Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1921)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 321 - 322 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2584101-2584107-2607493--18365-2607531- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
321 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 322 Gebet, das beim Antritt einer Reise gesprochen wird, sind auf den Medaillen Nr. 198 und 199 ausgeprägt. Auf dem kleineren Stück bedeckt Taschlich Vorder* und Rückseite, auf dem grö? ßeren nur die Vorderseite; auf der Rückseite steht das Reisegebet. Was haben beide Gebet* stücke miteinander zu tun und warum sind gerade sie dazu ausersehen worden, auf Medaillen gesetzt zu werden? Wenn nicht einer der frdl. Leser etwas Besseres weiß, möchte ich folgende Lösung vor* schlagen. Beide Gebete sind solche, die nicht in der Synagoge, sondern unterwegs verrichtet werden. Für das kleine Taschlichgebet nimmt man nicht gern ein großes Gebetbuch mit auf den Weg, und in nichtjüdischer Umgebung geniert sich der eine oder andere, wenn er mit dem Buche am Flusse steht. Dasselbe gilt für den Reisenden im Eisen* bahnwagen beim Sprechen der Tefillat haderech. In neuerer Zeit hat man diese Gebete in kleinen Büchelchen oder auf kleinen Kartons besonders gedruckt. Diese Ausführungen sind jedoch dem Zerreißen und Verderben leicht ausgesetzt. Da ist ein findiger Kopf auf den Gedanken gekommen, diese Gebete auf runde Silberplatten setzen zu lassen. Nun zieht der Beter eine solche Medaille bequem aus der Westentasche, liest ihren Text ab, und niemand erblickt in dem Vorgange etwas Auffälliges. In unserem Falle wird freilich der Beter ein Ver* größerungsglas zu Hilfe nehmen müssen; denn die beiden Medaillen sind im Verhältnis zu den Texten gar zu klein ausgefallen (22 bzw. 34 mm.) Die ausgestellten Medaillen*A m u 1 e tt e sind sämtlich für Säuglinge bestimmt. Die meisten haben Ösen oder sind durchlocht, um am Halse des Kindes getragen zu werden. Nr. 202 enthält auf beiden Seiten die bekannten Verse aus dem Be* schneidungsritual, die Gott anflehen, das Kind zur Freude seines Vaters und seiner Mutter zu erhalten, damit es, wie es jetzt zum Bunde der Beschneidung geführt wurde, zur Lehre, zur Ehe und zu guten Werken erzogen werde. Der in kleiner Schrift bei* gefugte Name „Aharon Cohen [5]598" (1838) nennt wohl den Mohel, der mit der Medaille die von ihm beschnittenen Kinder beschenkte. Die beiden silbervergoldeten herzförmigen Amulette Nr. 203 und 204: führen den Gottesnamen Schaddai, Nr. 204 in einem Davidsschild, während auf der Rückseite im Davidsschild unter Schaddai noch ein fünfarmiger Leuchter abgebildet ist. Die übrigen Amulette bringen von Gottesnamen nur den Buchstaben n, sei es diesen allein oder mit Krone in portalartiger Einfassung (Nr. 205: Abb. 2), sei es mit der bereits erwähnten, auf Lehre, Ehe und gute Werke hinweisenden Wunschformel. Auf der Rückseite von Nr. 206 steht noch das Gebet, daß Gott die Kinder seines Volkes Israel vor Bräune ihres Mundes bewahren möge, zu seiner Lehre heranwachsen lasse und in Erbarmen beschütze. Ueber und unter dieser Bitte ist das Symbol der Fruchtbarkeit, je zwei Fische, angebracht. Während durch diese Amulette das Kind dem Schutze Gottes empfohlen wurde, ist das letzte Stück Nr. 209 von dieser Anschauung frei. Seinem am 5. Nissan [5]590 (1830) in Berlin geborenen Töchterchen Freidche hängte der Vater Köhne, mit synagogalem Namen Schalom Chajjim Cohen, eine ovale silberne Medaille (mit Öse) um, auf der weiter nichts als in hebräischer Schrift der Name und der Geburtstag des Kindes verzeichnet ist. Nur, daß formelhaft gesagt wird „lemasol tow" (geboren zum guten Glücksstern), könnte als Wunsch aufgefaßt werden. V. Zur Geschichte der Juden. 211. Ehrung der römischen Juden für Benjamin Beer anläßlich des Regierungsantritts des Papstes Julius IL, 1504. B. 212. Taufe des Juden Michael in Nürnberg, 1659. S. 213—214. Jubiläum der angeblich von den Juden 1370 begangenen Hostienpeinigung in Brüssel, 1670. K., S. 215. Eroberung der durch die Juden mitverteidigten Stadt Ofen, 1686. S. 216. Der wieder auferstandene Pharisäer, 1687. S. 217-220. Kornjuden.Medaillen 1694, 1695. S. 22L Zwecklose Taufe der Juden. S. 222. Federjuden*Medaille. S. 223. Unbeständigkeit des erworbenen Geldes. S. 224. Angebliche Gewissenlosigkeit der Juden, Pfaffen und Advokaten. S. 225. Brand der Judengasse in Frankfurt a. M. 1711. Z. 226. Aufhebung des die Juden aus Böhmen und Mähren verbannenden Ediktes der Kaiserin Maria Theresia, 1745. S. 227-229. Kornjuden*Medaillen 1772, 1773. B., Bl. 230—231. Freiheitsgesetze Kaiser Josephs II. für Protestanten und Juden 1781, 1782. S. 232. Huldigung der hessischen Juden zum Regierungsantritte des Landgrafen Ludwig X. von Hessen^Darmstadt, 1790. S. 233. Huldigung der hessischen Juden für die Land* gräfin Louise, Gemahlin des Landgrafen Lud* wig X., 1790. S. 234. Huldigung der russischen Juden für ihren Befreier Kaiser Alexander I. von Rußland, 1805. S. 235. Versammlung der jüdischen Notabein und des Großen Sanhedrin in Paris 1806-1807. S. 236. Abramson: Emanzipation der Juden des Königreichs Westfalen, 1808. S. 237—238. Jubiläum der angeblich von den Juden 1370 begangenen Hostienpeinigung in Brüssel, 1820. S.