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Ost und West · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1921) · p. Seite 155 - 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1921)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1921-05-01
Page
Seite 155 - 156 (sequence 7)
Language
German
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155 Die zweite Aussteilung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 156 amtierte. Damals, in seinem 70. Lebensjahre, er* hielt er eine Berufung auf den Rabbinersitz der aschkenasischen Gemeinde in Amsterdam, welche Stelle er am 14. September 1735 (27. Elul 5495) antrat. Mehrere Jahre hatte der Gemeinde der geistige Führer gefehlt. Um so größer war die Freude, daß Elasar dem an ihn ergangenen Rufe gefolgt war. Ein Empfang wurde ihm in Amster* dam zuteil, wie nach dem Zeugnisse des Zeitge^ nossen Menachem Man ben Salomo halevi, des Verfassers des Geschichtsbuches Scheerit Jisrael (Amsterdam 1743, Kap. 34, Bl. 140), keinem früheren Rabbiner geschehen war. Das beweist auch die Medaille, die zu seiner Ehrung 1735 ge* prägt wurde (Abb. 5). Auf der Vorderseite sehen wir den Rabbi im Relief abgebildet, nach rechts gewandt, mit hoher runder Kopfbedeckung (Pelzmütze), Talar und Halskrause — ohne Bäffchen — die Kopf* haare bis zur Krause reichend und das Ohr ver* deckend, mit kurzem gekräuselten Vollbart, der die Krause bedeckt und mit ihr endet, mit er* hobenem rechten Arm, dessen Hand auf einem aufgeschlagenen Buche ruht, während das Buch auf einer Platte liegt. Das Bild zeigt offenbar Elasar als Prediger auf der Kanzel, mit dem rechten Arm und dem Kanzelbrett schließt es ab. Die hebräische Umschrift lautet auf deutsch: ,,Unser Lehrer, der Rabbiner Elasar, Sohn unseres Lehrers des Rabbiners Samuel, Vorsitzender des Rabbinats* kollegiurns der heiligen Gemeinde Brod". Es ist natürlich ausgeschlossen, daß sich Elasar gleich nach seiner Ankunft in Amsterdam für die Herstellung der Medaille zeichnen oder malen ließ. Auch die Umschrift weist auf den Brodyer Ursprung hin. Dort muß eine Zeichnung, ein Ölbild oder ein Kupferstich mit dem Konterfei des Rabbi als Brodyer Darschan angefertigt worden sein. Nur so ist es erklärlich, daß es möglich war, bald nach der Ankunft in Amsterdam eine Medaille mit dem Bilde des Rabbi zu prägen. Die Rückseite enthält einen hebräischen Text, der zunächst in drei Zeilen die Umschrift der Vorderseite fortsetzt, auf deutsch: „Wurde hier aufgenommen am Mittwoch den 27. Elul 495 nach der kleinen Zahl zu langem Leben, Amen, Selah". Dann folgen aus den Sprüchen der Väter 111,2 die Worte: „Bete für das Wohl der Regierung", aus Psalm 119 die Anfänge von 10 verschiedenen Versen (145, 80, 57, 7, 55, 134, 77, 105, 8 und 81) und aus 1 Könige XVII,22 „Und der Ewige hörte auf die Stimme des Elijahu und es (das Kind) lebte". Den Schluß bilden zwei Zeilen, mit denen de-r Amsterdamer Verfasser der Inschrift und Verfertiger der Medaille seinen Namen an* deutete: Joel ben Lipman Levi. Der Spruch des Rabbi Chanina, für das Wohl der Regierung zu beten, ist hier als Danksagung an den Amsterdamer Rat aufzufassen, durch dessen Eingreifen die Wahl Elasars zustande gekommen war. Da die Gemeinde sich nicht einigen konnte, mischten sich Bürgermeister und Schöffen ein und stellten aus den von den sieben Parnaßim vorge* schlagenen Kandidaten eine engere Liste her, an deren Spitze als erster zu Berufender der Brodyer Rabbiner Elasar stand. Innerhalb des Vorstandes und der Gemeinde waren für Elasar besonders 11 Personen eingetreten, deren Namen auf der Medaille angedeutet sind. Die Anfangsbuchstaben der Psalmverse sind größer geschrieben und ge* strichelt. Sie bilden nicht, wie man zuerst meinen möchte, ein Akrostichon, sondern weisen auf die Namen derjenigen hin, die sich um die Wahl des Rabbi verdient gemacht haben. So bedeutet K=Koppel d. i. Jacob Moses, J=Jochem Moses, CH Chone (Elkan) Fies, Alef—Izzik (Isaac) Alexander, Zajin=Zacharias Reithlinger, P=Philipp Levi (Leon) Gomperts, J=Jacob Fies junior, N=Nathan Magnus, Alef= Andries van Norden, K=Jungfrau Clara (!). Man sieht jetzt, warum gerade diese Psalmverse ge* wählt worden sind. Zehn Namen sind in den Anfangsbuchstaben vermerkt, der elfte in dem folgenden Satze aus dem ersten Buche der Könige. Elijahu ist Elias de Lima, auch Elias Norden ge* nannt. Aber nicht nur die Freunde Elasars sind verewigt, sondern auch seine Gegner. Freilich auf eine Weise, die heute niemand herausfinden wird, über die aber 1735 ganz Amsterdam gelacht haben muß. Unter dem rechten Ärmel Elasars am Rande der Medaille befinden sich drei Reihen ganz kleiner Ringe, in der ersten 8, in der zweiten 6, in der dritten 2. Es sind im ganzen 16 kleine „Nullen", mit denen der Medailleur die 16 Männer, die gegen die Wahl Elasars waren, kennzeichnete und ver* spottete. Der Rabbi schüttelt die „Nullen" gering* schätzig vom Ärmel f Zur Prägung der Medaille wurde ein Stempel angefertigt, der neben anderen Fehlern das falsche Tagesdatum Freitag statt Mittwoch enthielt. Wir besitzen von diesem Stempel einen zinnernen, gal* vanoplastischen Abdruck der Rückseite. Die aus* gestellte silberne Medaille — auch ein schlechter Bronzeabguß ist vorhanden — ist nach einem ver* besserten zweiten Stempel geprägt. Leider ist auch dieser Stempel nicht fehlerfrei! Wie aus der Ab* bildung zu ersehen ist, hat er ^" statt "l? (kor* rekt statt 'HS und -p.ywb statt injwnt* Die verschiedenen Piene*Schreibungen sind nicht als Fehler anzusprechen, sie sind absichtlich zur Verdeutlichung gewählt worden. Vokalisiert ist nur ein einziges Wort: "»in; es geschah wohl, um nicht

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