Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1919)
- Article
- Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 15 - 16 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2583875-2584087-2584088-2607556--17328-2607602- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
15 Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft. 16 direkt bis zum Verfasser des berühmten „Seder ha Doroth'", R. J e c h ,i e 1 H e i i p r i a') zurückführen, einem Enkel der gefeierten R. Sakmo Luria, gest. 1573 zu Lublin. Von diesem letztern, dessen Urgroßvater R. Jechiel Lurüa um das Jahr 1468 aus dem Elsaß nach Brest Litowsk berufen worden, wissen wir, daß er seinen Stammbaum bis ins 8. Geschlecht verfolgen kannte, nämlich! bis zu R. Simson Luria aus Worms, der :n Erfurt Rosch' Jeschiba war. Dieser war ein direkter Nachkomme von Raschi, der seine Herkunft, der Ueberlieferung gemäß, von dem Thann ästen R. Jochannan ha Sandelar ableitete, einem Ururenkel des Rabban Gamliel des Aelteren, der ein Enkd H i 11 e 1 s gewesen. Hillel, der aus 'Babyionien «ach Palästina gekommen, stammte bekanntlich väterlicherseits aus dem Stamme Benjamin, mütterlicherseits1 von Sc h ep Ii a 11 a hu, dem fünften Sohne des Könige David von seiner Frau Abitall. Der Ur-Urgroßvater des Verfassers, Dow Bensen' Heilprin in Lublin, war ein Soha 4er Schwägerin des R. Elia Gaon von Wilna, und dessen Schüler. Er war mütterlicherseits ein Enkel des Maharal (R. Liwa) von Prag. Dieser leitete seine Herkunft von R. Hai Gao n in Pumbadita (Babylonien) ab, dem letzten Träger dieser Würde, dem Sohn des R. Scherira Gaon, Sohnes des Mar Chaninai Gaon, Sohnes des Mar Jeluudai Gaon, gest. zu Pumbadita im Jahre 916. Diese Linie der Geonim stammte bekanntlich von Zerubabel, der im jähre 537 v. Chr. die Juden aus Babylon nach Palästina zurückführte. Zembabel war der Sohn des Schealthiel, Sohnes des Pedajahu, Sohnes des Assir, Sohnes des Jehojachini, des letzten Königs von Juda. Ein Stammbaum, der sich sehen läßt. In den Adern des kleinen Apfelsinen handle rs von Kolomea floß also, von väterlicher wie von mütterlicher Seite her königliches Blut. Sein gebückter Kopf mit den feinen welken Zügen trug eine unsichtbare Krone. Was Wunder, daß in diesem Kopf sich königliche, dawidische, messianische Gedanken regten? Diese Gedanken sollte ich' aus tlier dünnen Broschüre mit dem Titel „Thorath ha Ammim" kennen lernen, Der etwas' weitläufige Untertitel lauiete: „Um die Welt aufzurichten im Reiche des Allmächtigen (malchulh Schaddäj) und die Völker dem Bunde zuzuführen, der Anbetung öottes heißt, damit sie an jenen Geboten festhalten, die der Ewige allen Menschen anbefohlen hat, dann werden sie Anbeter Gottes heißen." Es wird das Zweckmäßigste sein, die' Gedankengänge des Verfassers in den Hauptpunkten mög- *) Der Familienname des Verfassers lautet jedoch nicht Heilprin. liehst wortgetreu wiederzugeben, was untsojeichter ist, als sein Stil klar und durchsichtig ist und förmlich' zum Uebersetzen einlädt. Er hat selber eine verkürzte Uebersetzung seiner Schrift ins Deutsche angefertigt und drucken lassen, hundert Exemplare davon schickte er nebst einem Begleitschreiben an den 1900 gelegentlich' der Weltausstellung in Paris tilgenden Kongreß der Religionen, von dem er in seiner Naivität vermutete, daß er sich1 mit religiösen Reformen befassen wollte. Das Deutsch1 dieser verkürzten Uebersetzung war jedoch derart, daß keiner der Teilnehmer beim besten Willen hätte daraus klug werden können. Aber das Begleitschreiben, das in hebräischer Sprache der Broschüre beigedruckt ist, gibt einen guten Einblick in die Seelenverfassung des „Religionsstifters": . . . Gottes Hand hat mich angefaßt, und mich' durch seinen heiligen Geist erweckt, um der Welt die Erkenntnis seiner Einheit zu verkünden und den herrlichen Namen seines Reiches zu heiligen. ... Es ist nicht gut, daß der. Mensch allein sei, «ohne die Stütze des Glaubens denn wenn die Zahl der Leugner der göttlichen Vorsehung zunimmt, wächst die Gewalttätigkeit und das Unrecht in der Welt. In unserer Zeit aber hat der Unglaube zugen-ommen. Darum' habe ich da=> Büchlein „Religion der Völker" verfaßt um' die Zweifler durch die Bande der Menschenliebe heranzuziehen und dem Bunde der Anbetung Gottes zuzuführen. . . . Ich bin nidht gekommen, um den Völkern einen neuen Bund zu verkünden, ihnen eine neue Religion zu bringen, sondern um sie in dem uralten Bunde zu vereinen, das ist die Religion Mosis, damit sie an jenen Geboten festhalten, die ajlen Völkern auferlegt worden sind. ... Da aber in der Thbra die an alle Menschen gerichteten Gebote unter denen, die die Juden allein betreffen, verstreut sind, habe ich die erstem herausgesucht und zusammengestellt, um1 die Uebersicht zu erleichtern . . . Das ist also keineswegs etwas neue*, sondern die uralte heilige Thora, und meine Schrift ist nur ein Kompendium (jalkut) ihrer an alle Völker gerichteten Forderuhgen. Es handelt sich hier also um eine Religion, die älter ist als dreitausend Jahre... Ihr, meine lieben, verehrten Herren, Weise unserer Zeit, Wahrheitssucber! Achtet nicht auf die Spötter, die mit der Sache ihre Possen treiben, lest das Büchlein mit Aufmerksamkeit und Wahrheitsliebe, und Ihr werdet Euch überzeugen, daß meine Worte sehlicht und wahr sind. Ich biete Euch hier das Leben und das Gute, um viele Völker zu beleben durch den Glauben an den einigen Gott und vom Tode der Leugnung auferstehen zu las.sen. Arbeitet an dieser guten und heiligen Sache, um sie ins Werk zu setzen! . . . Ich! bin ein alter, vielgequälter und gebrochener Mann, ungeletart, unbedeutend, der Rede und der Sprachen unkundig, es hätte keinen Zweck, wenn ich mich dieser Ar-