Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1921)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 145 - 146 (sequence 2)
- Language
- German
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145 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 146 Zijon; als Sinnbilder erscheinen zwei Lulawzweige und wieder der Kelch mit Perlen, auf der Rückseite ein Etrog bezw. ein Lulaw zwischen zwei Etrogim. Simons Sohn Johann Hyrkan I. (135—104) setzt bereits seinen Namen auf die von ihm ge* prägten Münzen, fügt aber den des Sanhedrin hinzu: Jehochanan hakohen hagadol wechewer hajehudim, die Rückseite hat zwei Füllhörner, zwischen ihnen einen Mohnkopf. Während Simons Sohn Juda Aristobul (104-103) mit Namen, Titel und Symbolen dem Beispiel des Vaters folgt, zeigt die von Judas Bruder Alexander Jannaeus vor* handene Münze bereits den K&nigstitel: Jehonatan hamelech in den Zwischenräumen eines acht* strahligen Sterns und auf der Rückseite um einen Anker zum ersten Male eine griechische Umschrift: ,,Basileos Alexandrou". Unsere nächste bestimm? bare Münze rührt von König Antigonus (40—37) her. Im Gegensatz zu den bisherigen Kleinbronzen eine Mittelbronze, zeigt sie in ihren vier Stücken wieder ein oder zwei Füllhörner und neben der griechischen Umschrift Basileos Antigonou die hebräische: Matitja kohen gadol, chewer hajehudim. Der jüdische Name Matitja für Antigonus ist sonst aus den Quellen nicht bekannt. Die Münzen der folgenden herodäischen und halb^hasmonäischen Herrscher führen nur griechische Umschriften. Als Symbole erscheinen bei Herodes I. (37—4) Helm, Lulaw, Dreifuß, Anker, Füllhörner; bei Archelaus (4 vor bis 6 nach Chr.) kommen noch Weintraube, Schiffsvorderteil und Olivenkranz, bei Agrippa I (37—44) Schirm und Ähren auf Füll* horn hinzu. Herodes I. schreckte noch davor zu* rück, Abbilder von lebenden Wesen auf den Münzen anzubringen. Auf den Münzen seines Sohnes Philipp II. (4 v.—34 n.Chr.) sind zum ersten Male die Köpfe der Kaiser Augustus und Tiberius ausgeprägt. Agrippa I. ließ vollends alle Bedenken fallen und brachte auf den für Caesarea und Tiberias geprägten Münzen nicht nur die Bilder der Kaiser Caius Caligula und Claudius, sondern auch das Bild seines eigenen Kopfes an. Seinem Beispiele folgte sein Sohn Agrippa II. (50—100), der sogar auf einem Pferde reitend abgebildet ist. Leider fehlen in der Wolfschen Sammlung diese Münzen mit den Porträts der jüdischen Fürsten. Dagegen sind eine Mittelbronze und eine Klein* bronze von Agrippa II. vorhanden, die den Kopf der Kaiser Titus bezw. Domitian und auf der Rückseite eine Siegesgöttin aufweisen! ' Die Münzen der römischen Landpfleger sind wohl palästinensische, aber keine eigentlich jüdischen Schöpfungen. Nur noch einmal vor Untergang des Staates wurde neues Geld geprägt: während des Aufstandes der Jahre 66—70. Erhalten haben sich nur zwei kleine Bronzeprägungen aus den Jahren 2 und 3 der „Freiheit Zions" (Cherut Zijon), also aus der Zeit 67—69. Beide Prägungen sind in unserer Sammlung in elf Exemplaren vorhanden. Als Symbole sind eine zweihenklige Vase (im Jahre 3 mit Deckel) und ein Weinblatt angebracht. Der Text erinnert an die Frühzeit des selbständigen Staates unter Simon, da dieser auf seinen Silbers münzen die ,,Erlösung Zions" feierte. Jetzt hatte die „Freiheit14 ein schauerliches Ende. Der Tempel auf Zion ging in Flammen auf, und was an Be* siegten nicht den Tod fand, wanderte in die Sklaverei, der einstigen ,,Freiheit Zions" im Elend gedenkend. In Rom errichtete man aus Freude über das Ende des gefährlichen Gegners den „Triumph* bogen des Titus", der sich bis in die Gegenwart erhalten hat und auch weiterhin das Gedächtnis an den „Jüdischen Krieg" verewigt. Weniger be* kannt ist ein anderes Denkmal, das gleichfalls noch heute von jenen denkwürdigen Ereignissen zeugt: die Münzen der Kaiser Vespasian und Titus, die sie auf die Bezwingung Judaeas prägen ließen („Judaea capta") und von denen unsere Sammlung eine große Zahl in Gold, Silber und Bronze be* sitzt. Wenn wir aus dem Buche des jüdischen Geschichtsschreibers Josephus nicht wissen würden, wie schwer den Römern die Unterwerfung des Judenlandes geworden ist, unsere Münzen würden den großen Jubel erkennen lassen, der Rom aus Anlaß der Unterwerfung Palästinas erfüllte. Ves* pasian und Titus begnügten sich nicht damit, im Triumphzuge durch Rom zu ziehen und in steinernen Denkmälern Zeugnisse für ihre Siege zu hinter* lassen; auf dem gemünzten Gelde, das durch alle Provinzen rollte und täglich kursierte, prägten sie ihren Triumph aus und konnten sich gar nicht darin genug tun, neben der Abbildung der Siegesgöttin, die auf einem Schild die Ruhmestaten der Kaiser aufschreibt, Judaea als eine trauernde Sklavin bald stehend, bald auf der Erde sitzend, bald mit Fesseln, bald ohne diese, bald vor einem Palmbaum, bald vor Kriegstrophäen oder ähnlichen Geräten, bald vor einer Kriegsgöttin, bald zusammen mit einem gefesselten oder ungefesselten Juden — ein solcher erscheint auch allein ohne die Jüdin — mit dem Kaiser oder ohne diesen, kurz in allen möglichen Stellungen und Umgebungen darzustellen. Alle diese Münzen sind nur zu einem sehr kleinen Teil in Palästina geprägt. Die große Mehrzahl stammt aus Rom und kann daher in ihren weiteren Einzel* heiten hier übergangen werden, da wir nur die jüdischen Münzen besprechen. Die gefangene „Judaea" sollte noch einmal dem großen Sieger gefährlich werden. Jerusalem lag zwar entvölkert in Trümmern, aber im Lande erstarkte von neuem jüdisches Leben und erhob sich unter Führung Barkochbas gegen die Legionen des Kaisers Hadrian zum letzten Verzweiflungs*