Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1919)
- Article
- Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 21 - 22 (sequence 6)
- Language
- German
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21 Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft. 22 und mit dir aussöhnen kann. Du darfst dich nicht rächen und keinen Oroll nachtragen, auch: dem Feinde gegenüber. Das Gebot der Feindesliebe wird im ahtestamentlichen Sinne gefaßt, nämlich als Verpflichtung, am Feinde Lietoeswerke zu üben, ihm in der Not beizustehen und zu helfen, und nicht nur ihm, sondern sogar seinem Tier. Alle Vorschriften werden als Erziehungsmittel zur Tugend behandelt, als 'oberste der Tugenden wird die Barmherzigkeit, als das schlimmste und die Wurzel aller Laster, die Herzlosigkeit angesehen. Gemäß der biblischen Lehre wird die Menschlichkeitspilicht den Fremden, Nichtv olksgenossen gegenüber mit besonderem Nachdruck betont: Liebe jeden Menschen wie dich selbst, besonders den Fremden. Den Fremden sollt ihr gleiche Bürgerrechte erteilen, überall, wo sie sich Unter euch niederlassen. — Viel strenger als die Thiora gebietet, den Mitbürgern Gutes zu tun, gebietet sie und warnt unzählige Male, den Fremdlingen Gutes zu tun und sie zu lieben, ihr Recht nicht zu beugen, sie nicht zu übervorteilen, nicht zu bedrücken, ihren ArmeK wohlzutun, sie zu unterstützen und ihnen in der Not mit Gelddarlehen auszuhelfen. Auch auf den Flüchtling aus fremdem Lande, außer wenn er gemeiner Verbrecher ist, bezieht sich das Gebot der Thora: ,,Du darfst ihn nicht ausliefern, mit dir soll er wohnen, MALVA SCHALEK WIEN Selbstbildnis (Oelgemälde) MALVA SCHALEK WIEN Bildnis (Oelgemälde) in deiner Mitte, an dem Ort, wo es ihm wohlgefällt. Du darfst ihn nicht benachteiligen." Darum findet der Verfasser nicht Worte, scharf genug, um die Unterdrückung eines Volks durch das andere zu tadeln. Es war mir überhaupt auffällig, wie oft er die Heiligkeit des Friedens, der Harmonie und der Solidarität unter Menschen und Völkern betonte, und auf die Notwendigkeit der Verständigung hinwies, dagegen den Haß und alles, was ihn erregen kann, verdammte. „Wären die Menschen von Natur nur zum Guten geneigt, so bedürften sie keiner Oberhäupter, aber da im Menschenherzen auch böse Triebe wohnen, so bedürfen die Gemeinschaften religiöser Führer, die sie leiten. Diese Führer sollen nun die Gemeinschaften der Anbeter Gottes organisieren. Doch mögen sie dem Volke kein allzu schweres Joch aufbürden, ihre Anordnungen auch nicht für ewige Zeiten festlegen, da sie Lage, Neigungen und Bedürfnisse der fco nun enden Geschlechter nicht zu kennen vermögen. Die Thbra gebietet nur, dem Gesetzgeber und dem Richter seiner Zeit zu gehorchen; die Oberhäupter späterer Zeiten dürfen die Anordnungen ihrer Vorgänger aufheben und durch zeitgemäßere ersetzen. Auch sollen die Ober-