Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1921)
- Article
- Der beginnende Aufbau
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 123 - 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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123 Der beginnende Aufbau 124 Arbeitsschule in Odessa. (Gießere i). «die dankbare aber schwierige Aufgabe, den jüdischen Massen bei ihrem Uebergange zur Land-* arbeit zu helfen, übernommen hat, bezeugen, daß unzählige Kollektivgesuche um Land, mit welchen diese Komitees fortwährend seitens der großstädtischen jüdischen Bevölkerung überschüttet werden, zur Zeit nicht erfüllt werden können aus Mangel an Mitteln. Der Massencharakter der jüdischen Agrarbewegung sowie die zur Zeit herrschende allgemeine Teuerung, brachten es mit sich, daß im Mittelpunkte der Kolonisation die Kollektivwirtschaften und landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften standen. Diese Formen, die unter dem bolschewistischen Regime in Weißrußland die allein zulässigen waren (und in Sowjetrußland heute noch sind), haben sich auch später unter der polnischen Okkupation bewährt; sie &ind auch heute noch bei den jüdischen Massen sehr beliebt und haben hinsichtlich der Kreditfähigkeit die 'besten Resultate gezeitigt. In Weißrußland sind mit Hilfe der Gesellschaft „ORT" 35 landwirtschaftliche Genossenschaften, im Witebsk-Homeler 'Rayon 70 organisiert worden; in anderen Bezirken Sowjetrußlands mit großer jüdischer Bevölkerung: planten die jüdischen Agrargenossenschaften ihre Wirtschaft im Jahre 1921 auf ein Gebiet von 20000 Desjatinen auszudehnen. Mannigfach sind die Aufgaben, die sich die .,ORT" auf diesem Gebiet gestellt hat. Sie erforscht die Lage der jüdischen Landwirtschaff, gewährt organisationstechnische Hilfe bei der Bildung der Genossenschaften sowie rechtlichen Beistand beim Erwerb von Grund und Boden, beschaft billige Saat, organisiert den gemeinschaftlichen Einkauf und verbreitet landwirtschaftliche Kenntnisse durch populäre Literatur, agronomische Wanderkurse usw. Außerdem stehen die Instrukteure und Agronome der Gesellschaft den jüdischen Bauern, Gärtnern und Landarbeitern mit Rat und Tat unmittelbar zur Seite. Der Schwerpunkt der Kolonisationstätigkeit der Gesellschaft aber besteht nach wie vor in der Gewährung von Kredit, in Form von landwirtschaftlichen Maschinen, Saat und lebendem Inventar, sowie von Darlehn beim Erwerb von Grund und Boden. Daneben gründete sie eine große genossenschaftliche Werkstatt für die Anfertigung landwirtschaftlicher Geräte, wie Eggen usw. Nach einer Feststellung, die die in den ersten Tagen des April 1921 in Bialystok stattgefundene Konferenz, an der Delegierte aus Grodno, Brest- Litowsk, Bialystok und Umgegend beteiligt waren, gemacht hat, ernähren sich in dieser Gegend zur Zeit 12000 jüdische Familien durch Landwirtschaft. Der für das Jahr 1921 für diese Gegend notwendige Kredit zur Beschaffung von Saat und Inventar wurde mit 5 000000.— M. beziffert. Bei einer Enquete, die im Wilnaer Rayon veranstaltet wurde, ergab es sich, daß die jüdischen Landwirte, die gepachtetes Land bearbeiten, vor die Notwendigkeit gestellt werden, den nötigen Boden zu erwerben, da die Eigentümer eher dazu geneigt sind, ihnen Land zu verkaufen, als es langfristig zu verpachten. Der weitaus überwiegende Teil derjenigen, die auf Landerwerb bzw. Er-