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Ost und West · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1921) · p. Seite 215 - 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1921)
Article
Maser
Date
1921-07-01
Page
Seite 215 - 216 (sequence 4)
Language
German
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Maser 216 stellt sich nicht auf die Zehenspitzen, auch wenn man ein reicher Mann ist. Geld ist viel. Aber Geld ist nicht alles!" Der vornehme Mann dachte bei diesen Worten gar nicht an Simon Levi, und die andern im ersten Augenblick auch nicht. Aber Simon empfand sie sofort als eine Anspielung, und vielleicht war es der Ausdruck in seinem Gesicht, der die anderen dazu brachte, die Worte noch einmal zu hören. Die Natur des Gesprächs hatte eine Pause verur* sacht; jetzt wurde sie peinlich, und niemand konnte sie brechen. Eine Andeutung wurde gemacht, daß es Zeit zum „Benschen" (das Tischgebet herzusagen) sei, und Simon kam dadurch aus dem Starrkrampf, der ihn befallen hatte, heraus. Aber er vergaß sich bis zu dem Grade, daß er, anstatt den Wut* digsten oder Vornehmsten aufzufordern, das Gebet herzusagen, es selber tat. Während er mit allen äußeren Zeichen der Devotion, mit geschlossenen Augen und wiegendem Oberkörper, das Gebet hersagte, erinnerte er sich seines Versehens, bereute es, war aber doch gewissermaßen damit zufrieden, aus Trotz und Zorn, dachte an seinen Reichtum, fand ihn ungenügend und war unglücklich. Als alles vorbei war und die Gäste gegangen waren, sagte Simon Levi nach längerem Schweigen zu seiner Schwester: „Nu, einmal ist keinmal! Einmal bin ich meschugge gewesen." Nach einer neuen, langen Pause fügte er mit der eigentüm* liehen jüdischen Selbstironie hinzu: „Hör mal, Gidel, weißt du was? Ich verstehe das nicht. Man sagt ja, Glück ist ein Nekeivo (Weib). Nun, sie soll willkommen sein! Aber was will sie bei mir? Ich verstehe das nicht. Warum ist sie nicht lieber gegangen zu einem hübschen, jungen Mann. Kannst du mir das erklären?" Gidel erwiderte: „Willst du es wissen, Simon?u „Ob ich es wissen will? Warum fragt man? Kannst du antworten?" „Weil ein junger Mann vielleicht alles selber behalten hätte; aber du kannst jungen Leuten geben." „Hm!" sagte Simon und geriet plötzlich in eine Gedankenrichtung, die ihm gar nicht ange* nehm war. Lange bevor er sämtliche zweihunderttausend Taler hinter Schloß und Riegel hatte, gleich bei der ersten Ratenzahlung, war eine peinliche Frage vor Simon Levi aufgetaucht. Das war die des Maser. Nach dem Gesetz soll man den zehnten Teil von dem, was man erwirbt, den Armen geben, und es gibt viel mehr Juden als man glauben

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