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Ost und West · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1920) · p. Seite 120 - 121

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
Article
Israel in Waffen
Date
1920-05-01
Page
Seite 120 - 121 (sequence 5)
Language
German
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120 Israel in Waffen 121 legte zwei Monate später seine Vorurteile ab. Major Whittlesey, der als Führer des „Verlorenen Bataillons" in den Argonnen sich mit unsterblichem Kriegsruhm bedeckte, sagt aus: „Wir Offiziere von der 77. Division hatten Gelegenheit, die jüdischen Soldaten kennen zu lernen und sind dazu gekommen, von ihnen mit großer Bewunderung zu denken." Nicht weniger als 600 mal werden Juden im Armeebefehl lobend erwähnt für „Tapferkeit vor dem Feind und Eifer über und jenseits der Soldatenpflicht" (above and beyond the call of duty), 378 mal im Namen des amerikanischen, 162 mal im Namen des französischen und der Rest im Namen der anderen Oberkommandos. Diese Ziffern gehen weit hinaus über die Verhältniszahl der Juden im amerikanischen Heer. Die höchste amerikanische Kriegsauszeichnung, die äußerst selten vergeben wird, die Congiessional Medal of Honor, wurde an drei Juden erteilt. An den Sergeanten Sidney G. Gumpertz aus Chicago, „der am 26. September 1918 im Bois des Forges, als seine vorrückende Linie von Maschinengewehrfeuer aufgehalten wurde, mit zwei anderen Kameraden seine Rotte verließ und mitten im dichten Feuerregen auf den Feind zuschritt; seine beiden Kameraden waren bald durch Granaten getötqt, er aber setzte allein seinen Weg fort, stürzte sich auf die Gruppe der Maschinengewehre, brachte sie zum Schweigen und nahm neun Feinde gefangen." Er erhielt die höchste französische Auszeichnung, die Medaille Militaire und das Croix de Guerre mit Palme. Ferner an den Sergeanten Benjamin Kaufmann vom 30. Inf.-Regt. Dieser „stellte sich am 4. Oktober 1918 im Argonnenwald an die Spitze einer kleinen Abteilung, um eine feindliche Maschinengewehr- Kompagnie aufzuhalten. Er wurde von seiner Abteilung getrennt, eine Kugel zerschmetterte ihm den linken Arm, aber er rückte ohne Zögern vor, indem er mit der rechten Hand Granaten schleuderte; so zerstreute er die feindliche Gruppe und brachte das Maschinengewehr und einen Gefangenen zum nächsten Verbandplatz." Viel erquicklicher und menschlicher ist der Fall des dritten Höchstdekorierten, William Sawelson vom 312. Infanterie-Regiment. „Am 26. Oktober 1918, bei Grand Pre in einem Granatenverhau liegend, hörte er einen Verwundeten in einiger Entfernuing nach Wasser rufen; er kroch unter dichtem Maschinengewehrfeuer hin, gab dem Verwundeten das ganze Wasser, das er in seiner Flasche hatte, kehrte zurück und holte frisches Wasser, das er abermals dem Verwundeten hinbrachte. Unterwegs wurde er von einer Maschinengewehrkuigel getötet." Die Auszeichnung wurde seinem überlebenden Vater in Governor's Island eingehändigt. Diese Heldentat: Hilfeleistung an Verwundete mit Gefahr des eigenen Lebens, kommt unter den vom Armeebefehl erwähnten Auszeichnungen von Juden so häufig vor, daß die amerikanische Kommission sich veranlaßt sah, eine Probe anzustellen. Es wurden aufs Geratewohl 200 Auszeichnungen von Juden und 200 von Nichtjuden herausgegriffen und auf ihre Motive untersucht. Es ergab sich, daß das obengenannte Motiv bei den 200 Juden 64 mal, bei den 200 Nichtjuden 46 mal vorkam. Dieser Zug darf mit Recht als eine hervorragende Eigenschaft des jüdischen Soldaten angesehen werden. Den Tod erlitten, soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, 2500 jüdische Soldaten; man schätzt die noch ausstehende Zahl auf weitere 1000, das macht zusammen etwa 5 °/o der amerikanischen Gesamtverluste, entsprechend der Zahl der jüdischen Kriegsteilnehmer. Die Zahl der verwundeten Juden wird auf ungefähr 12 000 geschätzt. Viel glänzender war die Rolle der englischen und französischen Juden im Kriege. Die französischen Juden haben bereits eine alte Militärtradition; es gibt Familien unter ihnen, die schon in der vierten Generation hohe und höchste Offizierstellen innehaben. Aber auch in England wurde von Kriegsbeginn bis zur Einführung der Militärdienstpflicht die Zahl der Freiwilligen auf 10 000, darunter 1140 Offiziere, geschätzt. Die Zahl der Juden im eigentlichen England beträgt etwa 275 000, dazu kommen in den Dominions und Kolonien weitere 145 000; davon ist wohl mehr als ein Drittel ausländischer Herkunft, also vom Militärdienst befreit. Bis Kriegsende dienten in der 'englischen Armee etwa 50 000 jüdische Soldaten. Gefallen sind ihrer 2324, davon 316 Offiziere; verwundet und vennißt wurden 6350. Dekoriert wurden ihrer 1105, davon erhielten 5 die höchste militärische Auszeichnung, das Victoria Cross, 50 die zweithöchste, den Distinguished Service Order, 70 die dritthöchste, das Distinguished Military Cross. Frankreich zählte im Jahre 1914 etwa 95 000 Juden, davon waren 65 000 französischen Ursprungs. In den nordafrikanischen Besitzungen leben etwa 120 000 Juden. Die Zahl der jüdischen Soldaten ist noch nicht festgestellt worden, aber Mitte 1919 waren 2250 Gefallene ermittelt. Das entspricht ungefähr einer Zahl von 60—70 000 Soldaten. In beiden Armeen dienten jüdische Offiziere in den hohen und höchsten Rängen: in der englischen Armee zwei Generale, die zu dieser Stellung im Verlaufe des Krieges berufen wurden: Sir John Monasch, dessen Familie aus dem Posenschen stammt, und Brigadegeneral H. J. S e - 1 i g m an n, dessen Großeltern aus Süddeutsehland eingewandert sein dürften. In Frankreich war die

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