Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1921)
- Article
- Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 295 - 296 (sequence 7)
- Language
- German
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295 Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung 296 auf ägyptischem Boden erbat und erhielt. Das Ungeheuerliche und Groteske dieses Unternehmens liegt darin, daß das zadokitische Privilegium auf der Zentralisierung des Opferkultus in Jerusalem beruhte, auf dem Verbot, außerhalb Jerusalems, selbst in einer anderen Stadt Palästinas, eine Kultstätte zu unterhalten. 6. Der Kampf um die Erhaltung des Judentums, der in Palästina und in ganz Syrien tobte, war auch ein Kampf gegen den entarteten Adel, der zu den schlimmsten Feinden des jüdischen Volkes hielt — also ein religiöser und politisch - sozialer Krieg zugleich. Es ist schwer, die Grenze zwischen den religiösen und den politisch-sozialen Gegensätzen zu finden, die den Krieg zu einem unerbittlichen gemacht haben, und zweifellos waren die kämpfenden Parteien sich selbst nicht dessen klar bewußt, was das Motiv zu ihrer Handlungsweise abgab. Die unteren Volksklassen, die dem syrischen König und seinen jüdischen Handlangern den heftigsten Widerstand leisteten und ihr Vorhaben auf Tod und Leben bekämpften, haßten den demoralisierten Priesteradel, der das alte ehrwürdige Heiligtum geschändet hatte und die Synagogen im ganzen Lande niederbrennen ließ; aber gleichzeitig empfanden sie auch Abscheu gegen die Schwelger und Prasser, gegen die -Reichen, die ihren mühelos erworbenen Reichtum zur Befriedigung ihrer Genußsucht verwendeten und deshalb vom Judentum abfielen, weil seine strenge Moral zu ihrer Zügellosigkeit schlecht paßte. Gerade durch die Mischung religiöser und sozialer Leidenschaften nahm der Krieg solche Formen an und führte dahin, daß eine Versöhnung nicht mehr möglich war. Es war dies bald ein religiöser Krieg mit sozialem Hintergrund und bald ein sozialer Krieg mit religiösem Hintergrund. Die religiöse Leidenschaft wurde durch die soziale genährt und gesteigert und ebenso umgekehrt die soziale durch die religiöse. Durch Generationen hatte sich im Volk der Haß gegen den Adel aufgespeichert. Wir erinnern uns, welche Schilderung die biblischen „Sprüche" vom Lodderleben der herrschenden Klassen geben, wie verzweifelt Kohelet über Rechtlosigkeit und Vergewaltigung klagt und wie der pessimistische Psalmdichter das zeitgenössische Geschlecht als verworfen, gottlos, grausam und rücksichtslos bezeichnet. Mit der beginnenden Religionsverfolgung hat nunmehr der Volkshaß eine religiöse Färbung bekommen. Jetzt war das, was der Psalmdichter so abscheulich fand, dem ganzen Volk in der innersten Seele verhaßt. Allerdings, zeigte sich zuerst der Mut des Volkes nur im passiven Widerstand, ohne daß es zum Angriff gegen die Priesterkaste überging. Bald aber fanden sich Männer ein, die eine führende Rolle übernahmen und das Volk wenigstens, zum Ausharren in seinem Kampf aufmunterten. Es war noch kein organisierter Kampf, sondern an allen Ecken und Enden regte sich planlos, der "Widerstand des Volkes. Sollte er zu einer Entscheidung führen, so war eine einheitliche Leitung notwendig. Merkwürdig ist es, daß die biblischen Quellen von einer solchen Führerschaft gar nicht berichten, und zwar schweigt -nicht bloß die Apokalypse im Buch Daniel davon, deren Verfasser den Anfang des Sieges erlebt haben muß, sondern auch die betreffende Psalmdichtung, die neben den Klageliedern auch Siegeslieder enthält, alsa auch zum Teil in einer Zeit entstand, in der die Sache des Volkes bereits Erfolge aufzuweisen hatte. Hingegen stellt das erste Makkabäerbuch die Sache so dar, daß aller Heldenmut des Volkes ergebnislos geblieben wäre, wenn sich nicht die hasmonäische. Familie der Volksbewegung angeschlossen und den Krieg geführt hätte. Die hasmonäische Führerschaft brachte also die günstige Entscheidung. Es ist klar, daß das i. Makkabäerbuch eine Tendenzschrift ist, dazu bestimmt, ausführlich die bedeutende Rolle zu schildern, welche die hasmonäische Familie in diesem großen Drama gespielt hat. Ohne sie hätte sich das Volk zwecklos verblutet. Mögen die im i. Makkabäerbuch geschilderten Ereignisse geschichtlich sein, die Darstellung ist es nicht, und vor allem ist sie gewiß nicht objektiv. Sie erheischt eine kritische Beleuchtung*. Vor allem: Was war diese hasmonäische Familie? In dem für die Chanukkatage eingeschalteten liturgischen Stück heißt es: „In den Tagen des Mattatja, des Sohnes des Hohenpriesters Jochanan ..." Aber die Hasmonäer waren nicht hohenpriesterlicher Abstammung — dies behauptet nicht einmal das i. Makkabäerbuch selbst, das die Familie einer der 24 Priesterabteilungen, der des Jojarih,