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Ost und West · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1920) · p. Seite 214 - 215

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1920)
Article
Die Judenheit in Amerika
Date
1920-07-01
Page
Seite 214 - 215 (sequence 4)
Language
German
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214 Die Judenheit in Amerika 215 American Jewish Committee erstatteten Bericht hervor. Zur neunten Tagung hatte jede Gruppe, jede Schattierung und jede Schicht der Judenheit einen Delegierten entsandt. Mr. Louis Maishall eröffnete die Tagung mit einer Rede, in der er sagte: „Der Jude fordert das Recht, sein Leben hinzugeben für das einzige Land, welches die Juden seit der Zerstörung von Jerusalem ihr Vaterland nennen dürfen. Jeder Jude in den Vereinigten Staaten anerkennt die Forderung der Stunde und seine Verpflichtung dem Vaterland gegenüber, und er ist bereit, der Welt zu beweisen, daß der Jude als Bürger die Verkörperung der Loyalität und des Patriotismus ist." Andere Redner sprachen über die Zukunft Palästinas. Mr. Joseph Schloßberg, Generalsekretär der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika, führte aus, es gebe gewisse jüdische Interessen, denen nur eine Organisation wie die Kehiliah gewachsen sei. Die jüdische Arbeiterbewegung sei jetzt bereit, das ihrige auf diesem Tätigkeitsfelde zu leisten. — Für das nächste Jahr hat die Convention sich zum Ziele gesetzt, 100 000 Einzelmitglieder und 1000 Organisationen für den Anschluß an die Kehiliah zu gewinnen. Unter den 24 Beschlüssen, die die Aufgaben der Kehiliah auf erzieherischem, religiösem und organisatorischem Gebiete darstellen, mögen folgende hier hervorgehoben werden: auf die Gesetzgebung: in dem Sinne einzuwirken, daß jenen Juden, die den Sabbat heiligen, ermöglicht wird, am Sonntag ihren Beruf auszuüben. In den Industrien, wo Juden in großer Zahl beschäftigt sind, die fünftägige Arbeitswoche einzuführen, sobald die Kriegs Verhältnisse dies erlauben. Förderung der Schiedsgerichtsbarkeit und der Einigung in Lohnstreitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und -gebern. Zusammenarbeit mit den bereits existierenden Organisationen zur Förderung der „Amerikanisation". Die Kehillahmitglieder zum Kauf der Kriegssparmarken anzueifern. Das Beispiel New1, Yorks scheint in anderen großen Gemeinden Nachahmung zu finden. Auch in Philadelphia ist bereits eine Kehiliah oder Jewish Community gegründet worden. * * * GEISTIGES LEBEN. Für die Intensität des geistigen Lebens der amerikanischen Juden zeugt wiederum eine „nationale" Institution, nämlich die Jewish Publication Society o f America mit dem Sitz in Philadelphia. Am 30. März 1919 hielt sie im Dropsie College ihre 31. Jahresversammlung ab. Ihr derzeitiger Präsident ist Simon Miller, Philadelphia, ihr erster Vizepräsident ist Abram I. E-lkus, New York. Große Verdienste hat sich um die Entwicklung der Gesellschaft der unermüdliche Cyrus Adler, ihr vormaliger Präsident, erworben. Bisher hat die Gesellschaft eine stattliche Reihe von Originalwerken und Uebersetzungen aus allen Gebieten der Wissenschaft des Judentums, sowie Erzählungen, und Dichtungen herausgegeben. Unter den Uebersetzungen gebührt eine besondere Erwähnung der Geschichte der Juden von Graetz, und der Geschichte der Juden in Rußland und Polen, von S. Dubnow, der Ethik des Judentums von, M. Lazarus. Die große neue Bibelübersetzung, für die Jacob H. Schiff 50 000 Dollar gestiftet hatte, und an der die bedeutendsten Gelehrten aus allen Lagern nach einem einheitlichen Plan mitgearbeitet haben, wurde 1914 vollendet. Diese Uebersetzung wird von vielen Fachmännern, Juden wie Christen, als die beste in 'englischer Sprache angesehen, und dürfte binnen kurzem alle anderen' Uebersetzungen verdrängen. Zwecks Herausgabe von Bibelkommentaren wurde ein besonderes Komitee mit Dr. Cyrus: Adler an der Spitze organisiert. Die Gesellschaft plant die Herausgabe einer Serie hebräischer Klassiker aus der nachbiblischen Zeit in der Urschrift mit Uebersetzung und hat zu diesem, * Zweck ein besonderes Komitee eingesetzt. Einige Freunde haben die Mittel zur Anschaffung einer besonderen hebräischen Druckerei bereitgestellt. „Da diese Druckerpresse nun Wirklichkeit geworden ist, wird American Israel nicht mehr nötig haben, nach Europa und Asien zu gehen, um hebräische Texte zu drucken. Im Gegenteil, wir sehen eine Zeit voraus, da von Amerika die Bücher der hebräischen Wissenschaft ausgehen werden." Die Gesellschaft verbreitet nicht nur die von ihr herausgegebenen Bücher,, sondern auch andere ältere Werke jüdischen Inhalts. Im letzten Rechnungsjahr hat sie 50 000 Exemplare ihrer neuen, und 45 O0Q ihrer älteren Publikationen verbreitet, ferner 375 000 Bibeln und Gebetbücher an die jüdischen Soldaten und Matrosen versandt. Sie zählt 16 000 Mitglieder, die den jährlichen Mindestbeitrag von 5 Dollar entrichten. Der Erlös! aus dem1 Bücherverkauf betrug im letzten Jahr 61000 Dollar. Die Herren Joseph und Jesse L. Gittern! an n in New York haben der Gesellschaft mehrere tausend Dollar zur Verfügung gestellt, zwecks Verteilung von Preisen für Essays über jüdische Themen. Im Verlage der Gesellschaft erscheint auch das American Jewish1 Year Book. * * * Die jüdische Presse in Amerika zählt insgesamt 145 Publikationen, davon sind 76 Tagesblätter und Zeitschriften, 69 Organe von Institutionen oder Parteien. Zehn Tageblätter erscheinen in jüdischer Sprache, davon vier in New York, drei in Chicago und je eins in Philadelphia, Cleveland und Milwaukee. Eins von diesen Blättern, The Jewish Daily News (New York), erscheint in zwei Ausgaben, englisch und jüdisch „for both' generations" (für beide Generationen), nämlich mit Rücksicht darauf, daß die zweite in Amerika geborene Generation das Jüdische nicht mehr versteht. Dies ist das älteste Blatt in jüdischer Sprache, wurde 1874 als Wochenblatt unter dem Titel „Die jüdische Gazetten" gegründet, 1885 zu einem Tageblatt erweitert, nachdem die starke Emigration aus Osteuropa ein solches nötig gemacht hatte. Nachher kam die englische Ausgabe hinzu, als es sich herausstellte, daß die Nachgeborenen

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