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Ost und West · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1920) · p. Seite 310 - 311

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1920)
Article
Der Ursprung der kreolischen Juden
Date
1920-11-01
Page
Seite 310 - 311 (sequence 3)
Language
German
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310 Der Ursprung der Kreolischen Juden 311 Nordamerikas noch einmal entstand. Wenn aber nach einem Ringen von drei Menschenaltern der weiße Pflanzer dem braunen Indianer das Feld räumen mußte, so lag dies in erster Reihe daran, daß die Generale rFieberl* und Hitze" auf selten der Urbevvohner standen, ferner weil die französischen Nachbarn bisweilen offen, meist aber geheim, die Rothäute gegen die Siedler Surinams unterstützten, vor allem aber an einem ökonomischen Grunde, nämlich dem ungeheuren Preissturz des Zuckers gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts auf den europäischen Märkten. Die strenge Manneszucht, die der Gouverneur unter den Landsknechten hielt, der Schutz, welchen er allen Farmern zuteil werden ließ und die Energie, mit welcher er den Übergriffen der Beamten steuerte, machten ihn derart unbeliebt, daß am 17. Juli 1688 eine Militärrevolte ausbrach, der van Sammeldyk zum Opfer fiel. Aber dank der Unterstützung aller gesunden Elemente Surinams wurde der Aufstand bald unterdrückt. Die holländische Regierung bot, um das Ansehen des Ermordeten zu ehren, den Statthalterposten seinem Sohne Francis van Aerssen, auch Chatillon genannt, an. Derselbe lehnte dankend ab, erbot sich aber, dem Nachfolger seines Vaters als Freund und Berater zur Seite zu stehen. Bald sollte er Gelegenheit haben, dem neuen Gouverneur nicht nur damit, sondern auch mit Tat nützlich zu sein. Denn die Franzosen, in der Meinung, daß die Militärkraft Surinams durch die vorhergegangenen Unruhen geschwächt sei, fielen feindlich unter Führung des Admirals de Gasse in das holländische Guayana ein. Da raffte Chatillon alle in der Hauptstadt verfügbaren Mannschaften zusammen, Samuel Nassy2) stieß nach tapferer Verteidigung des Forts Zealand mit den jüdischen Farmern zu ihm, und beide er rangen 1689 einen vollständigen Sieg über die Eindringlinge, so daß die Kolonie eine Anzahl Jahre Ruhe hatte. Aber nach einem Jahrzehnt ruhigen Gedeihens fielen von neuem plündernde Haufen, aus dem französischen Guayana stammend i is Land, ja besetzten 1711 sogar die Hauptstadt Paranaribo. Da war es wieder ein Freikorps jüdischer Pflanzer, diesmal Parat Holländische Synagoge in Pnranaribo (Hauptstadt des niederländischen Guavana) unter der Führung eines gewissen Isaac de Pinto, das den Feind vertreiben half, wenn es auch die völlige Ausplünderung der Joeden-Savannah nicht verhindernkonnte. Aber unverdrossen gingen nach Abzug der Franzosen die Pflanzer von neuem daran, ihre Wirtschaft aufzubauen, wenn sie auch, um dies bewerkstelligen zu können, sich eine starke Schuldenlast aufbürden mußten. Trotzdem begannen sie wieder zu gesunden, ja selbst wiederholte Einfälle französischer Abenteurer im Bunde mit Indianern und Buschnegern3) hatten nur vorübergehende Schädigungen erzeugt. Dem starken und dauernden Rückgange der Zuckerpreise konnten die Farmer aber nicht widerstehen. Ob damals weit von der Küste entfernt andere tropische Kulturen rentabel gewesen wären oder diesbezügliche Versuche auf dem Boden der Joeden Savannah kein günstiges Resultat gaben, ist heute wohl schwer festzustellen. Sicher jedoch ist, daß von 1718 an die Farmer begannen, die Kolonie zu verlassen und nach der Hauptstadt Panamaribo überzusiedeln. Bald folgten, durch die Not gedrängt, immer mehr Pflanzer. Die Plantagen mit ihren kostspieligen Einrichtungen zur Auspressung des Zuckers wurden völlig wertlos. Um 1750 deckte dreihundert Farmen, die fast ein Jahrhundert lang Kulturboden gewesen waren, wiederum der aufsprießende Urwald; eine Minderzahl hielt noch aus. Aber auch die stadtwärts gezogenen Farmer betrachteten Generationen hindurch die Jooden Savannah als ihre eigentliche Heimat. Sie hielten wenn irgend möglich wenigstens ihre Häuser und Gärten in gutem Zustande, verbrachten dort mit ihrem Gesinde — wenn keine Indianereinfälle zu be fürchten waren — die Fest- und Feiertage und ließen sich häufig nach ihrem Tode auf dem Koloniefriedhofe beisetzen. Die Surinamer Juden scheinen also doch etwas boden ständig geworden zu sein, und nur wirtschaftliche Not hatte sie fortgetrieben. Am 10. Oktober 1785 sollte die alte Judenkolonie noch einmal der Schauplatz eines großen Festes werden, denn man feierte in Gegenwart des Gouverneurs und 1600 Teilnehmern mit vielem Pompe das einhundertjährige Bestehen des Tempels. Rine Festschrift mitBei- 2) „The galant Hebrew Thief" nennt ihn hei dieser Gelegenheit Palgrave: 3) Kntlaufene Sklavt n, d e his heute im Süden Guayanas eine Art Freibeuter-Republik bilden.

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