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Ost und West · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September-Oktober 1921) · p. Seite 251 - 252

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September-Oktober 1921)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1921-09-01
Page
Seite 251 - 252 (sequence 1)
Language
German
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251 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 252 DIE ZWEITE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTSAMMLUNG DER JUEDISCHEN GEMEINDE ZU BERLIN Von Moritz Stern. 12. Politiker. 113—114. Joseph Süß Oppenheimer in Stuttgart (1698—1738), nach seinem Tode. S. 115. Louis Jacobs in Antwerpen (1803—1847), nach seinem Tode. B. 116. Gabriel Rießer in Hamburg (1806-1863), 1906 zum 100 jährigen Geburtstage. B. 117. Isaac Adolphe Cremieux in Paris (1796 -1880), 1881. S. 118. Ch. Wiener: Jules Anspach in Brüssel (1826 bis 1879), 1872 zur Einweihung der Brücken* bögen über die Senne. B. 119. J. Elion: Michael Henr. Godefroi in Amsterdam (1814-1882), 1879 zum 30jährigen Jubiläum als Deputierter der Generalstaaten. B. 120. Ignaz Kuranda in Wien (1811-1884), nach seinem Tode. B. 121. Ferdinand Lassalle in Berlin (1825-1864), 1890. A. 122. Max Hirsch in Berlin (1832—1905). Nickel 123. Tobias Michael Carl Asser in Amsterdam (1838-1913), 1893. B. 124. Boris Schatz: Karl Marx in London (1818 bis 1883), 1894. B. 125. Adolph Fischhof in Wien (1816-1893), 1894. S 126. Leopold Sonnemann in Frankfurt a. M. (1831 bis 1909). B. 127. Benno Elkan: Ludwig Frank in Mannheim, nach seinem Tode 1914. B. Oppenheimer (Nr. 113) ist der Württem* bergische Geh. Finanzrat und Kabinettsfiskal, der „Jud Süß" der Hauffschen Dichtung. Die Spott* medaille Nr. 114 zeigt einen Galgen mit Käfig, in welchem sich der Gehängte befindet. Ringsum lesen wir die verurteilenden Worte: „Aus disem Vogel Haus schaugt Sus (1) der Schelm heraus." Darum sei darauf hingewiesen, daß Süß mit dem schimpflichen Tode die Verbrechen anderer büßte. Zu seiner Ehrenrettung muß betont werden, daß sein Herzog Karl Alexander von Württemberg (1733—1737) ihm bescheinigte, er habe „viele und wichtige Dinge zu merklicher Beförderung des herrschaftlichen Interesse mit nicht weniger Appli* kation und Treue als glücklichem Succeß zu unserer besonderen Satisfaction eingerichtet und eingeführt." Obgleich ihm nichts Strafbares vorzuwerfen war und obgleich er „seinem Herrn wie jemals ein fürstlicher Bedienter mit Fleiß, Treue und Eifer aufrichtig und nach Kräften gedient hatte", beugten nach dem Tode des Herzogs Oppenheimers Gegner, IV. der Stimme des Judenhasses Gehör schenkend, das Recht und verurteilten ihn im geheimen Prozeß verfahren zum Tode. Der Antwerpener Rechtsanwalt Jacobs ist früh verstorben. Wie vielseitig er gewirkt hat, lehrt die Medaille Nr. 115, die auf seine Tätigkeit im belgischen Nationalkongreß, in der gemischten Kommission für Schiffahrt, im Antwerpener Stadtrat hinweist und ihm für seine dem Handel, den Künsten, dem öffentlichen Unterrichte und der Industrie erwiesenen Dienste dankt. Rießers Bronzegußplakette Nr. 116 ist aus* gestellt, weil sie sein Porträt im großen Formate bringt. Keineswegs darf angenommen werden, das Andenken dieses Anwalts der deutschen Juden sei erst 43 Jahre nach seinem Tode durch Medaillierung verewigt worden. „Dem Streiter für Recht und Freiheit" haben „seine hamburgischen Glaubens* genossen" schon im Jahre 1836 jene bekannte Medaille überreicht, auf der vor einer die Liebe personifizierenden Mutter zwei Frauengestalten, das Judentum (knieend und gefesselt) und das Christentum (mit Krone und Szepter), dargestellt sind und das Judentum, auf die herrschende Religion hin* weisend, die Anklage erhebt: „Haben wir nicht alle Einen Vater, hat uns nicht Ein Gott erschaffen?" (Maleachi II, 10). Der Entwurf rührt von Moritz Oppenheim her, dem Maler des jüdischen Familienlebens. Was der Medaille von 1836 fehlte, das Bild Rießers, ist 1906 zum 100 jährigen Geburts* tage nachgeholt worden. Würden wir von Cremieux's hervor* ragender Tätigkeit im französischen Staatsleben nichts wissen, so könnte uns die Medaille Nr. 117 über die einzelnen Stadien seiner politischen Lauf* bahn kurz belehren: Avocat, Depute, Membre du gouvernement provisoire, Ministre de la justice 1848, Membre du gouvernement de la defense nationale, Ministre de la justice 1870 —1871, Senateur jnamovible 1875. Wer mehr erfahren will, nehme sich die andern bei uns befindlichen 13 französischen Cremieux*Medaillen zur Hand, er wird dabei ein ganzes Kapitel französischer Geschichte von 1848 bis 1870 kennen lernen. Von Wichtigkeit für uns Juden ist eine deutsche, in Berlin geprägte Medaille, auf der Cremieux mit Moses Montefiore verewigt ist, wie sie 1840 dem Pascha von Damaskus Empfehlungsschreiben im Interesse der dort ge* fangenen Juden überreichen. Es wird später Gelegenheit sein, über diese historische Medaille zu sprechen.

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