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Ost und West · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1920) · p. Seite 216 - 217

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1920)
Article
Die Judenheit in Amerika
Date
1920-07-01
Page
Seite 216 - 217 (sequence 5)
Language
German
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216 Literarisches 217 immer weniger „Jiddisch'' lasen. Das dürfte das verbreitet ste jüdische Organ der Welt sein und mehrere Hunderttausend Abonnenten zählen. Wochenblätter gibt es in englischer Sprache 31, in jüdischer 15, in hebräischer 2, in spagnolischer 1 (in dieser Sprache gibt es auch eine Halbwochenschrift). Die älteste Wochenschrift ist -der im1 Jahre 1854 von Dr. Isaac M. Wise in Cincinnati gegründete American Israel i t e. Dr. Wise gab auch in deutscher Sprache eine Wochenschrift Deborah heraus, die um das Jahr 1893 eingestellt werden mußte; es "hat daneben auch einige andere jüdische Blätter iin deutscher Sprache gegeben, die von dem gleichen Schicksal ereilt wurden. Die jüdische Emigration aus Deutschland wurde nämlich immer -schwächer, ihre zweite Generation wurde immer mehr amerikanisiert, wozu der wachsende Antisemitismus in Deutschland, der auch unter den Deutschen in Amerika starke Ausbreitung fand, viel beitrug. So schrumpfte die Zahl der deutsch orientierten Juden in Amerika bis auf ein Minimum zusammen. — Von den zwei hebräischen Wochenschriften wurde der Haibri 1910 in New York als Organ des M i s r a c h i und der Hathoren 1913 als Organ ider zionistischen Organisation gegründet. Selbständige hebräische Zeitschriften gibt es also in Amerika nicht. Alle bisherigen Versuche, hebräische Wochen- und Monatsschriften in Amerika ins Leben zu rufen, waren von kurzer Dauer. — Monatsschriften gibt es 8, Zweimonatsschriften 2, Vierteljahrsschriften 3: Journal of Jewish Lore and Philoso phy seit 1919, herausgegeben vom Professorenkollegium des Hebrew Union College in Cincinnati, dann Jewish Quarterly Review, Philadelphia, früher in London, und endlich das pädagogische Journal The Jewish Teacher in New York. — Von den in diese Gruppe gehörenden 76 Publikationen erscheinen 27 in New York, 10 in Chicago; 19 Städte^, darunter Baltimore, Providence, Seattle, Toledo, New Orleans, Los Angeles, haben je ein jüdisches Organ. — Vierzig dieser Organe, darunter die meisten jüdischen, entstanden in den letzten zehn Jahren; 14, fast alle englisch, sind 30 Jahre alt oder älter. In Chicago erscheint seit Anfang 1919 ein neues jüdisches Tageblatt The Chicago Jewish IDaily Forward Das in jüdischer Sprache erscheinende sozialdemokratische Tageblatt Der Vorwärts (New York, seit 1897), ist sehr verbreitet. Die Zukunft (New York, seit 1892) ist eine gutredigierte Monatsschrift, die höheren geistigen Bedürfnissen genügt. — Interessant ist, daß seit 1910 ein Bedürfnis nach einer spagnolischen Zeitschrift sich bemerkbar machte. Seit diesem Jahr erscheint nämlich in New York La America wöchentlich; seit 1910 erscheint daselbst zweimal wöchentlich La Bos del Pueblo (Volksstimme). In die zweite Gruppe gehören 3 Wochenblätter, 42 Monatsschriften, 6 Vierteljahrsschriften usw. Davon sind 20 Organe von Congreglations, 18 Organe von „nationalen'• Organisationen, 15 Organe von lokalen Gesellschaften, 5 Organe von Arbeiterorganisationen-, wobei es interessant ist, daß die aligemeinen Arbeiterorganisationen für ihre jüdischen Mitglieder Organe in ihrer Sprache herausgeben, ferner Jugendschriften und einige Fachblätter. — Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß der Kongreß der Vereinigten Staaten sechs jüdische Mitglieder des Repräsentantenhauses zählt, davon fünf Republikaner und einen Demokraten. Dem Senat gehört zurzeit kein Jude an. Weder der Senator Stone noch der Senator Moses sind Juden, wie unsere verschiedenen israelitischen Familienblätter zur Erbauung ihrer Leser mitzuteilen wußten. Zum erstenmal wurde im Jahre 1821 ein Jude in das Repräsentantenhaus gewählt, es war D a w i d Levy-Yulee, der von 1845—51 im Senat saß. Seither zählte der Kongreß 29 jüdische Mitglieder, davon <6 Senatoren. Den gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten gehören vielfach Juden auch als Senatoren an. LITERARISCHES. Die Juden als Rasse und Kulturvolk. Von Dr. Fritz Kahn. 1920. Welt-Verlag, Berlin. Die unjüdische jüdische Rassenfrage ist relativ neu, und kein Problem hat sich als so dunkel und irreführend wie dieses erwiesen. Ist schon die Rassenfrage an sich ein Mysterium, so führt sie in der Erkenntnis der jüdischen Psyche zu gar keinem Resultat, weil bei einem so alten Volke, dessen Geschichte eine Kette ewiger Sprünge ist, furchtbar schwer zu sagen ist, was sein Urelement ist und was erst später durch Blutmischungen, soziale und politische Schicksale hinzugetreten ist. Nur flachen Geistern ünd unehrlichen Charakteren, für die die Schlechtigkeit der Juden a priori feststeht und die nur nach Illustrationen für diese „Wahrheit" suchen, konnte die Rassenlehre zum Evangelium werden. Und auch die Bücher jüdischer Schriftsteller über die Rassenlehre geben uns keine neuen Erkenntnisse und befruchten unser Denken nicht. Entweder sie negieren auch in kulturell-ethischer Beziehung die Rasseneinheit der Juden ganz, oder sie führen im Judentum alles Schöpferische und Ethische nur auf die Rasse zurück und wirken — wie stets, wo das Nationale in den Vordergrund gerückt wird — stark chauvinistisch und oft unerträglich einseitig. Man nimmt daher ein neues Buch, das sich mit der Rassenfrage befaßt, mit Mißtrauen in die Hand, und — man ist hier angenehm überrascht. Wir haben in Fritz Kahn einen jungen Schriftsteller vor uns, der seine Aufgabe mit einem seltenen sittlichen Ernst erfaßt

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