Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1921)
- Article
- Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 287 - 288 (sequence 3)
- Language
- German
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- Isaiah 2× ep/1005097
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287 Die hasmonäische Erhebung in geschichtskritischer Beleuchtung 288 mit Aegypten und Assur ein Segen im Lande sein, daß sie der Herr der Heerscharen segnen wird: Gesegnet sei mein Volk Aegypten, und meiner Hände Werk Assur und mein Erbe Israel.4' (Jesaja 19, 23/25.) Klar ist in diesen Worten die Verbindung zwischen den drei jüdischen Zentren ausgesprochen. Israel, d. h. die palästinische Judenheit, ist als wichtiges Glied der Gesamtheit zu dritt mit Aegypten und Assur genannt; alle drei Zentren stehen unter dem Segen Gottes, indem die ägyptische Judenheit als das Volk des Gottes Israels und die syrömesopotamische als seiner Hände Werk bezeichnet wird. Diese beiden Zentren sind gleichwertig mit dem palästinischen, dem der Prophet den Namen „Erbe Gottes*' beilegt. 2, Mit dem Eroberungszug Alexanders des Großen erfahren die Dinge eine durchgreifende Aenderung. Während der kurzen Regierung des mazedonischen Eroberers blieben allerdings noch Assur, Palästina und Aegypten vereinigt, wie es scheint unter einer milden, judenfreundlichen Herrschaft, da Alexander nach der übereinstimmenden Aussage aller Ueberlieferungen den Juden überaus gewogen war. Aber nach wenigen Jahren „zerbrach das große Horn", wie es im Buche Daniel heißt, d. h. nach dem Tode Alexanders wurde sein Reich unter die Feldherren aufgeteilt, und dies bildete für die Juden ein folgenschweres Ereignis. Die politische und kulturelle Einheit des jüdischen Volkes wurde zerrissen. In Aegypten entstand das hellenisierte Judentum mit dem Mittelpunkt in Alexandrien. Im Osten kamen beträchtliche Teile des jüdischen Volkes später unter die Herrschaft der Parther, während die syrische Judenheit von den Seleuziden regiert wurde. Zwischen Aegypten und Syrien lag Palästina, das seitdem oft den Besitzer wechselte und stets einen Zankapfel zwischen dem „Reich des Südens" und dem „Reich des Nordens" bildete. Ueberhaupt war Vorderasien Jahrhunderte hindurch der Schauplatz blutiger Ereignisse. Bald tobte der Krieg zwischen Aegypten und Syrien, wobei das unglückliche Palästina zwischen den beiden rivalisierenden Staaten lag, und bald wiederum zwischen Syrien und (dem Partherreich, und die Schlachtfelder bildeten da Landschaften mit zahlreicher jüdischer Bevölkerung. Die wilden Kriege wurden, sozusagen auf dem Rücken des jüdischen Volkes geführt, das, ähnlich wie im letzten Weltkriege, beim Hin- und Herfluten der feindlichen Heere geradezu zertreten wurde. Ein Prophet gibt in starken Worten seinem Zorn darüber Ausdruck: „Siehe da, der Herr zieht saus seiner Stätte heraus, um die Sünde derEinwohner des Landes zu ahnden; die Erde wird bloßlegen das Blut und nicht mehr verhüllen die Erschlagenen. An jenem Tage wird der Herr strafen mit seinem harten, großen und starken Schwert den Leviathan, die flüchtige Schlange, und den Leviathan, die gewundene Schlange, und wird töten das Krokodil im Meer" (Jesaja 26, 21—27,1). Die hier genannten drei Ungetüme symbolisieren das parthische, das syrische und das ägyptische Reich, deren fortwährende Kriege dem jüdischen Volke so viele Opfer kosteten. 3. Im Jahre 281 v.Chr. hat Ptolemäus II. endgiltig Palästina erobert, das dann nahezu ein Jahrhundert, bis zum Jahre 198, ununterbrochen eine ägyptische Provinz war. Bis auf wenige Ausnahmen gelten die Lagiden in der Geschichte des jüdischen Volkes als judenfreundlich. Die Zugehörigkeit zum ägyptischen Reich hat natürlich auf Palästina kulturell und wirtschaftlich stark eingewirkt. Ein vollständiges Bild von den Verhältnissen im Lande während des in Betracht kommenden Jahrhunderts besitzen wir zwar nicht; aber es liegen Andeutungen genug vor, um ein solches Bild einigermaßen zu konstruieren. Eine Anzahl von Juden aus den adligen Kreisen verschaffte sich beim ägyptischen Hof die Zoll- und Abgabenpacht in den verschiedenen Teilen Palästinas, insbesondere in den Hafenstädten. Es läßt sich denken, daß dieses Geschäft großen Gewinn einbrachte, zumal eine solche Methode der Steuererhebung immer mit ungerechter Erhöhung der Lasten und mit Erpressungen aller Art verbunden ist. Gegen etwaige Beschwerden in Alexandrien half man sich leicht mit Bestechungen am Hof. Es ist bekannt, daß die bezeichneten geschäftlichen Unternehmungen, die doch eigentlich nur einem kleinen Bruchteil des jüdischen Volkes hohe Gewinne erbrachten, dazu reichlich beitrugen, die Juden bei der nichtjüdischen Bevölkerung der Nachbarländer und in Palästina selbst verhaßt zu machen. Man kann" sogar sagen, daß die jüdischen Steuerpächter den Grundstein zum Judenhaß gelegt haben, da ein solcher aus früherer Zeit nicht bekannt ist.