Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1921)
- Article
- Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 293 - 294 (sequence 6)
- Language
- German
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293 Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung 294 und den persischen Statthalter Bagohi zum Einschreiten und zur steuerlichen Bedrücltung des ganjzen Volkes veranlaßte, und an Onias II. und seine sauberen Verwandten, die Tobiaden, die ein Prasserleben führten und das dazu nötige Geld aus Erpressungen zogen, mit denen sie weder Heiden noch die eigenen Volksgenossen verschonten und durch welche?sie den blutigsten Haß gegen die Juden heraufbeschworen. 5. Im Jahre . 198 v. Chr. wurde Palästina «ine syrische Provinz. Man kann sich denken, daß dieses politische Ereignis die wirtschaftlichen Verhältnisse im Lande stark beeinflußt hat. Dem reich gewordenen Adel fehlten nunmehr' die aus dem ägyptischen Geschäft gezogenen Gewinne, und es bedurfte erst der allmählichen Umwandlung und Umstellung ihrer finanziellen Unternehmungen, der Anpassung* an die heuen Verhältnisse, damit der Adel seine Position behaupte. Natürlich ging dies nicht ganz glatt vor sich, und zweifellos trat inzwischen eine Krise ein. Als - Hohepriester fungierte in jener Zeit Simon, II. Es ist derselbe, den der Spruchdichter Josua ben Sira mit großer Begeisterung besingt. Auch die talmudische Tradition weiß von, diesem Hohenpriester viel Gutes zu berichten; sie schmückt ihn mit dem Beinamen „der Gerechte", da er eine erfreuliche Ausnahme von der zadokitischen hohepriesterlichen Sippe bildete. Immerhin konnte atich dieser Hohepriester auf die Dauer das herannahende Unglück nicht verhüten. Ihrer guten Geschäfte beraubt, sannen die Zadokiten auf neue Mittel, den früheren Wohlstand wiederherzustellen. Sie schrieben ihr Mißgeschick dem Umstand zu, daß sie vom alexandrinischen Hof losgerissen waren und zu dem neuen Machthaber in Antiochia noch keine guten Beziehungen angeknüpft hatten. Das mußte nun anders werden. Vor allem begannen wiederum nach dem Tode Simons II. in der hohepriesterlichen Familie die alten Zwistigkeiten, die Rivalität um die hohepriesterliche Würde, die ein jüngerer Sohn Simons, Josua oder Jason, seinem älteren Bruder Onias III. mittels Bestechungen am Hof zu entreißen verstand. Dies bedeutete aber nur das Vorspiel zu größeren Ereignissen, die bald eintreten sollten. Auf dem Plan erschien damals der neue syrische König Antiochus Epiphanes, halb Theos und halb Hanswurst, oder richtiger ein Hanswurst, dem Schmeichler und Speichellecker den Dünkel seiner Gottähnlichkeit einbliesen. Ohnmächtig, wie er Rom gegenüber war, trug er sich stets mit großen politischen Plänen; er gedachte, im Osten dem römischen Reich ein Gegengewicht zu bilden. Dabei gebärdete er sich als griechischer Kulturträger und beabsichtigte, den ganzen Osten gründlich zu gräzisieren. Diesem Plan stand aber das Judentum entgegen, und auf Anraten des jüdischen Adels, der sich gerne dn der Gunst des eitlen Königs sonnen wollte, sollte das jüdische Volk der großen griechischen Kultur angeschlossen werden. Tacitus meint, Antiochus Epiphanes habe sich vergeblich abgemüht, dem jüdischen Barbarenvolk Kultur beizubringen. In Tacitus spricht der bornierte Römer, dem das Judentum immer unverständlich blieb. In neuerer Zeit hat Willrich diese These wiederaufgegenommen und aus Antiochus Epiphanes einen großzügigen Herrscher gemacht, dessen weltumspannende Pläne an dem Egoismus Roms und an der Kulturfeindlichkeit des jüdischen Volkes gescheitert seien. Daß AntiochUs Epiphanes jedenfalls kein Held war, sondern ein eitler Mensch, der auf der Gasse Ruhm suchte, steht unter allen Umständen fest. Und was die Hartnäckigkeit der Juden betrifft, den väterlichen Glauben gegen den griechischen Flitter einzutauschen, so muß man nur das Treiben des priesterlichen Adels kennen, auf den 'sich der König stützte, um den Widerstand des Volkes gegen den ihm zugedächten Kultursegen zu begreifen. Es handelte sich in der Hauptsache um einen Beutezug, an dem sich der König und die Vertreter der Priesterschaft beteiligten. Onias III. wurde von Jason überboten und aus seiner hohenpriesterlichen Stellung gedrängt, Jason selbst später von Menelaus aus dem Amt gejagt, und als Menelaus ein trauriges Ende fand, wurde Alkimos sein Nachfolger. Das hohepriesterliche Amt wurde von den syrischen Machthabern meistbietend verkauft. Für die Anhänglichkeit des zadokitischen Adels am Judentum und am Heiligtum zu Jerusalem ist die Tatsache bezeichnend, daß ein würdiger Sprößling der Zadokiten, Onias IV., alles im Stich ließ und zu dem ägyptischen Königspaar floh^ von dem er die Ermächtigung zur Errichtung eines Tempels