Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September-Oktober 1921)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 259 - 260 (sequence 5)
- Language
- German
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259 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 260 Abb. 6. Synagoge in Vercelli. und dem Enkel des als Leibarzt des Papstes Leo X. und als Astro* nom bekannten Bonet (Jacob) de Lattes, Identifizieren wollen. Dann müßte man aber annehmen, daß dieser Elia zwei Jahre vorher in Venedig wohnte, was wenig wahrscheins; lieh ist. Pietätsvoll hat Elia das Brustbild seiner Mutter Rica (Rebecca) auf die Rückseite der Medaille setzen lassen (siehe die Abbildung). Wir erblicken eine noch junge Frau in einfacher Haartracht (mit Netz), mit Halskette und Mieder. Zwischen Kette und Mieder ist eine Art Unterkleidung sichtbar. War Elia Jung* geselle oder verwitwet und hat er deshalb nicht das Bild seiner Frau hinzugenommen? Wir wissen darüber nicht das geringste. Aber niemand zwang ihn, überhaupt ein Frauenbildnis zu wählen, und wir wollen ihm das Verdienst, seine Mutter geehrt zu haben, nicht schmälern. Künstlerisch wertvoller, wenn auch um vier Jahre jünger, ist die Medaille Nr. 148 mit dem Porträt der Gracia Naßi (Abb. 4). Das Stück ist eine der schönen ziselierten Reliefmedaillen, die wir der Hand Pastorinos zu verdanken haben. Dessen Name ist mit P am Armabschnitt angedeutet. Die junge Frau, Gemahlin des Don Samuel (Moses) Naßi in Ferrara, des Bruders des bekannten (späteren Herzogs von Naxos) Don Joseph Naßi in Konstantinopel, ist anno aetatis XVIII, im 18. Lebensjahre, dargestellt. Sie muß sich also schon früh verheiz ratet haben. Der reiche Schmuck am Halse, am Ohre und auf dem Kopfe, sowie die vors: nehme Klei* dung lassen denReichtum und den Ge* schmack er* kennen, wek eher in der aus Spanien stammenden Familie Abb 7. Synagoge in Köln (Glockengasse). Naßi herrschte. Wir besitzen außer dem sehr seltenen Bronze* original des Naßimedaillons — auch hiervon kennt man nur noch zwei Exemplare: in Paris und in Gotha (früher in München) — noch zwei spätere Güsse: einen in Blei und einen in Silber- Die Nachbildung in Blei, auf der das Jod im hebräischen Worte Naßi fehlt, ist dadurch eigenartig, daß sich auf der Rückseite der Abdruck einer anderen Pastorinomedaille befindet, Brustbild mit Umschrift: Hieronima Farnesia D. S. Vitali. Ein innerer Zu* sammenhang zwischen der Jüdin und der Herzogin besteht nicht. Ein Sammler hat rein äußerlich zwei verschiedene Pastoiinomedaillen auf Einem Stück nachbilden lassen. Die Nachbildung in Silber ist 1 mm kleiner, außerdem ist die Ziselierung eine andere, teilweise fehlt sie ganz. Die folgenden Medaillen gehören dem Aus* gange des 19. Jahrhunderts und dem Anfange des 20. an. Nr. 149 ist eine zum Andenken an Prof. Heimann 1875 gestiftete Prämienmedaille ] des Abb. 8. Jubiläumsmedaille des „Philanthropins" in Frankfurt a. M. Abb. 9. Israelitisches Knabenwaisenhaus in Amsterdam.