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Ost und West · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1920) · p. Seite 124 - 125

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
Article
Israel in Waffen
Date
1920-05-01
Page
Seite 124 - 125 (sequence 7)
Language
German
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124 Israel in Waffen 125 haft, wenn der Sohn eines hohen jüdischen Offiziers den Beruf des Vaters ergreift und sich darin auszeichnet. Aber wenn, der jüdische Fliegeroffizier, Sohn eines Obersten, nach seiner ersten Verwundung bekennt: „Nach den Freuden der Familie kommen für mich die des Krieges. Ich wüßte nicht zu sagen, welche von beiden die süßeren sind", %so klingt das in unsern Ohren schon sehr bedenklich. Liest man die trockenen amtlichen Berichte über die erstaunlichen Waffentaten hoher jüdischer Offiziere, so mischt sich in das Gefühl der Genugtuung! darüber^ daß auch ein Jude das konnte, was die „Arier*' bisher für ihre ausschließliche Domäne hielten, ein starkes Gefühl der Bangigkeit: Denn auch ich fing an zu rasen, Und ich werde fast wie du . . . Wenn's so weiter geht, dann kommt wohl aus unserer Mitte noch einmal ein Massenmörder, Zerstörer und Verderber hervor, wie Foch, Haig, Hindenburg, Rennen-' kämpf oder Ludendorff. Und vor diesem „Ruhm" graut uns, auf diesen „Ruhm" mochten wir doch wohl gern verzichten. Ein Newton, Goethe oder Pasteur sind' mehr wert als sämtliche Feldherren, haben ider Welt meht Segen und Freude jgespenöLet als sämtliche Eroberer und Staatengründer und Völkerbezwinger, deren Werk wie Spreu ist vor dem Windhauch der Geschichte. Und ein ,Ziinz, Krochinal, Einstein oder Ehrlich zeugen für den Kulturwert und die Daseinsberechtigung1 unseres Stammes mehr als alle 16 jüdischen Generale und die Hunderte von anderen hohen Offizieren in den Armeen der Entente. Wir atmen erleichtert auf, wenn wir trotz eifrigen Suchens keinen Zug von Grausamkeit, dagegen so viele Züge von Barmherzigkeit und Güte bei den jüdischen Kriegern finden. Wenn die französischen Juden (unter dem Beifall der amerikanischen) von sich rühmen, ihre Mentalität sei durchaus französisch, sie seien vollständig assimiliert, seien französische Staatsbürger jüdischen Glaubens, so ist es tröstlich, zu lesen, daß ihre Soldaten im Kriege jede Gelegenheit ergriffen, ein Minjan zu versammeln, um Gottesdienst zu halten, die Megillah zu lesen oder den Seder auszurichten. Möchte doch bei diesen Anlässen in ihren Seelen die Mahnung erwacht sein, daß die Assimilation nach jüdischer Auffassung sich nur auf die edlen Seiten in der Mentalität des umwohnenden Volkes beziehen darf, nicht aber auf die unedlen. Die amerikanischen Quäker waren die ersten, die sofort nach dem, Waffenstillstand den Deutschen brüderlich die Hand boten; sie organisierten die Speisung von Zehntausenden unterernährter deutscher Kindier, für jüdische richteten sie (rituelle Speisung ein. Die Teilnahmekarte trägt auf der Rückseite folgende Anrede an die kleinen Gäste: „Dies ist ein amerikanischer Freundschaftsgruß, vermittelt durch die religiöse Gesellschaft der Freunde, welche 250 Jahre hindurch] und selbst während des soeben beendeten Weltkrieges den Grundsatz vertreten hat, daß nur Hilfsbereitschaft urid Liebe, nicht Krieg und Gewalt der Menschheit Frieden und Glück ,bringen können." Diesen Grundsatz vertreten wir Juden seit mehr als 2500 Jahren, wir brauchen uns also mit niemandem zu assimilieren, wenn wir fortfahren, ihn zu bekennen und zu betätigen. Wenn man sich schon assimiliert, dann nur mit den Quäkern, mit Anatole France, Romain Rolland, Barbusse oder Jaures, nicht aber mit D^roul&de und L6on Daudet und Clemenceau... Der Rabbiner von Paris und Professor am College de France, Silva in L 6 v y, sagte am 7. März 1917 anläßlich einer Feier an der Sorbonne, bei der in Gegenwart des Präsidenten Poincar6 die Vertreter aller Religionsgenossenschaften gleichsam ein Bekenntnis ablegten, folgendes: „Israel hat von seinen Propheten den unerschütterlichen Glauben an den Sieg der Gerechtigkeit ererbt. Jetzt ist Frankreich, die Befreier-Nation, abermals die Vorkämpferm der Gerechtigkeit. Frankreichs Kinder jüdischen Glaubens wollen ihm dienen bis zum Tage des Sieges, welcher ihre alte Geburtsstätte El saß-Lothringen der französischen Gemeinschaft wiedergeben wird." Man muß natürlich der patriorischen~-i£a-_ serei, die bei feierlichen Anlässen während des Krieges" herrscht, vieles zugute_ halteai; aber bei allem Respekt vor dem gelehrten Rabbiner und Professor muß man doch sagen, daß hier der heilige Name Gottes und der Gerechtigkeit nichtigerweise mißbraucht wurde. Wie würde die Gerechtigkeit ausgesehen haben, wenn die französischen Spießer ihre 25 Milliarden nicht dem Zaren zu 6°/o geborgt, hätten; wenn es den Engländern gelungen wäre, eine Verständigung mit Wilhelm II. herbeizuführen und mit Frankreich vereint sich gegen Rußland zu wenden? Dann hätte Elsaß-Lothringen seine unstillbare Sehnsucht nach der Gerechtigkeit verschmerzt. Man darf wohl auch fragen, warum die Gerechtigkeit all die Jahrzehnte beharrlich schwieg, als Frankreichs Busenfreund, Nikolaus II. gegen die russischen Juden nicht weniger wütete als sein Urgroßvater, der grimmigste Feind Frankreichs? Und wie steht es um die Gerechtigkeit in den von Frankreich befreiten Ländern, Polen, Ungarn, Rumänien? Und der Friede von Versailles, ist er ein Werk der Gerechtigkeit? Da hat ein anderer Jude, der kein Rabbiner und kein Professor ist und überdies von den Alldeutschen wegen seiner Friedensfreundlichkeit aufs bitterste geschmäht und verleumdet wurde, Alfred H. Fried, in einem

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