Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
- Article
- Die Weltgefahr der Judenhetze in Deutschland
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 146 - 147 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2583875-2584094-2584097-2606893--17877-2606936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
146 Die Weltgefahr der Judenhetze in Deutschland. 147 Kriegsminister und Armeekommandanten. Man kann nicht sagen, daß die Armeen dieser Länder dadurch an Schlagkraft verloren hätten. In Deutschland wälzen mächtige Parteien die Schuld an dem Mißerfolg des ihnen verhaßten Bethmann- Holhveg auf das Tröpfchen jüdischen Blutes, das in seine Adern hineingelangt sein soll durch eine seiner Urgroßmütter, die einen jüdischen Urgroßvater gehabt; England ist auf jenen Juden echtester Rasse stolz, der sein Premierminister war, und die Engländerinnen feiern zu seinen Ehren in dankbarer Erinnerung den Primrose Day; in England macht man einen Juden zum Lord-Oberrichter, einen Juden zum Staatssekretär für Indien und schickt einen Juden auf den wichtigsten Botschafterposten nach Washington. In Frankreich ruhten während des Weltkrieges einige der wichtigsten Ministerportefeuilles in Händen von Juden, der Präsident des Obersten Wirtschaftsrates in Paris ist ein Jude. In Italien "war ein Jude wiederholt Ministerpräsident, bekleideten Juden andere bedeutsame Ministerposten, ohne daß sich jemand darüber aufregte. Es ist begreiflich, daß die westeuropäischen und amerikanischen Juden sich keine Degradation gefallen lassen wollen und endlich müde werden können, dieses unverschämte Gebell ruhig mitanzuhören, welches aus Deutschland ewig zu ihnen hinüberhallt. Keiner ist so dumm, zu glauben, daß diese Schmähungen und Beschimpfungen nur die deutschen Juden allein betreffen können. Wenn die deutschen Juden ihr Vaterland von hinten erdolcht, an den Feind ausgeliefert und verkauft, den Krieg verlängert und zugleich auf einen demütigenden ,,Verzichtfrieden<c hingearbeitet, wenn die deutschen Juden die Armee geschwächt und dann den Umsturz herbeigeführt, sich am Kriege und an der Revolution bereichert haben, wie die deutschen Antisemiten im tausendstimmigen Chor in die Welt hinausschreien, wer bürgt dafür, daß die Juden der anderen Länder im gleichen Falle nicht dasselbe tun? Unaufhörlich beteuert man, daß das internationale Haus Rothschild den Weltkrieg entzündet habe. Kaiser Wilhelm bezeugt, daß Lord Alfred Rothschild noch im letzten Moment sich um die Erhaltung des Friedens bemüht hat. Dagegen weiß alle Welt, daß das Londoner Bankhaus Baring Brothers, dessen Gründer der Sohn eines Bremer Pastors war, auf den Krieg!gegen Deutschland hinarbeitete, um sich der deutschen Konkurrenz in Südamerika zu entledigen. Trotzdem sind die Juden ,,die Anstifter des Welt-* krieges". Und ,,die Juden haben jetzt ihre Weltherrschaft begründet". Kann sich das auf die deutschen Juden allein beziehen? Im Winter 1915, als es galt, in Italien die dreibundfreundliche Stimmung zu erhalten und „moralische Eroberungen" zu machen, schlug! man in Florenz von deutschfreundlicher Seite dem dortigen Deutschen archäologischen Institut vor, eine Reihe von Vorträgen über die Arbeiten dieses Instituts für ein vornehmes geladenes Publikum zu veranstalten; man legte dem Leiter eine Liste der einzuladenden Persönlichkeiten vor. Der Leiter strich aus der Liste die Namen des Rabbino Maggiore und des Präsidenten der jüdischen Gemeinde von Florenz mit der Begründung: wenn diese beiden Männer anwesend wären, müßte er nachher den Saal ausräuchern lassen! Die beiden Männer erfreuen sich Äes größten Ansehens in Italien, der eine steht beim König in hoher Gunst und wurde von ihm oftmals mit seinem Besuch beehrt, der andere ist Mitglied des Senats. Aber der Vertreter des gelehrten Deutschlands müßte den Saal ausräuchern lassen, wenn sie bei seinem Vortrag anwesend wären. Das Wort wurde in ganz Italien kolportiert und erregte um so größeres Staunen, als es bekannt ist, daß das Institut zum guten Teil von namhaften Beiträgen deutscher Juden erhalten wird. Man sagte sich, es sei ausgeschlossen, daß sogar ein Russe — von einem Franzosen, Engländer oder Amerikaner ganz zu schweigen — in ähnlicher Stellung einen solchen Ausspruch täte, denn Russen in ähnlichen Stellungen im Auslande sind viel zu gut erzogen dazu. Nun überlege man, wie sehr jetzt Deutschland auf die gute Meinung! der Kulturwelt angewiesen ist. Es handelt sich zunächst um eine Revision des Versailler Vertrages, und es ist bekannt, daß gerade einflußreiche und angesehene Juden in den feindlichen Ländern sich dafür einsetzen. Es handelt sich um finanzielle Hilfe aus Amerika. Wenn nun hier die Baruch, Speyer, Warburg, Schiff, Kahn, Morgenthau für Deutschland eintreten, werden da nicht ihre amerikanischen Kollegen zu ihnen sprechen: „Ihr braucht euch für Deutschland kein Bein auszureißen, wenn ihr dort wäret, so hätte das jüngste Studentlein das Recht, euch hinauszuwerfen, gerade wie in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, als eure Vorfahren in Massen aus Süddeutschland nach Amerika kamen, um den Bedrückungen und Demütigungen zu entgehen. Ihr ereifert euch da zugunsten Deutschlands, und bis zum Jahre 1917 habt ihr alles aufgeboten, um es nicht zum Bruche kommen zu lassen, aber in Deutschland werden alle Juden als Landesverräter gebrandmarkt, die das Vaterland von hinten erdolcht haben ..." — Wie , sollen sich diese Leute gegen solche Redensarten wehren? Werden, wenn das so ungestört weitergeht, die außerdeutschen Juden nicht am Ende gezwungen sein, etwa einen jüdischen Weltbund zur Ab-