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Ost und West · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1921) · p. Seite 291 - 292

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1921)
Article
Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung
Date
1921-11-01
Page
Seite 291 - 292 (sequence 5)
Language
German
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291 Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung 292 zusehen, so findet er keinen redlichen Menschen, auch nicht einen einzigen. Man wird freilich in diesen Klagen auch viel Uebertreibung finden. Wir haben es mit einem leidenden Dichter zu tun, der alles durch die Brille seines krankhaften Pessimismus sieht. Aber wieviel msin auch von der Summe der Schlechtigkeiten abziehen mag, welche der Dichter seinen Zeitgenossen bezeugt, es bleibt noch immer viel übrig. Die Rechtlosigkeit, die Rechtsbeugung, die „Unterdrückung des Armen und der Raub des Rechts*4 haben auch Kohelet, der nach Geburt und Besitz zu den herrschenden Klassen gehörte, zur Verzweiflung getrieben und ihm den Zweifel an der göttlichen Weltordnung eingehaucht. Die Tränen der Vergewaltigten, deren sich niemand annimmt, haben ihm den Aufschrei aus der Brust gepreßt, daß er die Toten glücklicher schätze als die Lebenden, und am glücklichsten diejenigen, die nicht geboren worden sind und nicht die Niedertracht gesehen haben, welche unter der Sonne verübt wird. 4. Aus welchen Kreisen sind die herrschenden Klassen hervorgegangen, deren Lebensprin-zip der Eigennutz war und deren einziges Lebenjsziel der Genuß bildete? Es war; dies der Priesteradel, der sich aus den Zadokiten rekrutierte und der mit einer Anzahl von reichen Familien versippt und verschwägert war. Ihre Privilegien begründeten sie auf dem Altardienst, den sie monopolisierten, im Grunde genommen aber usurpiert hatten, Während des Bestandes des ersten Tempels war das Priestertum ein Beruf, aber keine Kaste. In der Bibel besitzen wir eine große Anzahl von Beweisen dafür, daß in älterer Zeit jeder Sohn Israels berechtigt war, den Altardienst zu versehen; er brauchte nicht levitischer, geschweige denn ahronidischer Abstammung zu sein. Der ganze ahronidische Stammbaum, der eine Schöpfung der Chronik ist, kann nicht als geschichtlich angesehen werden. Im Heiligtum zu Jerusalem wurde während der Regierungszeit des Königs Salomo ein Priester namens Zadok mit dem Altardienst betraut. Es war dies die Belohnung dafür, daß er sich für die Aenderung der Thronfolge zugunsten Salomos eingesetzt hatte. An den anderen heiligen Stätten von Palästina fungierten Priester aus anderen Familien; in Judäa zumeist solche levitischer Abstammung, d.h. Angehörige des Stammes Levi, der besitzlos geblieben war und sich in der Folge dem Altardienst gewidmet hatte. Später scheint aber der Name „Levite" mehr den Beruf als die Abstammung bezeichnet zu haben. Als jedoch unter der Regierung des Königs Josua um 622 v. Chr. der Opferkult in Judäa zentralisiert unid auf das Heiligtum zu Jerusalem beschränkt wurde, verloren, die Leviten, welche an den zählreichen, anderen heiligen Stätten von Judäa 5den. Dienst verrichtet hatten, Amt und Brot. Dias Deuteronomium bestimmte zwar, daß die aus ihrem Amt verdrängten Leviten njach Jerusalem kommen durften und am dortigen Heüigtum mit den zadokitischen Priestern gleidhe Rechte genießen sollten. Aber die Zadokiten waren nicht im mindesten geneigt, die Levitein, an dem Ertrag des Heiligtums teilnehmen zu lassen. Diese wurden zu Bettleiti herabgedrückt Und werden in allen gesetzlichen Bestimmungen über das Almosen mit den Besitzlosen, mit den auf Unterstützung Angewiesenen in einem Atemzug genannt. Bei der Wiederherstellung des Heiligtums zu Jerusalem unter der Regierung Dar ins I. im Jahre 516 v. Chr. nahmen die Zadokiten ihre alte Gewaltpolitik gegen die Leviten wieder auf. Außerdem intrigierten sie unaufhörlich gegen die Abkömmlinge des Hauses David, die sie am Ende denn auch von der weltlichen Herrschaft verdrängten. Um ihr Verhalten gegen die Leviten zu beschönigen, traten sie mit der Behauptung auf, daß diese es waren, die während des Bestandes des ersten Tempels Israel zum Götzendienst verleitet hätten, während sie selbst, die Zadokiten, dem Gott Israels-treu geblieben seien. Man braucht bloß die Reden des Propheten Jeremias zu lesen, um zu ersehen, wie wenig dies ehrende Zeugnis, das sich die Zadokiten selbst ausgestellt haben, auf Wahrheit beruht. Während des Bestandes des zweiten Tempels bis zu der hasmonäischen Erhebung waren es zumeist zadokitische Hohepriester, die jeden gesunden Fortschritt verhinderten, jede gute Einrichtung störten und durch ihren Eigennutz, durch innere Zwistigkeiten und durch ihre Herrschsucht oft genug Gefahr und Unglück über das jüdische Volk brachten. Es genügt, an das schmähliche Verhalten des Hohenpriesters Eljaschib zu erinnern, der dem nationalen Wirken Nehemias nur Steine in den Weg zu legen wußte, an den Bruderzwist gegen Ende der Perserherrschaft, der zu Blutvergießen im Heiligtuta führte

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