Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1921)
- Article
- Vom Kriegsschauplatz des Geistes
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 37 - 38 (sequence 2)
- Language
- German
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Vom Kriegsschauplatz des Geistes 38 „ein historisches Bild durch ein einziges Wort vollkommen zu fälschen." Wenn Fritsch sich immer wieder über die Intoleranz und unmenschliche Grausamkeit der Juden empört, die das Alte Testament und die rabbinischen Vorschriften wiederspiegeln sollen, so entwirft Caro demgegenüber in knappen Zügen ein Bild des tatsächlichen Verhaltens der mittelalterlichen Christenheit ihren eigenen Glaubensgenossen gegenüber, die ihr als vom rechten Glauben abgefallen verdächtig waren. Wenn sich aus dem z wölf ten Jahrhundert eine Vorschrift findet, jüdische Denunzianten und Ketzer zu vernichten und ms Verderben zu stoßen, ,,weil sie ihre Glaubensgenossen in Bedrängnis bringen und das Volk Gottes abtrünnig machen", so hat dies auf jeden Fall nie zu einer organisierten jüdischen Ketzerverfolgung oder zu einer Bartholomäusnacht geführt, und war übrigens buchstäblich Lebensnotwehr; man weiß ja nur zu gut, wie viel blutiges Unheil die jüdischen Denunzianten und Ketzer über die Juden zu allen Zeiten gebracht haben. Dagegen bedenke man, daß in Spanien allein zwischen 1781—98, also einem Zeitraum von 17 Jahren, durch Torquemeda 88 000 Menschen ,,zur Ehre Gottes" verbrannt wurden. Zu den Galeeren oder zu lebenslänglichem Gefängnis sind von der Inquisition 300 000 Menschen verurteilt worden. In den Niederlanden sind nach einer niedrigen Schätzung 50 000 Menschen der Inquisition zum Opfer gefallen. Das Verfahren gegen den ,,Ketzer" Johannes Hus, sicherlich einer der edelsten und reinsten Menschen, die je gelebt, ist nicht mir durch den grausamen Verbrennungstod gekennzeichnet, sondern noch dadurch, daß der Kaiser, dabei sein heiliges Ehrenwort dem Ketzer gegenüber brach. Die Inquisition aber wurde erst 1808 durch Napoleon I. aufgehoben, nachdem jedoch wieder eingeführt und erst im Jahre 1859 völlig beseitigt. Noch 1826 wurde in Valencia ein Schullehrer namens Ripall wegen Deismus unter den Formen eines Autodafe verbrannt. Die Ketzerverbrennungen waren aber nicht etwa Sache der Gerichte undder Henker allein, sondern das ganze Volk mit dem Hof und den Edlen der Nation an der Spitze erfreuten ihre Herzen und ihre Augen an dem Schauspiel. . „Bei einem Wettstreit aller Völker und Zeiten würde wahrlich nicht dem jüdischen Volke der Preis der vollkommenen Grausamkeit zuerkannt werden".. „Man soll sie zerschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund totschlagen kann"? Diese Aufforderung zum Massenmord übertrifft wohl an Blutrünstigkeit alles, was, sämtliche Antisemiten zuungunsten der Juden zusammengefälscht haben. Und diese Aufforderung ist nicht etwa gegen Ketzer und Heiden, x>der wenigstens gegen Juden gerichtet, sondern gegen deutsche Bauern, und der sie ausstieß, war nicht ein Diener des Judengottes, des Gottes der Rache, der «Grausamkeit und des Menschenhasses, sondern ein Diener des christlichen Gottes der Liebe und der Barmherzigkeit: kein anderer nämlich als Doktor Martinus Luther, der mit diesen Worten zum Kampf gegen die auf ständischen Bauern aufforderte. Würde man nach der Fritsch'schen Methode verfahren, was für ein Licht würfe dieses Wort auf den Charakter der Deutschen? Die Grausamkeit, Blutgier und Treulosigkeit des jüdischen Volkscharakters beweist Fritsch auch aus der Judithgeschichte, die er nach der Bearbeitung Hebbels wiedergibt. Bekanntlich hat Treitschke darauf hingewiesen, daß Hebbels Auffassung sich mit der des Originals keineswegs deckt. Er sagt: „Wie fremd stekt die Frömmigkeit des Alten Testaments neben einem Materialismus, der an die häßlichen Ausgeburten der po£sie de sang et de boue gemahnt. Auch in diesem Falle stellt Caro seinen Gegner vor den Spiegel: „Will man richtige Meuchelmorde von Frauen kennen lernen, dann muß man statt der Judith die germanische Heldensage studieren: Brunhild läßt Siegfried meuchlings ermorden, Kriemhild lockt ihre Brüder und deren Mannen an Etzels Hof, um sie zu verderben, will sie veranlassen, ihre Waffen abzugeben, um sie wehrlos niedermetzeln zu lassen, zündet den Saal über ihren Köpfen an, um sie zu ersticken, und läßt ihrem eigenen gefesselten Bruder Gunther den Kopf abschlagen. Das sind richtige, teils versuchte, teils ausgeführte Meuchelmorde, bei denen nicht Vaterlandsliebe, sondern Eifersucht und Rachgier die treibenden Kräfte sind. In der Sage von Tristan und Isolde nimmt König Marke Isolden zum Weibe, nicht ahnend, daß sie sich bereits seinem Neffen hingegeben hat. Um die Unehre Isoldens zu verbergen, nimmt ihre Dienerin und Freundin Brangäne Isoldens Platz auf dem Hochzeitsbette ein, opfert der Freundin die Reinheit ihres Leibes und täuscht so den König über seine Schande. Aus Furcht, Brangäne könnte einmal den Verrat dem König entdecken, befiehlt Isolde zwei Sklaven, Brangäne in den WTald zu führen, sie dort zu töten, ihr die Zunge aus dem Hals zu schneiden und sie ihr zum Beweise ihres Todes zu bringen. König Marke übergibt seine Gemahlin, als er ihre Untreue entdeckt, den eiternden Aussätzigen, auf daß sie diesen gemeinsam gehöre, — obgleich Isolde ihn anfleht, er solle sie um der Barmherzigkeit willen lieber verbrennen lassen... Wie bedauerlich, daß all diese Scheußlichkeiten in arischen Sagen des christlichen Mittelalters und nicht in den antiken Mythen der Juden enthalten sind." . . Heinrich von Kleists Heldin, die Germanin Thusnelda, läßt ihren Verehrer von einer Bärin zerfleischen .... Ist etwa jemals einem Juden eingefallen, aus all diesen Zügen der Heldensage und der Geschichte ein Zerrbild des germanischen Volkscharakters und der deutschen Volksseele zusammenzukleistern?........ Der Forscher Fritsch geht noch weiter. Die Bibel der Juden ist zwar voller Greuel, aber es finden sich darin bekanntlich allerlei Dinge, die nicht ganz wertlos sind. Nun, Fritsch sagt: „Ich wage zu behaupten, geleitet von seelenkundigen (psychologischen) Erwägungen, daß die Schriften israelitischer Propheten nicht von Rassejuden herrühren. Dafür sind mancherlei Anzeichen vorhanden." Von diesen Anzeichen verrät er uns leider nichts, aber seine Berechtigung, auf diesem Gebiete mitzusprechen und „Vermutungen" zu wagen, verrät er,, indem er die unsäglich alberne Theorie aufstellt, das hebräische Wort Schaddai (Allmächtiger) sei verwandt mit dem deutschen Schatten, Schaden, und bedeute den schadenfrohen, schadenstiftenden Gott! Ei, sollten am Ende gar die alten Juden — Germanen gewesen sein? Sollten nicht die Urheber aller, oben beschrieben Scheußlichkeiten der germanischen Heldensage Semiten und die wackere Thusnelda eine — Jüdin gewesen sein? Es eröffnen sich da weite Perspektiven für die Forscher von der Sorte Fritsch____ Es wäre zu wünschen, daß die kleine Schrift Caros sich in den Händen jedes gebildeten Juden und jeder gebildeten Jüdin befinde und daß jeder sie seinen Bekannten, Juden und Christen, weiterreiche. Sie wird den Leser mit guten Waffen für den immer härter werdenden Kampf gegen die anti-