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Ost und West · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1921) · p. Seite 39 - 40

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1921)
Article
Vom Kriegsschauplatz des Geistes
Date
1921-01-01
Page
Seite 39 - 40 (sequence 3)
Language
German
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39 Vom Kriegsschauplatz des Geistes 40 semitische Hetze ausrüsten, und sehr viel zur Klärung der Probleme beitragen, vor die war gestellt werden. Die letzten vier Seiten, in denen das Wesentlichste der Religion in kurzen Zügen zusammengefaßt wird, seien jedem Denkenden zur gründlichen Beherzigung «empfohlen. * * * Da das Opus von Fritsch bereits vor mehreren Jahren das Licht der Welt erblickt hatte, so hätte sich Herr Professor Friedrich Delitzsch sehr wohl ersparen können, seiner „Großen Täuschung" das Leben zu schenken. Denn das Buch ist nichts als eine Wiederholung der Behauptungen und Vermutungen des Fritsch, nur mit Gelehrsamkeit verziert. Wer sich mit dem Inhalt dieser neuesten Leistung des hervorragenden Assyriologen bekannt machen will, der tut am besten, nicht den umfangreichen Schmöker zur Hand zu nehmen, sondern zwei Schriften einzusehen, die zwei der bedeutendsten Vertreter der alttestamentarischen Wissenschaft darüber herausgegeben haben, es waren: Friedrich Delitzschs „Die große Täuschung'kritisch beleuchtet von Professor Eduard König, dem Altmeister der Bibelforschung (C. Bertelsmann, Verlag, Gütersloh) und „Fälschungen und Entstellungen" vom Geheimen Rat Prof. D. Dr. Hermann L. S t r a c k (Berlin 1920, Philo-Verlag). Dieser unerschrockene alte, aber ewig junge Kämpe charakterisiert das Buch von Delitzsch folgendermaßen: es „ist nicht eine wissenschaftliche Arbeit, sondern eine nach dem Muster von Theodor Fritschs altem Beweismaterial gegen Jahwe" abgefaßte antisemitische Hetzschrift, nur noch gefährlicher, weil Friedrich Delitzsch ein bedeutender Gelehrter ist und sein Urteil über das Alte Testament vielen, freilich zu Unrecht, maßgebend erscheinen wird." „Wer so urteilt (wie Delitzsch dies über die Propheten tut), hat keine Ahnung von der geistigen Größe und dem inneren Leben der Propheten." Strack schließt: Friedrich Delitzsch hat durch sein neuestes Buch das Ansehen seines Namens nicht gefördert, und er hat seinem und unserem Vaterlande dadurch geschadet, daß er dem Rassenantisemitismus eines Theodor Fritsch und seines Anhanges Waffen lieferte, die freilich stumpf aber vergiftet sind" — Eduard König unterzieht das Buch einer genaueren Analyse und. weist die Haltlosigkeit, die Einseitigkeit und Übertreibung seiner Voraussetzungen und Schlußfolgerung im einzelnen nach. „Was ich darüber als Schlußwort zu bemerken habe, kann auf Grund der von mir oben vorgelegten Einzelkritik nur das sein: In dem von Delitzsch veröffentlichten Buche zeigt sich so viel Ignorierung der einzigen Quellen von Israels Geschichte ,soviel Konstruktion nach mitgebrachten unbegründeten Vorausset/ gungen und Maßstäben, und dagegen so viel Ertötung des Geistes der führenden Persönlichkeiten Altisraels, daß die wissenschaftliche Erforschung der Geschichte Israels in diesem Buche nur eine große Täuschung seiner Leser sehen kann." Womöglich noch schärfer als diese beiden Koryphäen der konservativen protestantischen Bibelforschung urteilten über Delitzschs Buch zwei Vertreter der radikalen Bibelkritik. Hugo Greßmann, Professor an der Berliner Universität, versah die über das Buch in der „Vossischen Zeitung" vom 17. April veröffentlichte Studie mit der ironischen Überschrift: „Die große Enttäuschung". Er sagt u. a.: „Wenn man den Judengott für alle Schandtaten verantwortlich macht, die Israeliten je gedacht und getan haben, dann muß man sich auch die umgekehrte Betrachtung gefallen lassen und dem Christengott mit allen Greueln der Kinderkreuzzüge und Geislerfahrten, der Inquisition und der Hexenprozesse belasten. Wer will dann messen, wessen Schuld dann größer sei?" Er schließt mit den Worten: „Die große Täuschung, mit der die israelitischjüdischen Verfasser angeblich ihr eigenes Volk und sogar leichtgläubige Christen getäuscht haben sollen, beruht nur auf der Selbsttäuschung von Friedrich Delitzsch. Für die Wissenschaft aber bedeutet seine Schrift eine große Enttäuschung, ja mehr als das: wir schämen uns ihrer." — Professor Hermann Gunkel schreibt in der „Frankfurter Zeitung" vom 30. Mai 1920 u. a.: „Ein solches Buch, wie das von Delitzsch, kann gewiß unter solchen, die der Wissenschaft fernstehen, viel Verwirrung anrichten, für die Forschung selber kommt es nicht in Betracht. Sie wird es, ohne viel Worte darüber zu machen, grundsätzlich ablehnen". Die Urteile über den Charakter des jüdischen Volkes schätzt Gunkel folgendermaßen ein: „Sie sind im ganzen ebensolche Übertreibungen und Schiefheiten, wie seine Urteile über die Bibel ... Wenn Delitzsch ein hebräisches Wörterbuch schreibt, wollen wir gern von ihm lernen. Delitzsch als Geschichtsschreiber der Religion ist uns keine Autorität ... Dem Dilettanten verschließen wir das Ohr. Wahre, gerechte Geschichtsschreibung kann auch in prägen der Gegenwart von großer Bedeutung sein. In der Hand eines aufgeregten Mannes, gerade wenn er auf anderen Gebiete ein wohlverdientes Ansehen besitzt, können unrichtige und mißverstandene geschichtliche Darlegungen eine schreckliche Wirkung tun, und in einer Zeit, die mehr als jede andere inneren Friedens bedarf, die Massen gegeneinander peitschen." Es muß nämlich betont werden, daß Delitzsch gar nicht von wissenschaftlichen Beweggründen getrieben wurde, sein Buch abzufassen, sondern, wie er naiver weise selber eingesteht, von antisemitischen. Schon Ostern 1914 war er entschlossen, „die Wahrheit" nicht länger zu verschweigen, aber erst im Jahre 1918 wurde er durch zwei Aufrufe angetrieben, an die Veröhentlichung zu schreiten. Der Aufruf des Komitees „Pro Palästina" warb dafür, daß „das jüdische Volk auf dem alten historischen Boden Palästinas eine nationale Heimstätte jüdischer Kultur und Wirtschaft errichte", der andere ging von dem „Arbeitsausschuß für Volksaufklärung des Volkskraft-Bundes" aus und wollte „dem gegenwärtig im ganzen Vaterlande geschürten, dem Ansehen deutscher Kultur mit völliger Vernichtung drohenden Judenhaß entgegenwirken." Das brachte Prof. Delitzsch vollends in Harnisch, und er konnte sich nicht länger zurückhalten. Er betrachtet offenbar die eine wie die andere Bestrebung als großes Verbrechen, und sein Buch 1ollte deren Züchtigung sein. Er „weist nach", daß die israelitischen Stämme das Land Palästina ohne irgendwelches Anrecht, aber durch schändliche Gewalttat eroberten. Natürlich haben alle Völker, die in altersgrauer Vorzeit oder auch in unseren Tagen Länder eroberten, das nur auf die Weise getan, daß sie ihre Verträge hervorholten, krait deren sie die Länder nach strengem positiven Recht durch gütliche Vereinbarung erworben hatten und nun von ihrem rechtmäßigen Eigentum Besitz nahmen; es sind nie Kriege geführt worden, es sind nie Spione ausgesandt, nie Kriegslisten angewendet worden, nie hat ein Eroberer im Feindesland getrachtet, den einen oder den anderen Einwohner auf seine Seite herüberzuziehen. Nur diese verdammten Hebräer allein haben solche Schandtaten

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