Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1921)
- Article
- Der beginnende Aufbau
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 127 - 128 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Kaunas 1× ep/1000678
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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127 Der beginnende Aufbau 128 Lehrwerkstatt der „Ort" in Ko\ nötig, weil es in den letzten Jahren dem selbständigen Handwerker infolge der allgemeinen Teuerung unmöglich w*ar, Lehrlinge, wie es früher zu geschehen pflegte, bei sich zu halten. Aus diesem Grunde schrumpfte die Zahl der jüdischen Lehrlinge rapid bis auf ein Minimum ein, so daß die Zukunft des jüdischen Handwerks in Frage gestellt wurde. Dieser Umstand veranlaßte die „O R T", eine ganze Reihe von Lehrwerkstätten für die Jugend zu gründen. Die Lehrwerkstätten werden nach dem Prinzip der Ver einigung von Bildung und Arbeit geführt. Die Gesellschaft bezahlt die Beschädigung des Materials uijd der Instrumente, versorgt die Werkstätten, in der die Kinder neben technischem auch allgemeinen Unterricht erhalten und in der Atrhosphäre der Arbeit erzogen werden durch erfahrene Lehrer und Meister, Um der jüdischen Jugend die .Möglichkeit zu einer gründlicheren technischen Ausbildung zu schaffen und qualifizierte Meister .auszubilden, gründete die . „O R T" in Wilna polytechnische Kurse mit elektrotechnischen, mechanischen und ökonomischen Abteilungen für 250 Hörer und eröffnete in Kowno beim litauischen Technikum jüdische Parallelklassen. Ferner errichtete sie in Wilna und Minsk agronomische Lehranstalten. Im Zusammenhänge mit der Tätigkeit der Gesellschaft auf dem Gebiete der professionellen Bildung sei noch1 die Gründung der sogenannten Schulgärten für die jüdische Volksschuljugend in den meisten Städten Litauens und Weißrußlands lo (D amenschneidere i). erwähnt1). Der Zweck dieser Schulgärten, die für jede größere Volksschule oder für mehrere zusammen bestimmt sind, besteht in der Einführung der elementaren Landarbeit in die jüdische Schule, der Hebung des naturwissenschaftlichen Unterrichts iund der Beschäftigung der kleinen Kinder mit gesunder Arbeit im Frühjahr und im Sommer. Die Zahl der im Jahre 1920 gegründeten Schulgärten betrug 50, an denen sich' 75 Volksschulen mit mehreren Tausend Kindern beteiligten. (Nach den vorliegenden Berichten kann man für den jetzigen Frühling mit der Verdreifachung dieser Zahl rechnen). Die Leitung dieser Schulgärten befindet sich1 in den Händen einer speziellen Kommission, bestehend aus einem Vertreter der zentralen jüdischen Schulorganisation, einem Agronom und einem speziellen Lehrer der „ORT", Sämtliche Arbeiten, von der Düngung bis zur Ernte, werden durch die Kinder unter Leitung eines erfahrenen Gärtners und des Lehrers für Naturwissenschaft ausgeführt, wobei letzterer die Arbeit durch Erklärungen über Pflanzen, Insekten usw. begleitet. Oft wird der Unterricht der Naturwissenschaften überhaupt in den Garten verlegt. Die geernteten Früchte werden unter die Kinder verteilt. Die Kinder lieben ihre Gärten sehr und widmen ihnen ihre Dichtungen in ihren Schulzeitungen. Um diese Gärten entstand eine ganze Kinderbewegung. Jeder Garten hat ein Kinderkomitee, *) Die Ausdehnung der Tätigkeit der „O r t" auf Polen beginnt erst in der letzten Zeit.