Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1919)
- Article
- Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 81 - 82 (sequence 6)
- Language
- German
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81 Jüdische Vorkämpfer für das Menschoireich der Zukunft. S2 gehörigen vieler verschiedener Sprachen zu verkehren, :st also die möglichst große Ausbreitung des Esperanto ein wahrer Segen. In Mittel- und Osteuropa herrschen zum Beispiel 15 oder 16 verschiedene Sprachen. Wie soll ein Kaufmann oder (Gewerbetreibender so viele Sprachen erlernen, um mit allen diesen Völkerschaften, verkehren zu können? D.xs Esperanto würde ihm die Aufgabe in ungeahnter Weise erleichtern. Allein das Esperanto tut der eigenen Nationalsprache des einzelnen nicht nur keinen Abbruch, sondern im Gegenteil, es ermöglicht, diese intensiver zu pflegen durch die enorme Ersparnis an Zeit, welche jeder moderne Mensch, auch wenn er nicht besonders sprachbegabt, gezwungen ist, auf das Erlernen von fremden Sprachen zu vergeuden, die ihm weder Sympathie einflößen, noch geistige Bereicherung bringen. Diese Zeit kann der hierzu Begabte nützlicher verwenden, indem er die alten großen Kultursprachen erlernt: Hebräisch, Griechisch, Latein. Jeder, der auf eine gute Schulbildung Anspruch erbe b t, braucht nur neben de r ei g e nc n Muttersprache das Esperanto z u erlern c , u n d die ganze Welt steht ihm offen, wenn das Esperanto die erwünschte ,V e r - b r e i t u n g g e f u n'-' den hat Man hat gegen das Esperanto den Einwurf erhoben, es sei eine künstliche Schöpfung und könne die natürlich •gewachsenen, urwüchsigen Sprachen nicht ersetzen. Man vergaß dabei, daß das Esperanto die Nationalsprachen gar nicht ersetzen, verdrängen will, es will nur eine H i 1 f ssp'r a che sein nebe n den natürlichen Sprachen, und das leisten, wozu jene ohne Gewaltmaßregeln nicht imstande sind. Das Automobil und das Flugschiff sind ja auch künstliche Erfindungen, sie wollen das Pferd auch nicht ersetzen oder verdrängen und leisten .Großartiges dort, wo die Reichweite des Pferdes aufhört. HUGO KRAYN - Den großen Erfolg des Esperanto verdankt man Glicht hur der genialen Veranlagung seines Schöpfers, der ein Problem gelöst hat, über welches einige der bedeutendsten. Köpfe seit 300 Jahren gegrübelt haben, sondern auch seinen erlesenen Charaktereigenschaften. Dr. Zamenhof besaß alLe Qualitäten, che für den Bahnbrecher einer humanen Idee unerläßlich sind, wenn diese Anerkennung und Ausbreitung finden soll. Er war von unbeugsamer Energie und unerschütterlicher Zuversicht und Hoffnungsfreudigkeit, von unermüdlicher Arbeitskraft, besaß ein hervorragendes Organisationstalent, war von unerschöpflicher Geduld, Heiterkeit und Liebenswürdigkeit. Dabei war er persönlich vollkommen bescheiden, und anspruchslos, vollkommen uneigennützig, seiner Idee restlos hingegeben, frei von. Ehrgeiz und Selbstsucht, voll der reinsten, uneingeschränkten Menschenliebe. Er hat auf jeden materiellen Vorteil oder Lohn verzichtet. :Zeit seines Lebens ernährte er sich äußerst bescheiden von seiner ärztlichen Praxis, die kärglichen Ersparnisse widmete er der Propaganda seiner Idee. Er starb in einer an Armut grenzenden Dürftigkeit. Bezeichnend für seine Geistesart ist die Rede, die er auf dem Krakauer Esperantistenkongreß 1912 hielt. Es waren 25 Jahre seit der Veröffentlichung des Esperanto - Lehrbuchs verflossen, das war also ein Jubiliitimskongreß. Der Schöpfer der Sprache erklärte, daß er sich nunmehr von seiner Rolle als maßgebende Persönlichkeit, die er übrigens nie sein wollte, zurückziehe, nachdem das Esperanto im ersten Vierleljahrhundert seines Bestehens seine Lebensfähigkeit bewiesen hat. Er wollte nicht mehr ihr »Meister" genannt werden, sondern still und bescheiden als einfacher Soldat in den Reihen der Esperantokämpfer stehen. Seine Abschiedsworte an die Jünger lauteten: »Arbeitet stets in völliger Einigkeit, in Ordnung und Harmonie. Durch Einigkeit werden wir früher oder später sicher siegen, selbst