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Ost und West · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1919) · p. Seite 69 - 70

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1919)
Article
Hugo Krayn
Date
1919-03-01
Page
Seite 69 - 70 (sequence 2)
Language
German
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Hugo Krayn. 7»;.--:>^,.?.r-^>^.^v«- . . -■:?- ^:sSJ*Mklsi§ HUGO KRAYN Venus wandte er sich wieder der Darstellung seiner heimatlichen Proletariertypen und den Berliner Straßenszenen zu, stellte das Leben und Treiben der Arbeiterbevölkerung in monumentalen Ge* mälden und graphischen Werken dar und errang Erfolge, die ihn endlich in den Stand setzten, mit seiner Mutter aus dem düsteren Zentrum nach dem Westen zu ziehen und sich in einer behaglichen Wohnung einzurichten. Der Krieg ließ ihn das soziale Elend schwer empfinden; er, der mit den Leiden der Armen vertraut war und ihr kärgliches Leben kannte, sie bei der Arbeit und in. ihrem Heim beobachtet und studiert hatte, fühlte mit ihnen die immer drückender werdende Not und wurde in seinen Werken zum sozialen Verkünder dir Katastrophe. 1915 wurde er Mitglied der Berliner Sezession, die Stadt Berlin erwarb zwei seinei Werke und die Hirsch* Kupfer* und Messingwerke be* stellten bei ihm ein großes Wandgemälde, eine Arbeit, der er sich mit gesteigertem Eifer hingab und für deren Interessenahme . und gründliche Vorberei* tung die vielen genauen Studienzeichnungen von Maschinen Zeugnis ablegen. So schuf er uner* müdlich, mit stets wachsender Kraft, angespornt durch vielfache Anerkennung, bis ihn am 25. Januar der unerbittliche Tod ereilte. Die Presse hatte Krayn zum Maler des sozialen Lebens gestempelt. Er selbst äußerte sich hierüber: »Ich kann dazu nur sagen, daß ich in meiner Kunst durchaus keine, politischen Tendenzen verfolge, sondern nur das eine Ziel im Auge habe, künstle* rische und möglichst konzentrierte Bilder zu malen. Mein Hauptinteresse liegt im Ausdruck der Figuren und in der bildmäßigen Gestaltung des Ganzen, wie Ich es auch bei meinem Gemälde »Gemüse* wagen« versucht habe,« Gewiß lag es ihm iern »Kunstpolitik« zu treiben, aber sein realistischer Sinn ließ ihn weniger auf die Bildform als auf die Sache das Gewicht legen. Beim Suchen nach passenden Objekten in seiner Um* gebung lernte er das düstere, arbeitsreiche Berlin mit seinen charakteristischen Gestalten, den unge* lenken Arbeitertypen u nd gramdurchfurchten Frauen, kennen und wurde so zum Schilderer dei Großstadt und des werktätigen Lebens. Er malte und zeichnete unverdrossen alles, was sich dort abspielte, in streng sachlicher Form, die Straßen und Plätze mit Markt* szenen und Bettlern, mit Pflasterarbeitern und Zei* tungsverkäufern, Fabrikanlagen während des Be* triebes, da die Schornsteine qualmen, die Hochbahn und die Erhohlungsstätten der Armen an der Peripherie in den Lauibenkolonien. So lange er in diesem Rahmen bleibt, gelingen ihm oft Werke von erstaunlicher Kraft, feinstem Farbgefühl und großer Lebendigkeit, Bilder, die in ihrer künstlerischen Qualität von bleibendem Werte sein werden und sich würdig den Darstellungen früherer Meister des berliner Lebens anreihen. Als Autodidakt, der er auf dem Gebiete der Maleiei war, versucht sich der auf sich selbst ge* stellte Künstler in den verschiedenen Techniken und in Anlehnung an andere große Meister. Es zieht ihn offensichtlich zu Goya und vor allem zu Daumier, dessen Einflußsphäre er nie ganz entronnen ist. Ware ihm ein längeres Schaffen beschieden gewesen, so hätte er sich wohl zu einer auch in diese* Hinsicht abgerundeteren und abgeklungenen Form hindurchgefundien

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