurden sie von unseren Besuchenden geleistet. Unsere Töchter in den Lazaretten standen nicht zurück hinter den Leistungen der von länger her geschulten Berufspflegerinnen und die jüdische Krankenschwester ist erprobt und anerkannt und mit Dank gewürdigt. — Aus der Frauen- und Jugendfürsorge, in Gemeinsamkeit mit dem Jüdischen Frauenbund,^kamen auch zur beginnenden Zeit der Lebensmittelkhappheit belehrende Besprechungen über Kochvorschriften, die der Anpassung an die verminderten Möglichkeiten der Ernährung den Weg zeigen sollten. . - Kindervolksküchen erstehen zu segensvollemLeben. Familien nehmen fremde Kinder zu sich ins Haus, um ihnen hier Behagen, Pflege und Ersatz für das öde gewordene mütterliche Heim zu geben. Die Frauen der „Nationalen jüdischen Vereinigungen6' gründen eine streng rituelie Kindervolksküche, in denen nun die

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