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Ost und West · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1920) · p. Seite 212 - 213

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1920)
Article
Die Judenheit in Amerika
Date
1920-07-01
Page
Seite 212 - 213 (sequence 3)
Language
German
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212 Die Judenheit in Amerika 213 sammen mit den 1127 Synagogen in New York macht das 2960 für die Vereinigten Staaten. Von dieser Gesamtzahl haben 503 angegeben, wie oft sie Gottesdienst halten; in 154 findet er täglich statt, in 243 an Sabbaten und Festtagen, in 51, die also ein Zehntel der Gesamtzahl ausmachen, nur an Festtagen, ein anderes Zehntel kann nur unregelmäßig, jede 14 Tage oder nur einmal in zwei Monaten, Gottesdienst halten. Außerhalb New Yorks haben 829 Synagogen ihre „Amtssprache" angegeben; 496, also1 beinahe 60%, gebrauchen das Hebräische im Gebet, davon bedienen sich 19 des Jüdischen3) zur Predigt und zu öffentlichen Ankündigungen. Ungefähr 30 <Vo bedienen sich des Hebräischen und Englischen und etwas mehr als 10 % bloß ^des Englischen. Die Mitgliederzahl der Synagogen in den ganzen Vereinigten Staaten beträgt ungefähr 260 000; da nur die Familienoberhäupter als Mitglieder den Synagogengemeinschaften angehören, so ergibt sich, wenn man im Durchschnitt nur drei Personen auf eine Famüie rechnet, daß "über dreiviertel Million der jüdischen Bevölkerung eng mit den Religionsgemeinschaften verknüpft sind. Erwägt man ferner, daß z. B. in New York der Gottesdienst an den hohen Feiertagen von einer fünfmal größeren Anzahl Andächtiger besucht wird, als die regulären Kongregationsmitglieder ausmachen, so darf man annehmen, daß der weitaus größte Teil der jüdischen Bevölkerung Nordamerikas wenigstens einigemal im Jahre in unmittelbare Berührung mit jüdisch-religiösen Einflüssen kommt. An jüdischen Friedhöfen kommen auf jeden der 53 Staaten der Union im Durchschnitt etwa 10; im ganzen dürfte es also ungefähr 530 jüdische Friedhöfe geben. New York allein zählt deren 15. Manche kleine entlegene Gemeinde besitzt nur eine Parzelle auf dem allgemeinen Friedhof. * * * Es ist von großem psychologischen und kulturgeschichtlichen Interesse, die Namen und Titel der einzelnen Lokalorganisationen zu betrachten. Die Congregations führen fast alle klangvolle hebräische historische Namen: Beth ■ Israel, Keneseth Israel, Tiphereth Israel, Immanuel, Sinai, Kehillath Jakob, Ohel Jeschurun u. ä. Die Schulvereine heißen wie in alten Zeiten (Talmud Thora, Machsike Thora; es gibt auch J e - schiboth, in New Yorüd, z. B. drei, zwei auf den Namen des Gaon von Wilna, eine auf den des R. Chaim Berlin von Woloshyn; es fehlt nicht an „Lernvereinen'', z. B. Mischnah and Gern oro, von denen es in Cincinnati zwei gibt. In mehreren großen Gemeinden gibt es ein Betham. midrasch Haggadol. Die Krankenpf lege- und Hospitalvereine heißen natürlich Bikkur Cholim usw. Interessant ist, daß viele kleine Bethausvereine sich Nu ss ach Sephard nennen oder gar Nussach Ho-Ari, weil sie nach dem von den Chassidim festgehaltenen sef ardischen Ritus oder nach dem von dem großen Kabbalisten Isaak Luria (Ari) 'bevorzugten Text Gottesdienst halten. Es ist dies ein Beweis für den löblichen Willen, die Eigenart zu bewahren. *) In sehr vielen Fällen ist dieses Jiddisch das reinste Deutsch. Das durfte jedoch in den Ktiegsjahren nicht hervorgehoben werden. Die Chassidim benennen gern ihre Congregations* nach dem Sitz ihres ehemaligen Oberhauptes in der alten Heimat. Also Chasidei Sadigere Tiferet Israel Mari sin, d. h. Gläubige der Zaddikim-Dynastie von Sadagöra in Ostgalizien,. deren Begründer der berühmte Rabbi Israel aus Rishin war; Rishin heißt Jm Volksmund das- Städtchen Rushany in Wolhynien, von wo aus Israel nach Sadagöra flüchtete; hier erst ging: der Stern der Dynastie auf. Der berühmte Wundertäter Reb Meierl Promyslaner, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts in'Przemyslany, östlich von Lemberg, sein Wesen trieb, ist Patron einer eigenen Kongregation in New York. Die Anhänger dürften jetzt schwerlich an seine Wundertaten glauben, da sie so ganz andere Wunder erleben. — Rührend ist es, daß die Abkömmlinge . derselben Stadt sich im fernen Lande zu eigenen Vereinen zusammenschließen. So haben viele kleine und kleinste Städtchen Osteuropas gleichsam ihre jüdischen Kolonien in den Vereinigten Staaten: Bolechover Chevrah Schomrei Sholom, gemeint ist Bolechöw in Ostgalizien; First Congregation Benai Rabbi David Meyer Änshei Schwirsh, gebildet von den Nachkommen und Schülern des vor etwa 35 Jahren verstorbenen großen Rabbiners David Meir Fried des sehr kleinen Städtchens Swierz unweit Lemberg (die First Congregation zählt allerdings nur 50 Mitglieder); die First United Podhaycer Congregation, deren Gründer aus Podhajce (Ostgalizien) stammte, zählt 103 Mitglieder, die Rohatyner Young Men's Society zählt 101. So finden wir eine Che v r a h Bachurim Anschei Hungary, eine A d - jutarul Bukarest er Handwerker Congregation, eine C o n g r e g a t i o n A n - schei Krashnik Lubliner .Gubernia. Die Namen der Städte erscheinen derart verballhornt, daß ein künftiger Steinschneider schwere Mühe haben wird, sie geographisch zu restituieren; grammatikalisch lassen die Titel viel zu wünschen übrig. Aber diese Anhänglichkeit an die engere alte Heimat hat jetzt ihre segensreichen Früchte getragen; zahllose dieser Congregations und Societies haben sich in der grausamen Not als wahre Wohltäterinnen ihrer Herkunftsgemeinden erwiesen. Die Vielheit der Gemeinden bedeutet keine Zersplitterung, sondern eine Mannigfaltigkeit; sie ist ein organisatorisches Prinzip, welches den Zusammenschluß nicht nur nicht hindert, sondern fördert, wie wir weiter unten sehen werden. * * * Seit ungefähr 10 Jahren machte sich unter der New Yorker Judenschaft eine Bewegung geltend, sich zu einer großen Gemeindeorganisation zu vereinigen. „Sie sind willens, eine Kehillah zu haben. Sie wünschen, ihr Gemeindeleben organisiert und wohlgeordnet zu wissen, und zwar auf der Grundlage einer demokratischen Organisation, die allen ihren Nöten, Hoffnungen und Aspirationen eine Stimme leihen soll." Diese Bestrebungen, an deren Spitze Männer wie Jakob H. Schiff und Louis Marshall traten, wurden durch die „K e h i 11 a h Convention" vertreten, die am 2. Juni 1918 ihre neunte Tagung abhielt. Das Ziel ist endlich so gut wie erreicht. Das geht aus dem von der Convention an da;

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