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Ost und West · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1921) · p. Seite 297 - 298

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1921)
Article
Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung
Date
1921-11-01
Page
Seite 297 - 298 (sequence 8)
Language
German
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297 Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung 298 zuweist. Somit wären die Hasmonäer wohl priesterlicher, aber nicht hohenpriesterlicher Abstammung gewesen. In der Uebernahme des hohenpriesterlichen Amtes durch zwei Söhne Mattatjas lag somit ein revolutionärer Akt, ebensogut wie man die Anmaßung der Hohenpriesterwürde seitens Menelaus angeblich im Volke verurteilt hatte. Tatsächlich aber bestimmt die Thora in ihren jüngeren Teilen bloß die Verrichtung des Altardienstes durch die Abkömmlinge Aarons, ohne einen Unterschied zwischen den verschiedenen Zweigen dieser Familie selbst zu machetn. Mir scheint es, daß die priesterliche Abstammung der Hasmonäer zum mindesten zweifelhaft war. Juda Makkabi selbst, dieser edle Held, dem wir nicht genug Sympathie und Bewunderung entgegenbringen können, hat fcich an die Spitze des Kampfes gestellt und sein Leben daran gewagt, ohne je daran gedacht zu haben, für sich oder für seine Brüder materielle Vorteile daraus zu holen. Es ist nirgends auch nur angedeutet, daß er sich nach dem großen Sieg im Jahre 165 bis zu seinem Heldentod im Frühjahr 160 das Priesteramt angemaßt hätte. Dies muß ihm gänzlich ferngelegen haben. Nach seinem Tode aber haben seine Brüder Jonathan und Simon, hauptsächlich der Letztgenannte, mehr durch diplomatische Geschicklichkeit als durch siegreiche Kämpfe viel Höheres erreicht, als die ersten Freiheitskämpfer je geträumt hatten: die politische Selbständigkeit des jüdischen Staates. Als diese sichergestellt war, ließ sich Simon zum erblichen Fürsten und Hohenpriester ausrufen. Das Fürstentum konnte das Volk ohne weiteres vergeben. Anders aber war es mit der Priesterwürde, die seit Jahrhunderten, soweit es das Heiligtum in Jerusalem betrifft, die levitische Abstammung 2ur (Bedingung hatte. Es hatte sich später den Brauch ausgebildet, daß nur Abkömmlinge Zadoks den Priesterdienst versahen, von denen eine Linie die hohenpriesterliche Würde von Vater auf Sohn vererbte. Wäre Simon priesterlicher Abstammung, so gehörte er der großen Familie der. Zadokiten, nicht aber der hohenpriesterlichen Linie an. Dann erscheint aber die Opposition, welche die Gesetzestreuen von Anfang an dem Hohenpriestertum Simons und seiner Nachfolger machten, wenig verständlich. Es ist bereits darauf hingewiesen worden, daß die Thora hinsichtlich der Besetzung des Hohenpriesteramtes keinen Unterschied zwischen den Aaroniten macht. Nach der Beseitigung der Hasmonäer haben tatsächlich Priester das hohepriesterliche Amt erhalten, von denen niemals der Nachweis gefordert wurde, daß sie von einer bestimmten. Linie abstammten. Die Opposition gegen die Hasmonäer erscheint nur dann verständlich, wenn man annimmt, daß ihre priesterliche Abstammung überhaupt zum mindesten unsicher war. Das 1. Makkabäerbuch selbst erzählt, daß bei der Einsetzung Simons zum Hohenpriester die Formel gebraucht wurde, er sei zum HoKenpriester gewrählt, bis ein Prophet erstehen würde. Was bedeutet dies? In den Büchern Esra und Nehemia lesen wir, daß bei der Einrichtung des Opferdienstes im zweiten Tempel eine Anzahl von Priestern nicht in der Lage war, ihre priesterliche Abstammung urkundlich nachzuweisen, und deshalb vorläufig vom Genuß des Hochheiligen ausgeschlossen wurde, bis die „Urim wetummim" durch einen Priester werde befragt werden können. Bezüglich der Hasmonäer hat man ein umgekehrtes Verfahren eingeschlagen: Man hat sie unter Berücksichtigung ihrer Verdienste zum Priestertum in der Erwartung zugelassen, daß ein Prophet später ihre priesterliche Abstammung bestätigen werde. Es war dies natürlich nur eine Formalität — nicht durch eine prophetische Aussage, sondern durch die weltliche Macht ist die hasmonäische Familie im Priestertum verblieben. Daß ihre Legitimität von Anfang an angezweifelt wurde, geht aus einem übereinstimmenden Bericht bei Josephus und im Talmud hervor. Josephus erzählt weitschweifig vom Zerwürfnis des Johann Hyrkan, des Solines Simons, mit den Pharisäern. Denselben Vorfall berichtet auch der Talmud, viel kürzer iund prägnanter, nur daß er das Ereignis in die Regierungszeit des Königs Alexander Jannai verlegt. Beide Quellen stimmen darin überein, daß die Pharisäer den Hasmomäern die Berechtigung zum Altardienst abgesprochen hätten. Allerdings geben sie dafür als Begründung an, daß Simons Frau in Modiin während der, ersten Kämpfe in syrische Gefangenschaft geraten sei. Deshalb seien

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