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Ost und West · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1920) · p. Seite 122 - 123

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
Article
Israel in Waffen
Date
1920-05-01
Page
Seite 122 - 123 (sequence 6)
Language
German
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122 Israel in Waffen 123 Zahl der jüdischen Generale siebenmal so groß. Die Zahl der jüdischen Offiziere in den nachgeordneten Rängen, vom Kapitän bis zum Obersten, war in beiden Armeen sehr groß. Es wimmelt unter ihnen nur so (auch unter den 14 franzö-) sischen Generalen) von Cohens, Levys, Samuels, Salomons und Abrahams. Ein echter preußischer Leutnant," von jener Sorte, die uns keiner nachmacht, müßte vom Schlage gerührt werden, wenn er diese Liste zu Gesicht bekäme. In den amtlichen Armeebefehlen beider Heere werden die überaus zahlreichen Waffentaten jüdischer Mannschaften und Offiziere und deren militärische Fähigkeit mit den Worten höchsten Lobes hervorgehoben: Organisationstalent, Energie, vornehme Art, zu befehlen, Tatkraft, Unerschrockenheit, glänzende Befehlshabergeschicklichkeit, größte Todesverachtung, kaltblütiges Verhalten in höchster Todesgefahr, Initiative, hohes Pflichtgefühl, glänzendes Muster der Kühnheit und Tatkraft, leuchtendes Beispiel für die Mannschaften, Tollkühnheit bei gefährlichsten Unternehmungen. — Auffallend ist auch hier das überaus häufige Vorkommen jener dritten Art von Heldentaten, nämlich die Rettung Verwundeter mit eigener Lebensgefahr, für welche der amerikanische Gemeine Sawelson nach dem Tode dekoriert wurde. Es wird eine lohnende Aufgabe sein, alle nur irgendwie erreichbaren Armeebefehle sämtlicher kriegführenden Länder durchzugehen, alle Zitationen von Juden sorgfältig» zu sammeln und herauszugeben — ohne Kommentar! Nicht um vor der Welt zu prunken, sondern um uns selber Rechenschaft zu geben, was für Kräfte in uns schlummern' und wie wir seelisch diese fürchterliche Völkerprobe bestanden haben, die sich nie wiederholen möge. * * # Indessen kommen einem noch andere Gedanken beim Ueberschauen und Erwägen der obigen Zahlen und Tatsachen. Seitdem der letzte Aufstand der Juden in Palästina gegen die byzantinische Fremdherrschaft durch Kaiser Heraklius so grausam unterdrückt wurde (628), haben unsere Vorfahren nur ganz vereinzelt und in sehr seltenen Fällen zu iden Waf-< fen gegriffen. Aber auch in den Blütezeiten des unabhängigen jüdischen Heerwesens,' etwa unter König Dawid oder unter den Makkabäern, standen auch nicht im entferntesten so viele Juden im Felde wie in diesem Weltkriege, nie haben sich so viele Juden an militärischen Aktionen in so hohem Maße beteiligt wie diesmal. Man kann jetzt förmlich von einer Militarisierung der Juden reden. Das ist eine sehr bedeutsame Tatsache, die unsere ganze Aufmerksamkeit herausfordert. Keiner, auch nicht der schärfste Gegner des Krieges, wird leugnen, daß die Eigenschaften, die die jüdischen Soldaten an den Tag gelegt haben, sehr wertvoll und schätzbar sind. Aber, da diese Eigenschaften gerade in diesem blutigen Kriege verwendet worden sind, fragt es sich, ob wir nicht an unserer Seele erheblichen Schaden genommen haben. In den Berichten von jüdischer Seite, welche die amtlich konstatierten kriegerischen Leistungen der jüdischen Soldaten verzeichnen, erklingt nämlich oftmals ein zufriedener Ton, der äußerst unangenehm berührt, weil" er durch und durch unjüdisch1 ist, und das zwingt uns, diese Leistungen selbst, so wertvoll sie vom militärischen Standpunkt auch sein mögen, vom sittlichen Standpunkt aus einer Kritik zu unterziehen. Wir dürfen es nicht dazu kommen lassen, daß Juden am Krieg als solchem Geschmack finden, wie dies bei den Nationalisten anderer Völker der Fall ist. Für die jüdische Auffassung muß der Krieg immerdar ein fürchterliches Unglück bleiben, eine Schickung, eine Strafe, eine Züchtigung', in der der Mensch standhaft bleiben und die er männlich ertragen muß, indem er vor allen Dingen seine Pflicht tut, die ihm aber stets von neuem beweist, daß es seine oberste Pflicht ist, darauf hinzuarbeiten, daß der Krieg unnnötig! und unmöglich werde. Im Juden darf der Soldat auch nicht lauf einen Augenblick den Menschen ersticken. Man schickt ihn aus, um zu töten; auf die Gefahr hin, daß er selbst getötet wird. Das ist tragische Notwendigkeit; nicht der einzelne, nicht Hunderttausende von einzelnen sind imstande, sie abzuwenden. Aber indem er diese traurige Pflicht erfüllt) darf er keinen Moment aufhören, zu empfinden, daß es eine traurige Pflicht ist, die er erfüllt, und er muß sich vornehmen, nach beendetem Krieg dahin zu wirken, daß nie wieder die Notwendigkeit eintrete, diese traurige Pflicht zu erfüllen. Es ist ergreifend, wenn ein junger jüdischer Offizier aus dem Schlachtfeld schreibt: „Ich bin ein Jude, glaube aufrichtig an meine Religion und hänge mit ganzer Seele an ihr. Ich bin glücklich, für mein Vaterland Frankreich zu kämpfen, welches icji liebe. In der Einsamkeit vor dem Feind ist mir mein Glaube zu Hilfe gekommen und hat mich moralisch gerettet. Ich gedachte des Gebetes, welches ich als kleines Kind zu sagen pflegte, jeden Abend, bevor ich meine Mutter küßte. Ich betete auch jetzt, und Gott hielt mich aufrecht und gab mir Frieden. Jedesmal, wenn ich gezwungen bin, einen schwerwiegenden Entschluß zu fassen, denk' ich an Gott, und über mich kommt Seelenruhe. So oft ich sehe, daß es gilt, dem Tod ins Auge zu blicken, denk' ich an Gott, und meine Pflicht erscheint mir natürlich, ohne besonderes Verdienst." Es ist gewiß ehren-

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