Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1919)
- Article
- Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 13 - 14 (sequence 2)
- Language
- German
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,3: Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft. 14 einen Narren, aber Sie brauchen ihm das nicht zu verübeln. Ich habe das alles in einein kleinen hebräisch geschriebenen Büchlein niedergelegt, aber er versteht kein Wort Hebräisch und hat keine Ahnung von dem, was ich meine. Ich spreche auch nicht gerne mit solchen Herren darüber, die sind von der Politik und anderen wichtigeren Dingen viel zu sehr in Anspruch genommen." Da ich noch an demselben Abend abreisen mußte, verabredeten wir, daß er mir sein Büchlein bringen sollte. Auf der Rückreise wollte ich mich mit ihm eingehend unterhalten. Gegen Abend brachte er mir richtig eine kleine Broschüre von zwei Bogen im Duodezformat, betitelt „Thorat ha Ammim" (Religion der Völker) (gedruckt bei M. Bilous, Kolomea, 1900). — „Warum haben Sie Ihren Namen nicht darunter gesetzt?" fragte ich. - „Wenn Sie das Schriftchen gelesen haben, werden Sie wissen, warum." Er wollte keine Bezahlung annehmen: „Das verteile ich unentgeltlich, aber hier habe ich eine andere Schrift, die können Sie bezahlen, wenn Sie wollen. Diese andete Schrift, betitelt „Daath linvonim« (gedruckt in Munkacs, 1898, bei Kohn u. Klein),trugden vollen Namen des Verfassers. Diese Schrift las ich zuerst. Sie enthielt vier Aufsätze über einzelne Partien der „Sprüche der Väter« im Stile der hergebrachten pilpulistisch - homiletischen Methode, aber an einem sehr säubern, klaren, korrekten Hebräisch', altfränkisch, aber ohne den ehemals üblich gewesenen Schwulst und die unvermeidlichen Schnörkel; dabei waren sie voll treffender, sogar geistvoller Bemerkungen, die einen guten 'Beobachter, einen sehr gütigen, nachsichtigen und heiteren Beurteiler der Menschen kennzeichneten. Der Verfasser war offenbar in der rabbinischen Literatur sehr bewandert, verriet aber nicht die leiseste Spur moderner Ideen, hatte von dem Geist der neuzeitlichen Wissenschaft des Judentums und der neuen Hebräischen Literatur keinen Hairch' verspürt. Abgesehen davon, daß er.einmal die Politik, und zwar in geringschätzigem Sinne, erwähnt, hätte sein Büchlein ebensogut im 1.4. löder 15. Jahrhundert geschrieben sein können, — was von den meisten seiner Art ebenso gilt. Zum Schlüsse kam; ein kurzer Abriß der Geschichte der Vier- Länder-Synode in Polen, nach den bekannten hebräischen Quellen. Die anspruchslose Skizze bot nichts1 Neues, gewährte aber in allgemeinen Umrissen eine gute Uebersicht über diese merkwürdige Institution. Daran schloß sich eine „Megiliath MALVA SCHALEK WIEN Bildnis (Farbstiftzeichnung) Juchassin" an, eine Familienchronik samt Stammbaum, wie ihn in der alten guten Zeit die: Verfasser, wenn sie auf eine lange Reihe berühmter Ahnen zurückblicken konnten, ihren Werken be> zugeben liebten, und die in der neuen Zeit so oft eine ergiebige ,QuelIe für unsere Geschichtsforscher geworden sind. Dieses, den Eltern des Verfassers gewidmete Kapitel war streng methodisch ünd übersichtlich geordnet, schöpfte aus handschriftlichen Stammrollen, mündlichen Ueberlieferungeri und alten gedruckten Quellen. Der Verfasser müßte ersichtlich eine sehr gute talmudische Schule durchgemacht haben." Hier erfuhr ich auch etwas Näheres über seine Persönlichkeit. . Die vorangehenden Abhandlungen hatte er in den Jahren 1895/97 in Budapest niedergeschrieben, wo er sich des Erwerbes wegen aufhielt, nachdem er sein Vermögen verloren. Er schrieb unter sehr gedrückten Verhältnissen, offenbar zur Ablenkung. Umso angenehmer berührte, mich, jetzt der weltfreudige, menschenfreundliche Ton seiner Ausführungen. Aeußcrst merkwürdigwar der Inhalt des Stammbaumes selber. Der Verfasser konnte seine Herkunft väterlicherseits