Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1919)
- Article
- Hugo Krayn
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 67 - 68 (sequence 1)
- Language
- German
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67 Hugo Krayn. 68 HUGO KRAYN. Von Dr. Karl Schwarz- Der Tod hat reiche Ernte unter den Menschen gehalten. Hader und Haß trieb sie gegeneinander und ließ sie in. wildem Kampfe mit den grausamsten Mitteln und Werkzeugen einander hinmorden. Ueber vier lange Jahre währte das furchtbare Ringen, über vier Jahre dröhnten die Geschütze und spieen ringsum Verderben aus. Und als sie endlich schwie* gen, zog der Tod in neuem Gewände durch die Länder und mähte die Ermatteten erbarmungslos nieder. Die unheimliche Epidemie, die wie einst der schwarze Tod des Krieges Nöte steigerte, hat auch Hugo Krayn dahingerafft. Eine Erkältung, die er sich am Wahlsonntag der Nationalversammlung zugezogen, warf ihn aufs Krankenlager, das nur fünf Tage währte. ~-' J ~* , Eine große Gedächtnisausstellung der Berliner Sezession zeigt jetzt das Schaffen ihres früh vollen* deten Mitgliedes. Alle Räume sind mit seinen Arbeiten gefüllt, mit Gemälden, Graphiken und Zeichnungen, wobei noch viele bedeutende Werke, die infolge der augenblicklichen Schwierigkeiten nicht herbeigeschafft werden konnten, fehlen. Man staunt über diese Fülle und Mannigfaltigkeit, über die Arbeitskraft des in so jungen Jahren seinem Streben entrissenen Künstlers. Denn allzufrüh senkte sich die Fackel des Todes über ihn, da er gerade an der Schwelle des 34. Lebensjahres stand. Ein starkes Talent ist mit Krayn zu Grabe ge* gangen, eine künstlerische Potenz, HUGO KRAYN machten ihn der breiteren Oeffentlichkeit bekannt. Das Interesse für seine Arbeiten wuchs, vor allem in Berlin, dessen Leben und Typen das Hauptthema seiner Werke bildeten. In Kunstkreisen wurde man bereits 1909 auf ihn aufmerksam, da er zum ersten Male in der Sezession ausstellte. Seine große Be* scheidenheit und sein nur auf rastloses Streben und ständiges Arbeiten gerichteter Sinn ließen ihn . nie die Oeffentlichkeit suchen. Man kannte ihn kaum, hörte und sah ihn nur selten und vermutete hinter der unansehnlichen Persönlichkeit nicht diese künst* lerische Kraft. — Hugo Krayn wurde am 5. Februar 1885 in Berlin geboren, besuchte das Gymnasium bis zur Obersekunda und begann 1902 seine künstlerischen Studien an der Berliner Künstgewerbeschule. Be* reits in frühester Jugend zeigte sich seine zeichne* rische Veranlagung, sodaß es für selbstverständlich galt, daß er einen künstlerischen Beruf erwählen werde. In der Kunstgewerbeschule beschäftigte er sich in der Klasse Emil Orliks mit Holzschnitt, Buchschmuck und Plakaten und übte sich in den Ferien und freien Stunden mit besonderer Vorliebe in der Oelmalerei und Radierung. Es zog ihn immer mehr zum Naturstudium, für das Kunstge* werbe hatte er nicht viel übrig. Als im Januar 1910 der Vater starb, verließ Krayn die Schule und wurde Malei, sich völlig als Autodidakt weiter? bildend und ein einsames und bescheidenes Leben mit seiner für ihn, den Schwäch* liehen und Kränklichen, besorgten Mutter fuh* rend. Seine Lunge war nicht stark, und das an* gestrengte, unermüd* liehe Scharfen bei einer kärglichen Lebensweise griffseineGe* sundheit so sehr an, daß er erkrankte. Ein längerer Aufenthalt in Davos im Jahre L913 brachte ihm einige Erho* lung und gab ihm neue An* regung zu landschafts liehen Stu* dien. Nach Berlin zu* rückgekthrt Selbstbildnis mit der Mutter