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Ost und West · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September-Oktober 1921) · p. Seite 261 - 262

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September-Oktober 1921)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1921-09-01
Page
Seite 261 - 262 (sequence 6)
Language
German
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261 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 262 University College in London für die besten Leistungen im Deutschen; sie wurde 1884 an die Schülerin Lublin, jetzt verheiratete Benas Levy, verliehen. Ob man auch heute noch in England hervorragende Leistungen in der Kenntnis der deutschen Sprache mit einer Medaille auszeichnet, auf der die sitzende Germania mit Schwert und Lorbeerkrone und mit der auf einen Felsblock geschriebenen Mahnung „Seid einig!" zu sehen ist? Die Plakette Nr. 192 wurde von der Loge „Wilhelm zu den drei Säulen" ihrem Alt* und Ehrenmeister Simon in Wolfenbüttel (früher in Eisleben) überreicht. Über der Widmung prangt nicht ein Freimaurerabzeichen, sondern der Kronen* orden 3. Klasse! F i o r i n o in Cassel hat sich als langjähriger Vorsitzender des Kuratoriums des dortigen isr. Waisenhauses und der segensreich wirkenden „Gesellschaft der Humanität", sowie als Kunst* Sammler und Förderer der Kunst verdient gemacht. Bis vor kurzem besaß er die größte hessische Münzensammlung. Auf der Rückseite der Medaille Nr. 153 ist ein Mann dargestellt, der mit der rechten Hand eine Münze oder Medaille zur Be* trachtung hoch hält, mit der linken Hand ein Vergrößerungsglas faßt. Daneben heißt es: „In nummis veritas" (In . den Münzen ist die Wahrheit). Das ist nun leider keine Wahrheit. Münzen sind wertvoll als Dokumente, haben aber nur bedingten Wert als geschichtliche Zeugnisse der Wahrheit. Sie können gerade so subjektiv sein, wie es zahl* reiche Urkunden und Akten sind. Wir kommen darauf noch später zurück. — Der Rest dieser Medaillengruppe hat das Ge* meinsame, daß es sich um Hochzeitsmedaillen handelt Die Sitte, solche Schaumünzen zu prägen, ist noch wenig bekannt, am allerwenigsten in Nord* deutschland. In der reichen Sonderkollektion, die wir besitzen — nur ein kleiner Teil ist ausgestellt —, finden sich nur zwei Stücke aus Berlin (Heimann 1853, Bial 1882), je eins aus Hamburg (Lilienfeld 1879), Altona (Abensur* de Castro: unsere Nr. 154) und Posen (Jaffe*Alexander 1882). Und doch ist es sicherlich empfehlenswerter, solche Erinnerungsstücke an freudige Familien* Ereignisse herstellen zu lassen, als jene Hochzeits* Zeitungen, Kladderadatsche und minderwertigen literarischen Erzeugnisse, die kurze Zeit nach dem Feste den Weg allen Papieres gehen. Es ist nun freilich nicht nötig, schon die Verlobung im Metall festzuhalten, wie es 1845 im Falle Leo»Kronenberg in Warschau geschah. Kommt es doch vor, daß manche Verlobungen nicht zur Ehe führen! Aber die Herstellung von Medaillen zur grünen, silbernen und goldenen Hochzeit würde an Stelle oder neben den Dichtungen, Photographien usw. dauernde Familiendokumente schaffen, oft auch eine Quelle des Kunstgenusses werden und zur Hebung der Medaillenkunst beitragen. Unsere älteste Medaille dieser Gruppe Nr. 154 entbehrt merkwürdigerweise des Datums der Ver* mählung. Nur das Geburtsdatum des Paares ist angegeben: 1753. Abensur war einen halben Monat jünger als seine Braut. Eigenartig ist auch das Bild der Rückseite: ein Genius, der mit der rechten Hand die lodernde Lebensfackel empor* hebt, mit der linken die erlöschende Todesfackel senkt. Die Medaille für Kaulla (Nr. 155) zeigt einen von Weinranken umwundenen Palmbaum in bergiger Landschaft. Dagegen macht die Medaille Nr. 157 für Wa g e n a a r mit dem Taubenpaar auf einem Baum zwischen mnN und rQHX einen leb* härteren Eindruck. Das erste hebräische Wort ist zugleich ein Akrostichon für den synagogalen Namen des Bräutigams: Abraham Chajjim Wagenah (n^Nli mit n). Der Genannte wurde später Inspektor des Beth Hammidrasch in Amsterdam und ist durch eine hebräische Biographie Jakob Emdens literarisch bekannt. Die beiden Nummern 163 und 166 sind den gelehrten Numismatikern S c h n e r b und Hirsch (Abb. 5) zu ihrer Vermählung gewidmet. Auf der Medaille für Hirsch halten zwei Genien einen herzförmigen Schild, der die Widmung trägt. Jü* discher ist die Rückseite auf der Medaille für Schnerb: das Bild einer Chuppa (Trauhimmel), darunter zwischen den Stangen das hebräische Datum, ringsum in der Legende die synagogalen Namen des Brautpaares- Von den Medaillen zur silbernen Hochzeit sei die für Henriques de Castro (Nr. 159) hervor* gehoben. Die Rückseite fällt durch die Abbildung der Familienwappen des Ehepaares auf. Nicht nur de Castro, sondern auch seine Frau gehörten Familien an, die Wappenschilde führten. Die älteste der Medaillen zur goldenen Hoch* zeit Nr. 156 vom Jähre 1828 für Cohen ist in Gold ausgeführt. Beide Seiten haben gravierte allegorische Darstellungen. Links von einem Palmbaume, dessen Mitte ein Schild mit der Ziffer L einnimmt, steht ein Ehepaar; rechts van dem Baum bietet eine Frau mit der rechten Hand einen Kranz dar. Ein Storch neben der Frau soll Kindersegen andeuten! Auf der Rückseite erblickt man einen Altar, über diesem ein strahlendes Auge, links einen Baumstamm, auf dessen Zweige ein liebelndes Taubenpaar sitzt, währerid am Boden Bogen und Köcher mit Pfeilen liegen, und rechts ein Füllhorn mit herausfallenden Blumen. Die Medaille Nr. 165 für Rothschild ist von der ,,Synagogengemeinde Israelitische Religions* gesellschaft zu Frankfurt a. M." gestiftet. Über der Widmung prangt auf einem Bande mit Myrten*

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