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Ost und West · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September-Oktober 1921) · p. Seite 253 - 254

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September-Oktober 1921)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1921-09-01
Page
Seite 253 - 254 (sequence 2)
Language
German
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253 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 254 Die Verdienste des Brüsseler Bürgermeisters Anspach werden durch vier Medaillen gewürdigt. Als er 1879 starb, war, wie es auf einer Medaille heißt, „Brüssel in Trauer, es beweint seinen Bürger* meister Jules Anspach". Die Einweihung der Brüsseler Brücken über die Senne fand am 30. November 1871 statt, die darauf bezügliche Medaille Nr. 118 wurde erst 1872 geprägt. Wie Cremieux in Frankreich, so war Godefroi in Holland der erste jüdische Justizminister. Das Judentum weiß dem Präsidenten des belgischen isr. Konsistoriums dafür Dank, daß er nicht nur für die Rechte seiner Glaubensgenossen in Holland, sondern auch für die bürgerliche Emanzipation der schweizerischen und rumänischen Juden öffent* lieh eintrat. Die Medaille Nr. 119 wurde von den Amsterdamer Wählern gestiftet. Ein gleich ausgezeichneter holländischer Jurist war Asser, Mitglied des holländischen Staatsrats und Deputierter Hollands zur Haager Friedens* konferenz. Die mir im Zusammenhang unver* ständlichen Worte auf der Medaille Nr. 123 „Kennis, Vernuft, Arbeid. Begeer Utrecht" wird vielleicht ein holländischer Leser zu erklären wissen. K u r a n d a (Nr. 120), dessen großes Bronze* gußmedaillon in der Abbildung 1 wiedergegeben wurde, ist dem Österreicher als langjähriger Führer der deutsch^liberalen Partei im niederösterreichischen Landtag und österreichischen Reichsrat sowie als Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und Vizepräsident der „Allianz" wohl bekannt. Die deutsche Publizistik nennt dankbar seinen Namen als den des Begründers und ersten Heraus? gebers der Leipziger „Grenzboten". Sein Landsmann und Zeitgenosse F i s c h h o f (Nr. 125) gab durch seine Rede vor dem Landhause in Wien den ersten Anstoß zur Wiener Revolution und spielte im konstituierenden Reichstag (1848 bis 1849 eine führende Rolle. Es interessiert uns heute ganz besonders, daß er bereits 1869 in seiner Schrift „Österreich und die Bürgschaften seines Bestandes" die autonomistische Konstituierung Österreichs empfahl und 1875 für die „Reduktion der kontinentalen Heere" eintrat. Unsere Medaillen und Jetons auf Lassalle, den Führer der deutschen Sozialdemokratie, sind, sei es, daß er allein oder mit Marx oder jmit Bebel und Liebknecht (Nr. 121 Rückseite) porträtiert ist, sämtlich klein und mit Ösen zum Tragen bestimmt- Dasselbe ist bei der achteckigen Klippe für Hirsch, den Gründer und Anwalt der Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereine (Nr. 122), der Fall. Im wohltuenden Gegensatz hierzu steht das große Bronzegußmedaillon von Marx (Nr. 124), das durch den charakteristischen Kopf mit den lebensvollen Augen unsere Aufmerksamkeit fesselt. Der Künstler, der seinen Namen mit „Boris Chatz" eingravierte, ist nicht Chatz oder Katz, sondern Schatz, 1894 in Paris, aus den späteren Jahren als verdienstvoller Lehrer und Leiter des Jerusalemer „Bezalel" bekannt. Sonnemann (Nr. 126) hat in der Reihe der Politiker als langjähriger Vertreter Frankfurts im Reichstag und als" führendes Mitglied der Frank* furter Stadtverordnetenversammlung, deren stell* vertretender Vorsteher er zuletzt war, seinen Platz. Als Abgeordneter hat er sich um die wirtschaftliche Gesetzgebung des Reichs verdient gemacht. Einen großen Einfluß übte er durch die Herausgabe der „Frankfurter Zeitung" aus, deren Eigentümer er war. Der Mannheimer Rechtsanwalt und sozial* demokratische Reichstagsabgeordnete Frank fiel zu Beginn des Weltkrieges. Auf der nach seinem Tode gegossenen Medaille Nr. 127 ist das Porträt nicht minder eigenartig als die symbolische Zeich* nung auf der Rückseite: „Stirb und werde!" 13. Konsuln. 128. Max von Wilmersdoerffer in München (1824 bis 1903), 1891 zur goldenen Hochzeitsfeier. B. 129. Jacob Fuchs in Antwerpen. B. Wilmersdoerffer war sächsischer, Fuchs oldenburgischer Generalkonsul. In jüdischen Kreisen hat sich ersterer als Vorstandsmitglied der Münchener isr. Kultusgemeinde betätigt; auch war er ein Förderer jüdischer Wissenschaft. 14. Großindustrielle, Kaufleute. 130. Adolph Nathan in Hamburg, 1879 zum 25 jährigen Angestelltenjubiläum. G. 131. Siegmund Strauß jr. in Frankfurt a. M- (1824 bis 1899), 1887 zum 50 jährigen Geschäfts* jubiläum. S. 132. Ludwig Loewe in Berlin (1837—1886), 1895 zum 25jährigen Geschäftsjubiläum. S. 133. Ludwig v. Gutmann in Wien (1860-1900), 1899. S. 134. H. S. Rosenberg in Hannover, 1901 zum 70. Geburtstage. S. 135. Bernat Rosenfeld in Nagybarod (Ungarn*, 1901. B. 136. Gustav Spitzer in Wien (1823-1909), 1903 zum 80. Geburtstage. B. 137. Wilhelm Herz in Berlin (1823-1914), 1905 zur Einweihung des neuen Gebäudes der Berliner Handelskammer. B. Der Hamburger Nathan würde, schwerlich für seine 25jährige Tätigkeit im Hause D. und F. Oppenheim eine Medaillenauszeichnung erhalten haben, wenn er nicht selber Münzensammler ge* wesen wäre und man ihm nicht gerade mit diesem Geschenke eine besondere Freude hätte bereiten wollen. Unsere Nr. 130 hat dadurch besonderes Interesse, daß es das goldene Exemplar ist, das seiner Zeit dem Gefeierten verehrt wurde. Wir

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