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Ost und West · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1920) · p. Seite 298 - 299

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1920)
Article
Das Forschungsinstitut für die Wissenschaft des Judentums
Date
1920-11-01
Page
Seite 298 - 299 (sequence 5)
Language
German
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298 Das Forschungsinstitut für die Wissenschaft des Judentums 299 während es erst als isoliertes Prinzip den übrigen irri Judentum wirksamen Faktoren gegenübergestelll zu vollem Rechte gelangen kann. Der Gliederung der Sektionen entsprechend werden Kommissionen aus hervorragenden Fach- DIE AUFGABEN DES Unter den konkreten Aufgaben des Forschungsinstituts muß notwendig voranstehen die Schaffung der unumgänglichen Grundlagen, auf welchen eine «ixajk.j und verliefte Forschung erst aufgebaut werden kann. H.er steht in erster Reihe ein Werk, welches die Voraussetzung jeder gründlichen Arbeit bildet, die sich auf schriftlich fiixerte Texte stützt: die Herstellung wissenschaftlich befriedigjender Ausgaben. Der Laie pflegt mit einein mitleidigen Lächeln auf die, wie er meint, etwas verschrobenen Gelehrten herabzusehen, die anscheinend nichts Besseres zu tun wissen, als sich über diese und jene Lesart eines Textes den Kopf zu zerbrechen. Und doch kann gerade an der Textkritik das bereits oben gestreifte Prinzip wissenschaftlicher Arbeit überhaupt deutlich werden: durch Sorgfalt im Kleinen zu vertiefter und gegründeter Erkenntnis im Großen. Wie viele, im übrigen bestechende Konstruktionen auf historischem, literarhistorischem und anderem Gebiete haben sich bloß dadurch als trügerisch erwiesen, daß sie, wie sich herausstellte, auf einer unursprünglichen Lesart oder einem späten Textzusatz beruhten! Das kommt für hebräische Texte noch weit jmehr in Frage als z. B. fiif lateinische und griechische, weil der hebräische Abschreiber, oft zugleich ein Gelehrter, ungleich dem mechanisch kopierenden Mönch, dessen Arbeit wir die Erhaltung der antiken Literatur danken, bewußt oder unwillkürlich dazu neigte, den ihm vorliegenden Text fortzubilden, seinen persönlichen oder seines Zeitalters Bedürfnissen anzupassen. So ist die Texlgeschichte hebräischer Werke nicht selten auch ein Stück jüdischer Kulturgeschichte und verdient auch von diesem Gesichtspunkt aus gepflegt zu werden. Das erste Ziel muß jedoch bleiben, möglichst nahe an die Urgestalt eines jeden Werkes zu gelangen und den Text dementsprechend herzustellen. Nur so sind sprachwissenschaftliche und Quellenstudien möglich, von welchen wieder die Zeitbestimmung und Einreihung des Werkes sowie vieles andere abhängt; erst von hier aus kann auch eine Textgeschichte aufgebaut werden. Unsere Pflicht, möglichst gute Ausgaben herzustellen, wird dadurch nicht berührt, daß künftige Generationen vielleicht vollkommenere kritische Methoden besitzen werden: jedes Geschlecht muß in erster Reihe sich selbst genügen durch redliches Bemühen bis an die Grenzen seiner Kraft; indem es sein Bestes hergelehrten gebildet, welche die Arbeiten des Forschungsinstituts beraten und prüfen. Bis jetzt sind eine talmudische, eine sprachwissenschaftliche, eine philosophische und eine literarhistorische Kommission gegründet. FORSCHUNGSINSTITUTS gibt und den Anstoß zu weiterer Aufwärtsentwicklung, schafft es für die Ewigkeit. ,,Nicht dein ist es, das Werk zu vollenden; doch hast du das Recht nicht, dich ihm zu entziehen" (Sprüche der Väter). Gerade in der Unendlichkeit der Aufgabe liegt die Größe der Wissenschaft beschlossen. Danach wird die Schaffung einer ,,'Bibliotheca Judaica", einer sich über das ganze jüdische Schrifttum erstreckenden Sammlung von kritischen Ausgaben, welche den höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, nicht nur nicht als überflüssig, sondern als grundlegende Notwendigkeit erscheinen. Es sollen hier nicht die einzelnen Gruppen der „Bibliotheca"4) von neuem aufgezählt, sondern nur wenige Punkte, welche mißverstanden worden sind, aufgeklärt werden. Die griechischen Schriften müssen notwendig eine besondere Gruppe bilden, weil sie außerhalb der Kontinuität der übrigen jüdischen Literatur stehen, was z. B. bei den arabisch verfaßten Schriften keineswegs der Fall ist. Die Mystiker sind auf Grund reiflicher Ueberlegung mit den Philosophen vereinigt worden. Die Grenzen zwischen Philosophie und Mystik sind flüssig: beide ringen großenteils mit den gleichen Problemen, und auch der Unterschied in der Methode erweist sich an den geschichtlichen Erscheinungen als nicht absoluter, sondern gradueller Natur. Wo will man etwa bei den Neuplatonikern die Grenze zwischen Philosophie und Mystik ziehen? Auf jüdischem Gebiete sucht z. B. das Sefer Jezira, das man gewöhnlich zur Mystik rechnet, eine Welterklärung aus ähnlichen Prinzipien wie die antiken Vorsokratiker, und ein erheblicher Teil der Kabbalisten verwendet nicht nur Ideen, sondern auch Denkmittel, Stil und literarische Formen der speziell so genannten „Philosophen". Eine Trennung der Mystiker von den Philosophen würde also innerlich Zusammengehöriges gewaltsam auseinanderreißen. Die Gruppe „Addi tarnen ta" befaßt, wie aus dem Plan5) klar hervorgeht, natürlich nicht die jüdischen Volkslieder, sondern nur solche, die von 4) Natürlich ist die Bezeichnung ,,commentaria biblica" durchaus richtig und dem wissenschaftlichen Sprachgebrauch entsprechend. Hier genüge der Hinweis auf das1 großangelegte Editionswerk der Preußischen Akademie der Wissenschaften ,.Oonimentaria in Aristotelem Graeca"! 5) Korrespondenzblatt S. 13.

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