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Ost und West · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1919) · p. Seite 19 - 20

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1919)
Article
Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
Date
1919-01-01
Page
Seite 19 - 20 (sequence 5)
Language
German
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19 Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft. 20 galten (und deren Nachkommen vielfach als führende Lehrer in Israel winkten), und die ,,Beisassen" (ger thOschab), die sich im heiligen Lande mitten im Volke Israel ansiedelten, nachdem sie die Deoth und Mischpatim angenommen. „Das sind die Frommen aus den Völkern der Welt, die der Talmud öfters rühmlich erwähnt, denn sie waren den Weisen des Talmud sehr lieb und teuer. Wie es scheint, wurden diese Gerim auch Anbeter Gottes (jirej Adonaj) genannt. In den Psalmen werden nämlich mehrmals „Anbeter Gottes" neben den bekannten Kategorien von Juden: Israeliten, Aharoniden und Lewiten, genannt. Damit können natürlich' nur Angehörige fremder Völker gemeint sein." Nun wendet er sich' an die Angehörigen seiner Zukunftsgemeinde von Anbetern Gottes mit folgender Mahnung: „Ihr seid nicht dafür verantwortlich, ob die Juden das ihnen besonders auferlegte Zeremonialgesetz beobachten, oder 'nicht, allein, es ist euch verboten, sie zu verleiten, es zu übertreten Einen Juden, der dies tut, braucht ihr nicht daran zu hindern, aber ihn zu verführen oder gar zu zwingen, daß er den Sabbath entweihe, oder verbotene Speisen esse, das ist eine große Sünde." „Die heuligen Völker haben nun im allgemeinen die beiden ersten Gruppen der mosaischen Lehren übernommen, halten aber überdies noch an andern fest, die ihnen von viel späteren Gesetzgebern und Religionsstiftern überliefert worden sind. Diese erachte Ich selbstverständlich ohne weiteres als Anbeter Gottes. Um ihre Lehren und Gesetze späteren Ursprunges kümmere ich" mich nicht. Ich wende mich nur an jene Angehörigen der andern Völker,, die von Jeglichem Glauben verlassen sind, sie will ich1 durch das Reich des Allmächtigen aufrichten und sie dem Bunde der Anbeter Gottes zufuhren, damit sie jene Gebote halten, die Gott allen Menschen befohlen hat. . .. Ich schreibe meine Worte hebräisch nieder, in der heiligen Sprache, in der die Thorah Mosis, die Reden der Propheten und die. heiligen Schriften abgefaßt sind. Alle, die mit meinen Ansichten übereinstimmen, bitte ich, dieses Schriftchen in die Sprachen der Völker zu übersetzen und drucken zu lassen. Ich nenne meinen Namen nicht, denn es handelt sich mir nicht um Geldgewinn." (An anderer Stelle gibt er jedem die Erlaubnis, die Schrift nachzudrucken, nur möge man aufpassen, daß keine Druckfehler hineinkommen.) „Auch' strebe ich nicht nach Ehre und Ruhm, ich wünsche nur, daß die Erde voll werde der Erkenntnis Gottes, wie die Gewässer das Meer ausfüllen. Aber wenn ich' mich auch von der mir so teuren Arbeit, von diesem heiligen Werk zurückhalten wollte, da ich meine Unbedeutendheit und meinen Mangel an Wissen und Bildung einsehe — ich vermöchte es nicht. Denn in mir brennt eine mächtige Sehnsucht, ich kann sie mit allen Kräften nicht unterdrücken. Was kann diese Sehnsucht anderes sein, als Gottes heiliger Geist, der mich zwingt, diese Oedanken zu verkünden? ... DIE LEHRE. Jetzt folgt eine kurze Darlegung der „Glaubenswahrheiten". Sie beginnt sehr charakteristisch: „Höret alle Völker! Der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig!" Also nicht nur „Höre Israel!" sondern: „Höret alle Völker!" Man denkt unwillkürlich an das schöne Wort des Talmud: »Warum ist die Thora nicht im heiligen Lande, sondern in der freien Wüste Choreb' gegeben worden? Damit Israel nicht sagen könne, sie sei sein ausschließliches Eigentum, und die anderen Völker hätten keinen Teil an ihr." — Bezeichnend ist in diesem Abschnitt die nachdrückliche Betonung der Unsterblichkeit der Seele und des Lohnes im Jenseits. Sodann wird das Prinzip der Buße hervorgehoben. „Worin besteht die Buße? Darin, daß du von ganzem Herzen die Sünde bereust und dir fest vornimmst, den Weg des Bösen zu verlassen. Kommt dir die gleiche Sünde noch einmal in den Weg, so fliehe vor ihr, nimm dich kräftig zusammen, dann erbarmt sich Gott deiner und dir ist verziehen." In zwei Abschnitten werden dann die „Mischpatim" dargelegt, nämlich' die für alle Menschen verbindlichen sozialen und humanitären Gesetze der Thora. Diese sind ja jedem* bibelkundigen Juden hinreichend bekannt, und brauchen hier nicht wiederholt zu werden. Bezeichnend ist hier die sehr anmutende logische Anordnung, die vom Individuum ausgeht und sich zum Allgemeinen erhebt; sodann die nach talmudisch erMethode durchgeführte Deduktion von Einzelfällen aus einer generellen Vorschrift Z. B.: Einem Blinden sollst du keinen Anstoß in den Weg legen: das befaßt auch das Verbot, jemandem, auch dem! Feind, einen bösen Rat zu geben,, oder etwas zu veranlassen, was jemandem Schaden oder Nachteil bringen kann. Oder: Du darfst nicht müßig dastehen beim Blutverguß deines Nächsten: darin ist befaßt, daßi du verpflichtet bist, nicht nur Todesgefahr, sondern auch Schädigung seiner Ehre» seiner Seelenruhe oder seines Vermögens abzuwenden. Oder: Du darfst den flüchtigen Sklaven (der bei dir Schütz sucht) nicht seinem Herrn ausliefern; daraus folgt, daß es eine große Mizwah ist, dem Verfolgten gegen den Verfolger, dem Unterdrückten gegen den Unterdrücker beizustehen. — Bei jeder Gelegenheit wird aus den biblischen Geboten die Pflicht, die Gesinnung zu läutern, hervorgehoben: strengste Wahrhaftigkeit gegen sich selbst, absolute Gerechtigkeit und Gleichachtung aller Menschen. Du darfst keinen Menschen hassen, auch nicht im Herzen; hat sich einer gegen dich vergangen, so trage ihm darob keinen Groll im Herzen nach, sondern weise ihn zurecht, damit er sich entschuldigen

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