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Ost und West · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1920) · p. Seite 178 - 179

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1920)
Article
Lasar Segall
Date
1920-07-01
Page
Seite 178 - 179 (sequence 2)
Language
German
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178 Lasar Segall 179; - * nf\^;J^}'x^^ \ . , \t!±^-<7^ -<~. ' ~ ' « * ' - £s '. v - .-"* V" ,*~y . i-i: ■ . ' , :\ .•;:A^.'s'".f'',r. . - * . . . t .;t<<* .;• - . •', # % - *• LASAR SEGALL Talmudistenschule auf dem Grabhügel des jüdischen Friedhofes — den Friedhof sieht man nicht, aber man fühlt ihn — einsam und verlassen, das kindliche Gesicht von quälendem Schmerz durchwühlt, — wie werden diese Hilflosen den langen Weg des Lebens gehen? Der Knabe mit der Mütze auf dem Kopfe hat, wie es scheint, noch einen Augenblick vorher mit anderen Kindern gespielt, viel* leicht wird er bald weder zum Spiele zu* rückkehren, weil er der Jüngste von den dreien ist und die ge* waltige Bedeutung des Verlustes kaum ahnt. Er erinnert an den Waisenknaben in Scholem Alechems ,,Mörtel Pesse dem Chasen", der seine Erzählungen stets mit dem naiv rührenden Satze schließt: „Mir is gut, ich bin a Jossem'4, aber, plötzlich vom Spiele abgerufen, um Kaddisch zu sagen, empfindet auch er dunkel das Schreck* liehe, was sich ereig* nete. Wie oft kann man in Wilna beob* achten, wie Kinder eilig zum Kaddisch im Minchagebet kom* men und wie mystisch*traurig klingen die Kinderstimmen im halbdunklen Betraum! Gott, hilf diesen kleinen Waisen und wache über sie! In dem Bilde „Mann und Weib" reden zu uns Strindberg* sehe Helden, und wir erleben innerlich den ewigen Schauer des Kampfes. Man ist für immer an* einander gefesselt. Der Haß täuscht nur; es ist Liebe durch Haß. Man hoffe nicht auf die Befreiung von den stark drücken* den Ketten, und man wünsche sie auch gar nicht. Denn dieser Tag der Befreiung würde auch der Tag der inneren Leere, eine Frei* heit sein, mit der man nichts anzu* fangen wüßte. Aber wie tragisch ist das Leben! Eine ewige Tragödie. Es ist nicht zu leugnen, daß so viel Düsterkeit und Schwermut oft unheimlich wirkt. Eine ernste, warnende und unendlich weh* mütige Miseracordia klingt uns aus S e g a 11 s Bildern entgegen. In Dantes Hölle gibt es eine besondere Abteilung für solche, welche das ganze Leben hin* durch geweint haben, anstatt sich zu freuen. Wenn zu viel Schwermut, zu viel Düsterkeit eine Sünde ist, Dresden ' ' > >V-Vi ' V'«*" '"• . ' :% v. - ' \ ■^ji^ . '^fr ' ■ : "V \ .;.•> ■•' % J;\:^ . J^r- / ■ .v ■ . ,f Ä % ' LASAR SEGALL Ewige Wanderer Dresden

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