Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1921)
- Article
- Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 299 - 300 (sequence 9)
- Language
- German
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299 Lesser Ury zum 60. Geburtstag 300 ihre Nachkommen des Priesterdienstes nicht würdig gewesen. Aber sowohl Josephus als auch der Talmud Kaben die Begebenheit in viel späterer Zeit überliefert und waren sich nicht mehr über das wahre Sachverhältnis klar. Die angebliche Gefangenschaft der Frau Simons wäre an sich »unbedeutend und würde selbst nach talmudischer Auffassung nicht genügt haben, ihre Nachkommen für das Priestertum zu disqualifizieren. Nach der bereits erwähnten Angabe des i. Makkabäerbuches ist es sehr wahrscheinlich, daß die Hasmonäer gar nicht priesterlicher Abkunft waren oder daß wenigstens diese Abstammung angezweifelt wurde. 7. Was Juda Makkabi heldenhaft verteidigt hat, wofür er sein Leben auf dem Schlachtfeld ließ, das haben seine Brüder durch ihre ehrgeizigen Bestrebungen vernichtet. Etwa ein Jahrhundert nach der glorreichen Erhebung verlor das jüdischem Volk seine politische Unabhängigkeit und geriet in die Krallen des römischen Adlers, um von ihm Inicht mehr losgelassen zu werden. Objektiv betrachtet ist die Schuld der Hasmonäer an diesem traurigen Ende nicht so groß, denn ihr Familienzwist war zweifellos nur die äußere Veranlassung zur Einmischung Roms und der damit verknüpften Knechtung, die auch sonst wohl nicht ausgeblieben wäre. Aber dadurch, daß die Hasmonäer schon in der zweiten Generation ihren revolutionären Ursprung vergaßen und sich mit dem moralisch verkommenen zadokitischen Adel gegen das Volk verbündeten, tum von diesem in .dem angemaßten Priestertum anerkannt zu werden; -durch diese Tatsache wird das Schicksal der hasmonäischen Familie zu einem überaus traurigen Kapitel in der jüdischen Geschichte. Die hasmonäischen Emporkömmlinge haben sich bald alle Laster des zadokitischen Adels angeeignet. Johann Hyrkan hat die republikanische Verfassung gebrochen; Alexander Jannai hat gegen das Volk gewütet; seine Söhne haben durch ihre Streitigkeiten die Einmischung, der Parther und der Römer veranlaßt, und am Ende ist diese Familie in Schimpf und Schande untergegangen. Man kann sagen, daß der einzige Mann in der Hasmonäerdynastie die Königin Salomea war, die während der kurzen Zeit ihrer Regierung bemüht war, die Zadokiten in Schranken zu halten. Kein Wunder also, daß in den um die Zeit des Untergangs dieser Familie entstandenen „Psalmen Salomos" schwere Anklagen gegen die Hasmonäer erhoben werden und daß die jüdische Sage in Talmud und Midrasch sich so wenig mit dieser Familie befaßt. Es ist dies eine Geschichtstragödie, als deren Held man aber nur Juda Makkabi bezeichnen darf. Denn seine Brüder und die Nachkommen Simons haben nicht bloß ihren Untergang selbst verschuldet, sondern auch in ihren Sturz das ganze jüdische Volk verwickelt, Sie haben das ideale Ziel, für das Juda Makkabi sein Leben eingesetzt hatte, aus den Augen verloren. Statt dem Volk zu dienen, dienten sie ihrem" Ehrgeiz. Das Amt des Hohenpriesters, dem sie nachgestrebt haben, hat sie von vornherein in eine schiefe Lage versetzt. Die Doppelkrone des Königtums und des Hohenpriestertums auf ihrem Haupt sollte ihnen zu einer Dornenkrone werden. LESSER URY ZUM 60. GEBURTSTAG (7. November 1921) Verehrter Meisterl Sie wollen nicht gefeiert werden. In aller Stille, wie Sie bisher immer gelebt haben, wollen Sie den Tag Ihres 60. Geburtstages verbringen. Nur einige wenige Freunde kennen das Datum und werden sich an ihm als Gratulanten einfinden. Um Sie nicht in der Itaien lieb gewordenen Ruhe zu stören und alle die, die sich Verehrer Ihrer Kunst nennen, an dem denkwürdigen Tage gegen Sie mobil zu machen, erscheint hier mein "Festes* grüß absichtlich post festum. Nehmen Sie ihn trotzdem wohlgefällig auf. Da ich seit Jahren das Glück habe, mit Ihnen freundschaftlich verbunden zu sein, so mache ich mich zum Fürsprech der unzähligen anonymen Gratulanten, die sicherlich gerne bei dieser Gelegenheit einen Beweis ihrer tiefen Verehrung für Sie und Ihre Kunst geben würden. Wie pflegen Sie doch manchmal zu sagen? „So ist das Leben!" — Ja, lieber Meister, Sie müsseh sich nun schon auch einmal das Gefeiertwerden gefallen lassen. Alles Verheimlichen nützt nichts,