Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1919) · p. Seite 71 - 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1919)
Article
Hugo Krayn
Date
1919-03-01
Page
Seite 71 - 72 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2583875-2584087-2584089-2607638--17392-2607683
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdische Vorkämpfer für das Mensdienreich der Zukunft. 72 In seinen zahlreichen Porträts steigert er seine Palette zu immer größerer Farbigkeit. Es gelingen Bildnisse von starker Wirkung und konzentrierter Ausdrucksgestaltung. Neben den vorzüglichen! und überaus lebensgetreuen Porträts WaldeksManasses und Arno Nadeis muß das Selbstbildnis mit der Mutter, das er im vorigen Jahre geschaffen hat, als eine Meisterleistung anerkannt werden. Besonders die Darstellung der Mutter — er hat sie des öfteren porträtiert — ist. von so viel Liebe durchtränkt, daß man sich bei dem Anblick dieses Bildes, in dem sich die ganze Fürsorge, Hingebung und mütterliche Selbstlosigkeit ausdrückt, einer gewissen Rührung nicht erwehren kann. Eine der letzten großen Kompositionen ist die ruhende Venus, ein schöner, sanft hingegossener Frauenkörper, mit der ganzen Liebe und Sorgfalt des Malers erfaßt und bis ins Einzelne durchstudiert. Es ist eine der stärksten malerischen Leistungen Kiayns, die uns seine fernere Wirksamkeit schmerz* lieh entbehren läßt. Neben den Gemälden laufen durch all die Tahre — von 19Ö5 an — graphische Arbeiten, vor allem Lithographien, in denen er dieselben Themen variierte. 1914 stellt er einen Zyklus von 6 Blättern unter dem Titel »Was mir die Straße sagt« zusammen und läßt im folgenden Jahr einen weiteren Zyklus »Trinker« folgen. Das durch den Krieg sich immer krasser darbietende Elend gibt ihm die Kraft zu diesen groß geschauten und erschütternd wirkenden Darstellungen. Auch als Graphiker verdient er infolge seiner durchaus sicheren, auf gründlicher Schulung beruhenden Zeichenkunst und der Aus* Wertung der Schwarz*Weiß*Kontraste zu malerischen Wirkungen hohe Anerkennung. So verging dieses Leben unter ständigem Streben und Mühen. Ein großes Talent, mutig und tat* kräftig, den höchsten Zielen zustrebend, aus sich geworden, auf sich bauend und zu weiterem er* folgreichen, anerkannten Schaffen bestimmt — so wirlkte Hugo Krayn in unserer Mitte. Sein Lebensfaden brach plötzlich ab, und wir betrauern in dem allzmfrüh Dahingeschiedenen einen bedeutenden. Künstler und liebenswerten Menschen. JUEDISCHE VORKAEMPFER FUER DAS MENSCHENREICH DER ZUKUNFT. Von Dr. B. Friedberg. IL DIE SPRACHE DER VOELKER. Im elften Kapitel der Genesis wird erzählt: „Es hatte aber alle Welt die gleiche Sprache und dieselbe Rede. Da wanderten sie nun vom Morgenland her und fanden eine Ebene im Lande Schinear und ließen sich daselbst nieder. Und sprachen untereinander: Wohlan, laßt uns Ziegel streichen und brennen. Und nahmen Ziegel zu Stein und Ton zu Kalk. Und sprachen: Lasset uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis in den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen; denn sonst werden wir zerstreut in alle Länder. Da stieg Gott hernieder, um die Stadt und den Turm zu schauen, die die Menschenkinder bauten. Und Gott sprach: Siehe, es ist einerlei Volk, und einerlei Sprache ist unter ihnen, und haben das angefangen zu tun; sie werden nicht ablassen von allem, das sie" vorgenommen haben zu tun. Wohlan, lasset uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe. Also zerstreute sie Gott von dannen in alle Länder, daß sie mußten aufhören, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil Gott daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie zerstreut von dannen in nlle Länder.'' In dieser uralten semitischen Sage spiegelt sich die Tragödie dessen, was wir heute Imperialismus nennen. Eine bestimmte Menschengruppe hat sich zu einer einheitlichen Sprache durchgerungen und wird sich der großen Macht bewußt, die sie über andere kleinere Gruppen gewinnen kann, die, untereinander sprachlich geschieden, ihr nicht zu widerstehen vermöchten. Sie beschließt, eine große Stadt zu bauen, mit einem himmelan reichenden trotzigen Turm in der Milte, von wo aus sie den kleineren Gruppen ringsum ihre Herrschaft und ihre Sprache aufzwingen wird, was gegen den Willen Gottes ist. Gott mißfällt ihr Vorhaben, er verwirrt ihre Sprache, spaltet sie .in verschiedene Dialekte, so daß sie sich gegenseitig .nicht mehr verstehen; sie können ihr frevlerisches Vorhaben nicht ausführen und müssen sich selber in die Fremdherrschaft schicken. Was sie anderen, zugedacht, das müssen sie selber erdulden. Zugleich offenbart diese Erzählung in ergreifender Weise eine tragische Seite des Völkcrlebehs. Die Sprache, die zur Vermittlung der Gedanken und Gefühle von Mensch, zu Mensch, von Volk zu Volk, also zur Verbindung und Vereinigung der Menschen, dient, höhlt zugleich die tiefsten Klüfte unter ihnen aus, und zwar durch die Mannigfaltigkeit, die eine Folge jund Begleiterscheinung der Kulturentwicklung ist. Zwei Menschen, zwei Völker, aufs tiefste miteinander verwandt, berufen, einander zu ergänzen und sich zu einerhöheren Einheit zu verbinden, um sich gegenseitig zu beglücken, können zueinander nicht kommen, weil die Sprache sie wie eine eiserne Wand scheidet, und sie geraten miteinander darob in blutigen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.