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Ost und West · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1921) · p. Seite 323 - 324

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1921)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1921-11-01
Page
Seite 323 - 324 (sequence 3)
Language
German
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323 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 324 239—240. Preismedaillen der niederländischen „Hofs? kommission in Sachen der Israeliten" 1827, 1836. S. 241. Moses Montefiore (London) und Adolphe Cremieux (Paris) überreichen dem Pascha von Damaskus Bittschriften für die dortigen Juden 1840. G." 242. Wiener: Dank der Maastrichter israelitischen Gemeinde für die Toleranz des Königs Wilhelm II. der Niederlande, 1841. S. 243. Ehrung der piemontesischen Juden für ihren Verteidiger Robert de Azeglio, 1848. B. 244. Medaille für die Mitglieder des Weltbundes zur Emanzipation der christlichen und israelitischen Völker des Orients (1850). B. 245—246. Berechtigung der österreichischen Juden zur Erwerbung unbeweglicher Güter, 1860. S.,Z 247. Jubiläum des Toleranzediktes Kaiser Josephs IL, 1881. S. 248. Ordnung der Verhältnisse der deutsch* israelitischen Gemeinde in Hamburg, 1890. B. 249—-250. Zionistenmedaille auf die Rückkehr der Juden nach Palästina (1898). S. 251. Isidore Konti: Jubiläum der im Jahre 1655 erfolgten Niederlassung von Juden in den Vereinigten Staaten von Amerika (1905). B. Die Schicksale der Juden in den verschiedenen Ländern spiegeln sich mannigfaltig in der Medaillen* prägung wieder. Mehr als man erwartet, sind metallene Dokumente entstanden, durch die gesell* schaftliche, wirtschaftliche und gesetzliche Verhält* nisse, sowie einzelne bedeutungsvolle Ereignisse verewigt wurden.. - In Deutschland war der Jude zum Pfandleih* geschärt und Kleinhandel gezwungen. Im allge* meinen war es für ihn eine kümmerliche Existenz. In den wenigen Fällen, in denen er zum Wohlstand gelangte, wurde ihm sein Besitz durch Steuern und Vertreibung wieder abgenommen. Die auf die Unbeständigkeit des erworbenen Geldes geprägte Medaille Nr. 223 zeigt einen Juden, aus dessen zerrissenem Geldbeutel Geld* stücke herausfallen. Oben und unten liest man: „Geld ist die Losung, aber wie's kommt, so geht's, Nulla bleibt übrig." Wie mit dieser Medaille der Wandel des Reich* tums überhaupt gekennzeichnet und der Jude nur als Beispiel gewählt wird, so richtet sich auch die Kamelschluckermedaille Nr. 216 an christliche Kreise, um unter Hinweis auf Matthäus XXIII, 24 diejenigen zu geißeln, die Mücken seihen, aber Kamele verschlucken. Im Bilde der Vorder* seite verschluckt ein Neger ein Kamel, auf dem Tische neben ihm umschwärmen Mücken eine Vase mit Blumen. Aber auf der Rückseite finden wir einen Juden mit dem Gebetmantel über dem Kopf und im oberen Halbkreise das Schlagwort: „Der wieder ausgestandene Phariseer". Dem Juden traute man alle Schlechtigkeiten zu. Da man ihn, der angeblich Jesum gekreuzigt hatte, haßte und nur als „Zeugnis Christi" duldete, setzte man bei ihm dieselbe feindliche Gesinnung voraus. Man traute ihm Christen gegenüber falsche Schwüre zu. Es ist bekannt, mit welchen Kautelert. der Eid de more Judaico abgelegt werden mußte. In dieser Hinsicht ist die Medaille Nr. 224 lehrreich. Die selbstverständliche Mißachtung des j ü * dischen Eides wird nur wenig dadurch ge^ mildert, daß auch anderen Gesellschaftsklassen jedes Vertrauen abgesprochen wird: „Wer da trauet einem Wolf auf grüner Heid, einem Juden bey seinen Eid, einen bösen Pfaffen und Rabulisten bey ihren Gewissen, der wird von allen viren besch.....<c Man konnte sich nicht denken, daß der Jude all* das ihm zugefügte Leid ruhig hinnahm. Als daher auf den Hostien Pilze sich bildeten und da* durch der „Leib des Herrn" blutig erschien, war es eine ausgemachte Sache, daß die Juden in dem Brote Christum gepeinigt hätten. Die Blutbildüng galt als Wunder. Es traten andere „Wunder" hin^ zu, die das „gottesschänderische Verbrechen" be*^ stätigten, und zahlreiche Judengemeinden mußten die Dummheit" und den Aberglauben der Menge mit Tod und Untergang büßen. Wir besitzen eine Bleimedaille aus dem Jahre 1837, die zum 500jährigen Jubiläum der nach einem solchen Vorgang 1337 in Deggendorf (Niederbayern) errichteten Kirche geprägt wurde. Auf die Wunder, die 1370 in Enghien (Hennegau) mit den von Juden „gemarterten" Hostien geschahen, prägte man in Brüssel sogar zweimal Medaillen, 1670 zum 300jährigen (Medaille Nr. 213-214), 1820 zum 450 jährigen Jubiläum* (Nr. 237-238). Den Strahlenglanz, der den Hostienschrein auf der Medaille Nr. 213 umgibt, teilt eine Hand, die. nach der bisherigen Auffassung gleichzeitig Geld*^ stücke aufzählt. Das wäre ein Hinweis auf das den Vorstehern der Jüdischen Gemeinde in Enghien auf der Folter erpreßte Geständnis, sie hätten einen Christen durch Geld verleitet, die geweihten Hostien zu stehlen. Ich kann der angeführten Deutung des Bildes nicht zustimmen. Sicherlich ist die Hand,, die in den Kreis eindringt, die des Diebes. Aber sie zählt keine Geldstücke auf — das haben doch nach der Anklage die Vorsteher getan —, sondern ergreift sie. Auch handelt es sich m. E. nicht um Geld. In den kleinen runden Scheiben erkenne ich die Hostienoblaten, die der Dieb stiehlt. Die Folgen des den Juden gemachten Prozesses waren Verbrennung der Enghiener. Vorsteher und Vertreibung aller anderen Juden aus Brabant und Limburg neben Konfiskation ihrer Güter. „Zur Wiedergutmachung des den heiligen Hostien im

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